dressursport-deutschland.de im Gespräch mit Isabell Werth

In drei Tagen steht im dänischen Herning die erste Weltcup-Prüfung der Saison 2017-2018 auf dem Programm. Mit dabei: Titelverteidigerin Isabell Werth. dressursport-deutschland.de hat mit der dreifachen Weltcup-Siegerin gesprochen – über ihre Weltcup-Treue, ihre Pläne und das System, das für ein Stück Klarheit sorgt…

dressursport-deutschland.de: Der Weltcup startet in seine 33. Saison und Sie sind wieder dabei – mit voller PS-Stärke…
Isabell Werth: Ja, ich habe drei Pferde für die Weltcup-Saison in diesem Jahr: Don Johnson, der den Anfang in Herning macht. Emilio, mit dem ich voraussichtlich nach Lyon gehe, und Weihegold, die für Stuttgart eingeplant ist. Für alle drei behalte ich die Küren, die ich bereits hatte. Die Kür von Jonny werde ich sicher nicht ändern. Die ist super, passt zu Jonny und ich liebe sie. Emilios Kür habe ich erst drei- oder viermal geritten und warum sollte ich Weihes Kür ändern? Die ist klasse so wie sie ist.

dressursport-deutschland.de: Als Titelverteidigerin sind Sie fürs Finale gesetzt, aber Sie müssen trotzdem bestimmte Bedingungen erfüllen…
Isabell Werth: Ich darf nur mit einem Pferd am Finale teilnehmen, dass ich bei mindestens zwei Weltcup-Stationen eingesetzt habe. Das strebe ich mit allen dreien an. Aber wer dann am Ende das Finale gehen wird, ist noch völlig offen.

dressursport-deutschland.de: In der vergangenen Weltcup-Saison wurde erstmals das neue Bewertungsystem für den Schwierigkeitsgrad in der Kür eingesetzt. Was ist Ihr Fazit? Hat es sich bewährt?
Isabell Werth: Absolut!Mit diesem System wurde im Rahmen aller Subjektivität ein objektives Mittel geschaffen. Ich hoffe sehr, dass dieses Bewertungssystem auch bald bei Championaten oder vielmehr bei allen internationalen Turnieren eingesetzt wird. Wir haben es ja bei der Europameisterschaft in Göteborg gesehen. Da wurde dieses Bewertungssystem nicht angewandt und die Variabilität in der Bewertung war sehr groß. Dieses System macht unseren Sport wieder ein Stück weit klarer. Dagegen sind die ganzen Diskussionen über allen möglichen Kram wie HiLo (Anm. d. Red.: HiLo bedeutet höchste und niedrigste Wertung jeweils streichen), den wir schon x-Mal hatten und der nichts gebracht hat, völlig überflüssig. Ich hoffe sehr, dass die FEI dieses bewährte System jetzt weiter verfolgt.

dressursport-deutschland.de: Bei Einführung des Systems war die Skepsis groß, dass es zu kompliziert sei – auch in der Umsetzung für die Reiter?
Isabell Werth: Das kann wirklich keiner sagen, dass es zu kompliziert war. Und wer wollte hat erstklassige Hilfestellung von Daniel Göhlen bekommen, so dass das gar kein Problem war.

dressursport-deutschland.de: 1992 haben Sie Ihr erstes Weltcup-Finale gewonnen. Seitdem sind Sie Stammgast im Weltcup. Was genießen Sie so an dieser Serie, dass Sie ihr so treu sind?
Isabell Werth: Der Weltcup hat die Hallenveranstaltungen extrem attraktiv gehalten. Eine schöne Kürprüfung in einer ausverkauften Halle sorgt einfach für phänomenale Stimmung. Ähnlich ist es in einem vollen Stadion. Und die Turniere des Weltcups sind in der Regel alle besonders schöne Turniere. Auf der anderen Seite ist es für die Pferde auch nicht immer einfach: Es sind oft Veranstaltungen mit viel Lautstärke und Tamtam. Da müssen wir sehr darauf achten, dass wir nicht in einem Widerspruch mit dem gewollten 'Happy Athlet' kommen.

dressursport-deutschland.de: 20 Finals, drei Weltcup-Siege – gibt es so etwas wie den ganz speziellen Weltcup-Moment für Sie?
Isabell Werth: (lacht) Nein, das kann ich wirklich nicht sagen. Ein ganz besonderer Weltcup-Moment war sicher der Sieg mit Amaretto in der Weltcup-Kür in Genf. Amaretto war einfach wunderbar und er schlug dort Bonfire von Anky van Grunsven – da ging es hoch her. Aber auch die Siege mit Fabienne, Hannes (Warum Nicht) und Weihegold waren allesamt besonders.

dressursport-deutschland.de: In den vergangenen Jahren wurde der Weltcup meist mit der Station in Odense eingeläutet, dieses Jahr macht Herning den Anfang…
Isabell Werth: Ehrlich gesagt, ich bin ganz froh darum. Odense gehörte nicht zu meinen Lieblingsturnieren und Herning kennen wir als Turnier mit sehr guten Bedingungen. Ich freue mich darauf.