Von Erfahrung, umgewehten Banden und einer schönen Geschichte hinter einem tollen Sieg

Sieben Nationen waren beim Fünf-Sterne-Nationenpreis in Rotterdam am Start. Es siegte das Team aus den USA mit 446,442 Punkten vor den Schweden mit 427,035 und Deutschland mit 414,031. Knapp war die Entscheidung. Die Briten folgten auf Platz 4 mit 413,626 – uiha :-)

„Wir buchen Rotterdam zweifach als Erfahrung sammeln ab“, erklärte der begleitende Bundestrainer Jonny Hilberath. „Mit Fine Spirit von Hartwig Burfeind hatten wir ein erst neunjähriges Pferd dabei und für Jan-Dirk Gießelmann auf Real Dancer war es der erste Nationenpreis überhaupt. Beide Paare haben sich eigentlich gut präsentiert, beide haben sehr gute Grundqualität, aber leider hatten auch beide Fehler.“
Bernadette Brune war mit Spirit of the Age gar nicht am Start. Nachdem sich der Hengst vor Ort etwas matt gezeigt hatte, wollte die Reiterin nach Absprache mit dem Bundestrainer lieber nicht reiten.
Riesenpech hatte Anabel Balkenhol mit Dablino. Das Wetter in Rotterdam drehte so manche Kapriole – von Sonne über Regen bis zu Orkanböen war alles dabei. Das sorgte bei einigen Pferde für Anspannung und daraus resultierende Fehler, aber der erfahrene Dablino wurde ganz speziell 'getestet'. Dablino bewegte sich im Grand Prix in der Linkstraversale gerade auf die lange Seite zu, als die Vierecksbegrenzung in voller 60-Meter-Länge vom Wind umgepustet wurde und ins Viereck fiel. Oha! Natürlich wurde das Paar abgeklingelt, die Vierecksbegrenzung wieder aufgebaut und dann durfte, wieder mit der Linkstraversale beginnend, weitergeritten werden. „Aber da war bei dem Paar verständlicherweise der Faden gerissen“, erklärte Hilberath. Im Special sei Anabel Balkenhol eigentlich wieder ganz zufrieden gewesen, so Hilberath – der selbst nicht dabei zugucken konnte, weil er Burfeind auf dem Abreiteplatz half – kam aber leider über 68,686 Prozent nicht hinaus. „Insgesamt sind die Richter hier etwas zurückhaltend mit den Punkten umgegangen“, betonte der Co-Bundestrainer. „Das verzerrt das Bild der Leistungen zusätzlich.“ Fine Spirit fühlte sich auch im Special in dem Rotterdamer Viereck noch nicht ganz zu Hause, hatte Momente der Spannung und einige Fehler, aber auch typische Highlights für die engagierte Stute. Ihr Endergebnis lag bei 68,47 Prozent.
Real Dancer mit Jan-Dirk Gießelmann war das einzige Pferd für Deutschland in der Kür, blieb aber auch hier etwas 'umweltorientiert' unter seinen Möglichkeiten. „Da gab es gerade zu Anfang der Kür einige Stockungen und ein Fehler in den Zweierwechseln, aber insgesamt war das Pferd gelassener als im Grand Prix und hatte auch seine Höhepunkte in der Piaff-Passage-Tour und den Pirouetten beispielsweise“, so Hilberath.

„Sehr ungünstig“
Das System des Nationenpreises in Rotterdam ist speziell. Es verlangt zum Beispiel, dass mindestens zwei Pferde pro Nation im Special an den Start gehen. Somit war das Team der Niederlande geplatzt, als sich Cennin von Madeleine Witte-Vrees beim Abreiten ein Eisen abtrat und nicht starten konnte. „Das war einfach schade und ich halte dieses System deshalb für sehr ungünstig“, erklärte Hilberath. In der Kür muss/darf jedes Team nur eine Wertung einbringen

„Schöne Geschichte“
Besonders genossen hat Hilberath den Grand Prix der U25-Reiter. Mit der Baden-Württembergerin Anna-Louisa Fuchs hatte Deutschland nur eine Vertreterin am Start. Die 22-Jährige saß auf den Royal Diamond-Sohn Rodrigos, den zuvor Renate Gohr-Bimmel unter dem Sattel hatte. Im September vergangenen Jahres hatte der jetzt 15-Jährige noch eine schwere Kolik-OP überstanden, im Februar hatten sich die beiden beim Auswahl-Lehrgang für den Piaff-Förderpreis empfohlen und in Rotterdam gewann das Paar mit 70,093 Prozent gegen prominente Konkurrenz den U25-Grand Prix. „Das war ein toller Erfolg und eine schöne Geschichte, vor allem für das Pferd, wie er sich wieder ins Leben zurückgekämpft hat nach seiner schweren OP“, freute sich Hilberath. „Und so fahren wir doch mit einem sehr schönen Sieg nach Hause.“