Morgen ist nicht nur der Schlusstag der olympischen Reiterspiele 2012, morgen feiert auch einer aus dem deutschen Trainerteam seinen 66. Geburtstag: Jürgen Koschel. Für Koschel waren es die sechsten Olympischen Spiele. Uns hat er seine Erfahrungen geschildert und seinen geheimsten Wunsch verraten.

Frage: Der olympische Kürtag ist Ihr Geburtstag. Da drängt sich die Frage auf: Was wäre Ihr schönstes Geburtstagsgeschenk?
Koschel: Man kann ja ein bisschen träumen… (lacht) Im Ernst, ich wünsche mir einfach, dass es hier gut läuft, für alle. Das ist so ein tolles Team.

Frage: Es sind Ihre sechsten Olympischen Spiele. Lassen Sie einmal kurz für uns Ihre olympischen Erfahrungen Revue passieren.
Koschel: Das ging los mit Los Angeles 1984, damals war ich als Trainer von der Finnin Kyra Kyrklund dabei. Vier Jahre später hatten wir ein finnisches Team zusammen und ich war Teamcoach der Finnen in Seoul. 1992 war ich nicht in Barcelona. 1996 in Atlanta hatten die Spanier zum ersten Mal überhaupt ein Olympia-Team in der Dressur am Start, damals war ich National-Trainer der Spanier. 2000 in Sydney habe ich die Holländer betreut, damals hat Anky Gold gewonnen, und 2004 war ich als Schweizer Teamtrainer mit in Athen. Ja, und jetzt bin ich hier in London mit Kristina.

Frage: Viermal waren Sie als Teamtrainer dabei, zweimal als Einzelcoach. Ist das ein Unterschied?
Koschel: Wenn man mit einem Team zu Olympia fährt, hat man normalerweise eine Art Unterstützerfunktion der Heimtrainer, die ja auch immer dabei sind. Als Trainer einer Einzelperson ist man noch mehr fixiert natürlich. Und dieses Mal kommt hinzu, dass Tina bei uns fast schon zur Familie gehört. Es ist ein bisschen ähnlich zu den beiden Championaten, die EM und WM, die ich mit meinem Sohn, erlebt habe. Das geht schon ganz schön an die Nieren, ich bin da mit viel Herzblut dabei.

Frage: Sechsmal Olympia – aber alle Olympischen Spielen haben ihr eigenes Flair…
Koschel: Ja, absolut. Los Angeles war ganz toll. Da waren die Reiterspiele auf einer Rennbahn und man hat gemerkt, dass diese Spiele von Pferdeleuten gemacht wurden – im Gegensatz zu Korea vier Jahre später. Das ist kein Pferdeland. Da wurden die Tribünen mit lärmenden Schulklassen aufgefüllt, weil sie sonst keine Zuschauer hatten. Das war auch gut, aber anders. Dann kam Atlanta. Das war sehr amerikanisch mit viel Coca Cola und Mac Donalds. Meine Spanier haben gelitten, weil sie nicht mit dem Essen klar kamen und sie waren sehr glücklich, als einen Abend die spanische Königsfamilie zum Essen geladen hatte und es leckeren Rotwein  und Ibérico-Schinken gab. Ein Highlight war Sydney. Damals hatten wir mit dem niederländischen Dressurteam eine ganze Farm von einem australischen Springreiter gemietet und haben da fast sechs Wochen zusammen verbracht. Der Freund von Arjen Teeuwissen war Koch und wir haben jeden Abend sehr lecker zusammen gekocht. Außerdem mussten wir die Zeit ja irgendwie rumkriegen und waren Teilzeit-Mitglieder in diversen Sportclubs, im Fitnessclub und im Golfclub zum Beispiel. Ich muss zugeben, in Athen 2004 ist bei mir der olympische Funke nicht übergesprungen. Einerseits bin ich kein Griechenland-Fan, andererseits war es im Grunde ein Reitturnier außerhalb von Athen.

Frage: Und wie ordnen Sie jetzt London ein?
Koschel: Das würde ich gleichsetzen mit Sydney. Die Organisation ist perfekt, die Bedingungen sind perfekt, wir haben überall kurze Wege und der Park hier macht eine gemütliche Atmosphäre. Zudem haben wir hier eine tolle Truppe zusammen. Für einen, der so viel mitgemacht hat wie ich, ist das ein Erlebnis, wie vier junge Leute so zusammenhalten. Da gibt es keinen Zickenkrieg, keinen Lagerkoller.

Frage: Ihren Geburtstag werden Sie wahrscheinlich erst zu Hause feiern? Und welchen geheimen Wunsch würden Sie sich von der Geburtstagsfee wünschen – ohne an Olympia zu denken?
Koschel: Ja, wir fliegen Freitag nach Hause und darauf freut man sich jetzt natürlich auch wieder. Da trinken wir bestimmt noch ein Gläschen zusammen. Und es gibt tatsächlich etwas, dass ich mir mit meinem Sohn schon sehr lange wünsche – oder besser gewünscht habe (grinst). Wir wollten uns immer mal mit einem Heli in der Wildnis von Kanada oder Alaska absetzen lassen und dann eine Woche lang die Bären beobachten. Aber ich glaube, den Zeitpunkt haben wir verpasst, das halte ich heute vielleicht nicht mehr durch.