Bundestrainer Sebastian Heinze setzt bei der EM auf eine Equipe aus vier bewährten Championatspaaren und ist sich der starken Konkurrenz bewusst.
„Unser Fokus liegt erstmal auf der Mannschaftsaufgabe. Das Ziel ist ganz klar: die Titelverteidigung“, gibt Sebastian Heinze die Marschroute vor. „Wir haben ein Team mit ganz erfahrenen und nervenstarken Paaren, die genau wissen, was auf sie zukommt und wie so ein Championat abläuft. Alle haben jetzt kürzlich in Aachen und Verden noch einmal gute und konstante Leistungen gezeigt. Aber der Erfolg bei der EM hängt auch von der Tagesform ab. Da können ein, zwei Fehler schon zu viel sein. Es geht also erstmal darum, sichere Runden zu reiten.“ Die Leistungsdichte in der Altersklasse U25 schätzt der Bundestrainer erneut sehr hoch ein. Die Teams aus Schweden und den Niederlanden hält er, wie schon im vergangenen Jahr, für die stärksten Konkurrenten. Mit Denise Nekeman haben die Niederländer eine Reiterin im Team, die in Aachen dieses Jahr in der CDI4-Tour gestartet ist. Dazu kommt Maxime van der Vlist, Nummer eins der U25-Weltrangliste.


Am Freitag trifft sich das deutsche Team zum Abschluss-Trainingslager in Warendorf. Die 20-jährige Jil-Marielle Becks (Senden) ist das Küken der Mannschaft und weiß wie es ist, EM-Medaillen zu gewinnen. 2016 nahm die Studentin mit ihrem heute zehnjährigen Westfalen Wallach Damon’s Satelite erstmals an einer EM teil. Die beiden gehörten zum deutschen U21-Team im spanischen Oliva und brachten Team-Gold sowie Einzel-Silber und -Bronze mit nach Hause. In diesem Jahr sammelt Becks erstmals Erfahrungen in der Altersklasse U25. Mit Damon’s Satelite und seiner Vollschwester Damon’s Delorange hat sie bereits zwei Etappen des Piaff-Förderpreises gewonnen, außerdem gehörte sie zum siegreichen U25-Nationenpreis-Teams in Aachen und hat sich mit Satelite für Exloo empfohlen. „Satelite und ich sind beide noch jung, deshalb wollten wir die Sache dieses Jahr locker angehen. Wir hatten nicht die ganze Zeit die EM als Ziel vor Augen und somit ist kein Druck entstanden. Die ersten Prüfungen mit Piaffen und Passagen liefen aber sehr gut, dann konnten wir bei der ersten Sichtung in Balve überzeugen und auch noch beim Nationenpreis in Aachen. Das war einfach toll. Ich habe gemerkt, dass wir beide von Prüfung zu Prüfung immer mehr Sicherheit gewinnen“, berichtet Becks. „Trotzdem will ich die EM locker angehen und uns nicht unter Druck setzen. Erstmal wollen wir für die Mannschaft eine gute Leistung bringen und einfach unser Bestes geben.“


Lisa-Maria Klössinger (25) aus Bayern gehörte bereits im vergangenen Jahr zum erfolgreichen deutschen U25-EM-Team in Lamprechtshausen (AUT). Zusätzlich gewann sie mit ihrem 13-jährigen Wallach FBW Daktari Einzel-Gold im Kurz-Grand-Prix. Eine weitere Einzel-Goldmedaille blieb ihr verwehrt – der Dauerregen setzte der Sound-Anlage so zu, dass die Kür buchstäblich ins Wasser fiel. „Es wäre natürlich toll, wenn ich diesmal die Kür reiten könnte. Aber erstmal hoffe ich, dass wir den Mannschaftstitel verteidigen können“, sagt Klössinger. Im vergangenen Jahr hat sie mit ihrem Daktari alles erreicht, was ging. Nach EM-Gold folgte noch der Sieg im Finale des Piaff-Förderpreises. Die beiden haben inzwischen auch schon auf Drei- bis Fünf-Sterne-Niveau Siege und Platzierungen gesammelt. In Aachen waren sie dieses Jahr erneut Teil des U25-Nationenpreisteams und belegten Platz drei in der Kür. Klössinger hat im Frühjahr ihr Studium im Sport-, Event- und Medienmanagement abgeschlossen und widmet sich inzwischen ganz der Ausbildung ihrer Pferde und dem Unterrichten ihrer Schüler. Mit Nachwuchspferd Quam Libet hat sie ein weiteres zukünftiges Grand-Prix-Pferd im Stall, dem zwar noch etwas Routine fehlt, mit dem sie aber ebenfalls den Schritt aus dem U25-Bereich hin zu den Senioren meistern will. Für ihr altersbedingt letztes U25-Championat wünscht sich Klössinger: „Noch einmal Spaß haben. Was dann kommt, das kommt. Ich glaube, wir haben ein tolles Team aus erfahrenen alten Hasen, zu denen ich mich jetzt auch schon zähle, und starken jungen Leuten wie Jil, die frischen Wind bringen.“


Wie Klössinger war auch Bianca Nowag (Ostbevern) 2017 Teil der deutschen Gold-Equipe in Lamprechtshausen. Mit ihrer 14-jährigen westfälischen Stute Fair Play RB, die ihr von Reiner Bockholt (Steinfeld) zur Verfügung gestellt wird, bildet die 23-jährige Bereiterin inzwischen ein eingespieltes Team. Zusammen erzielten sie schon zahlreiche Siege und Platzierungen in der nationalen U25-Dressurserie Piaff-Förderpreis sowie in CDIU25. Nowag war in den vergangenen Jahren immer wieder Teil der deutschen Teams bei den Europameisterschaften der Ponyreiter und Junioren. 2015 brachten sie und Fair Play zwei Gold- und eine Silbermedaille von der U21-EM mit nach Hause. Bianca Nowag gehört der Perspektivgruppe Dressur des Deutschen Olympiade-Komitees für Reiterei (DOKR) sowie dem Talentpool der Stiftung Deutscher Spitzenpferdesport an. Ihre Marschroute für die EM in Exloo ist klar: „Mein persönliches Ziel ist es erstmal, die Leistung vom letzten Jahr zu verbessern. Am ersten Tag lief es noch sehr gut für Fair Play und mich. Am zweiten Tag ging dann aber leider von heute auf morgen gar nichts mehr. Das soll natürlich nicht nochmal passieren. Wenn wir es unter die besten Zehn schaffen würden, wäre das toll. Ob das für die Kür reicht, sehen wir dann. Es wäre natürlich toll, aber ich sehe das alles auch sehr realistisch, weil wir ein starkes Team haben und nur drei in der Kür starten dürfen. Auf jeden Fall wollen wir wieder Gold mit der Mannschaft holen, aber die Holländer sind stark. Sie waren uns schon im letzten Jahr dicht auf den Fersen. Es wäre jedenfalls mega cool, wenn wir es wieder schaffen würden.“


Mit der 25-jährigen Juliette Piotrowski (Kaarst) und ihrem 13-jährigen Oldenburger Wallach Sir Diamond kann Sebastian Heinze auf ein weiteres absolut Championats-erprobtes Paar setzen. Diese beiden haben bisher alle U25-EM bestritten und gehörten auch 2013 und 2014 zu den deutschen U21-Gold-Equipen. Nun wollen sie natürlich in ihrem letzten U25-Jahr noch einmal Gold mit nach Hause bringen. Gute Voraussetzungen sind gegeben: Auch dieses Paar war im Juli Teil der siegreichen deutschen Equipe in Aachen. Juliette Piotrowski hat eine Lehre zur Bereiterin bei dem renommierten Dressurausbilder Ton de Ridder absolviert. Inzwischen hat sie sich als Bereiterin selbstständig gemacht. „Altersbedingt ist es für Lisa und mich die letzte U25-EM. Wir hoffen natürlich, dass wir die Team-Medaille wieder nach Deutschland holen und ein paar schöne Runden zeigen können. Am wichtigsten ist erstmal das Mannschaftsergebnis. Wenn dann noch eine Einzelmedaille für uns herausspringt, wäre das natürlich schön. Aber erstmal müssen wir vernünftige Prüfungen reiten. Ich habe das Glück, dass mein Pferd immer Top-Leistungen abgerufen hat, wenn ich es brauchte und er mich nie hängen lässt“, erklärt Piotrowski die Beständigkeit ihrer Championatserfolge in den vergangenen Jahren.


Die U25-Europameisterschaften der Dressurreiter finden erst zum dritten Mal statt. Bisher gingen alle Team- und Einzel-Goldmedaillen dieser Altersklasse an deutsche Reiter. Austragungsort ist diesmal nach Hagen a.T.W. und Lamprechtshausen (AUT) das Pferdezentrum Exloo in den Niederlanden.


Der U25-EM-Zeitplan
Mittwoch, 15. August, 16.00 Uhr Intermediaire II – Medaillenentscheidung Team
Donnerstag, 16. August, 15.30 Uhr U25-Grand Prix – Medaillenentscheidung Einzel
Freitag, 17. August, 13.15 Uhr Grand Prix Kür – Medaillenentscheidung Einzel


Weitere Informationen zur U25-EM finden Sie hier: www.hippischcentrumexloo.nl/nieuws/fei-european-dressage-championship-u25/

 

Quelle: fn-press