Der internationale Dressursport ist in falscher Richtung unterwegs…

Um 11.23 Uhr wurde es im Blog der FEI-Generalversammlung vermerkt: Die Fußnoten werden gestrichen! Lediglich die Note für Sitz und Einwirkung des Reiters bleibt bestehen. So wurde abgestimmt mit nur fünf Nationen, die dagegen stimmten, und zwei Enthaltungen.
Bisher gab es bei internationalen Dressurprüfungen vier Fußnoten: Reinheit der Gänge, Schwung, Gehorsam und Durchlässigkeit des Pferdes sowie Sitz und Einwirkung des Reiters, wobei die beiden Letztgenannten außerdem mit dem Koeffizienten zwei versehen waren. Jetzt gibt es international keine Fußnoten mehr. Was bedeutet das für den Sport? dressursport-deutschland.de sprach mit Bundestrainerin Monica Theodorescu und mit Fünf-Sterne-Richter Dr. Dietrich Plewa.

Bundestrainerin Monica Theodorescu ist alles andere als begeistert: „Ich bin zwar froh, dass wir von dem HiLo-System weggekommen sind, aber die Streichung der Fußnoten ist in meinen Augen auch eine sehr schlechte Idee. Ich hatte auch im Vorfeld schriftlich im Internationalen Trainer Club (IDTC) geäußert, dass ich davon nichts halte. Die Fußnoten sind essentiell wichtig, um die Wertigkeit der Grundsätze des Dressursports zu unterstreichen. Der Richter hatte so die Möglichkeit, das Augenmerk des Reiters auf grundlegend Positives wie Negatives zu richten. Sei es die Reinheit der Gänge, die Losgelassenheit, Anlehnung, Aktivität der Hinterhand und vieles mehr. Ich hoffe nicht, dass wir durch diese Veränderung wieder mehr Pferde sehen werden, denen es an Losgelassenheit und natürlicher Ausstrahlung fehlt.“

Der internationale Fünf-Sterne-Richter Dr. Dietrich Plewa zeigt sich im Gespräch mit dressursport-deutschland.de ebenso enttäuscht wie die Cheftrainerin und erklärt in folgendem Statement:

„Diese Entscheidung hat mich auch etwas überrascht. Ich hätte mir schon gewünscht, dass die Fußnoten erhalten bleiben, damit wir Richter eine Chance haben, am Ende einer Prüfung unseren generellen Eindruck zusammenzufassen und zu bewerten. Jetzt wurde nur die Fußnote für Sitz und Einwirkung des Reiters erhalten, wobei ich mir gerade bei dieser Note hätte vorstellen können, dass man den Koeffizienten streicht. Nicht selten profitiert ein Reiter bei dieser Note von seinem Namen. Die Note für den Reiter halte ich für wichtig, aber im Verhältnis zu den anderen Fußnoten halte ich diese Note eher für weniger bedeutsam. Insbesondere die Note für die Reinheit der Gänge hatte besonderen Wert. Ein Beispiel: Wenn ein Pferd Taktstörungen in der Prüfung aufweist, die uns aber nicht dazu berechtigen, es zu eliminieren, dann hatten wir in dieser Fußnote die Möglichkeit, unsere Bedenken in Bezug auf Balance und Taktsicherheit nochmals zum Ausdruck zu bringen. Oder denken Sie an den Schritt. Der Schritt wird nur mit zwei Noten, mit Koeffizient versehen, berücksichtigt. Zuvor konnten wir einen grundlegenden Mangel in der Grundgangart Schritt auch noch einmal in der Fußnote unterstreichen, zumal der Schritt auch etwas über die richtige Ausbildung eines Pferdes verrät.
Denken wir auch an die Fußnote für den Gehorsam. Dort konnten wir eine Aussage dazu machen, ob die Vorstellung eines Pferdes ausbildungsmäßig dem entspricht, was wir sehen wollen. Häufig sehen wir Pferde, die technisch keine Fehler machen, aber die Lektionen eher mechanisch, nicht durch den Körper gehend, absolvieren. Das ist aber nicht das, was wir wollen. Darauf konnten wir in der Fußnote fürGehorsam hinweisen. Immer wieder wird viel über die Anlehnung diskutiert. Gerade wenn Pferde durchgehend etwas zu eng im Hals eingestellt sind, konnte das in der Einzelnote oft nur unzulänglich berücksichtigt werden. Mit der Fußnote für Gehorsam konnten wir klar machen, dass wir Anlehnungsmängel/enge Hälse nicht tolerieren.
Die Fußnoten waren ganz ganz wichtig, um eine zusammenfassende Aussage abzugeben.“