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Klare Worte von Reitmeister Hubertus Schmidt…

 

Hubertus Schmidt genießt seine winterliche Turnierpause und hat noch einen spannenden Urlaub geplant. Trotzdem verfolgt der Reitmeister natürlich die erneut aufflackernden Diskussionen um die Themen HiLo und Verkürzung der Aufgaben im Dressursport. Gegenüber dressursport-deutschland.de hat Schmidt sehr klar Stellung bezogen:

"HiLo – die Idee halte ich einfach für falsch! Wenn wir anfangen, die höchste und die niedrigste Wertung zu streichen, dann bekommen wir nur noch Einheitsbrei. Kein Richter – oder nur die wenigsten – wird sich noch trauen, in der Note mal deutlich nach oben oder nach unten zu gehen, weil er nicht das Streichergebnis sein möchte. Aber deshalb sitzen unsere Richter an verschiedenen Positionen: Damit sie das beurteilen, was sie von ihrer Position aus sehen. Da kann es schon mal sein, dass nur einer der fünf Richter beispielsweise die Zunge draußen sieht und in der Note unten ist. Diese Note dann zu streichen, wäre falsch! Oder stellen wir uns eins der etablierten Paare vor. Auch solche Paare können mal einen schlechten Tag haben. Der Richter, der sich dann traut, in der Note deutlich nach unten zu gehen, der Tagesleistung angepasst, der wird dann gestrichen. Diesen Mut haben sowieso nur wenige Richter, durch HiLo würden es noch weniger werden.

Mein Fazit: HiLo ist der falsche Ansatz!

Der zweite immer wieder diskutierte Punkte ist die Kürzung der Dressuraufgaben. Egal wie wir die Aufgaben kürzen: Wir bleiben eine Randsportart! Aber wir haben definitiv unsere Fans, viele Fans. Wenn wir uns die Turniere wie Aachen oder Frankfurt ansehen – die Tribünen sind voll! Ich glaube nicht, das kürzere Aufgaben unseren Sport spannender machen würden. 
Ich möchte ein Beispiel geben: Stellen wir uns einen Grand Prix vor, in dem die Piaffe nur einmal aus der Passage aus einer Rechtswendung verlangt wird – nicht aus der Linkswendung, nicht aus dem Schritt. Aber zur wirklichen Beurteilung brauchen wir diese verschiedenen Momente, die sind nicht verkürzbar. Auch unter dem Blickwinkel des 'Horsemanship' habe ich ein Problem damit, die Aufgabe des Grand Prix beispielsweise zu verkürzen. Die Lektionen kommen ohnehin schon Schlag auf Schlag. Verkürzen wir die Aufgabe, werden die Schwierigkeiten noch schneller hintereinander den Pferden abverlangt. Ich finde das den Pferden gegenüber unfair. Es besteht die Gefahr, dass es für sie noch hektischer und stressiger wird. Im jetzigen Grand Prix haben sie wenigstens im Schritt Zeit, kurz durchzuschnaufen. Verkürzt man diese Strecke, wird ihnen auch dieser Moment genommen. Weitere Beispiele sind das Rückwärtsrichten und die Traversalen. Das Rückwärtsrichten ist und bleibt eine gute Übung und verlangt viel Durchlässigkeit. Ich reite sehr viele verschiedene Pferde und mit jedem Pferd ist es anders, aber für alle ist es wichtig. Das sollte nicht wegfallen. Und denken wir an die steilen Traversalen im Grand Prix – ich reite diese Lektion sehr gerne. Die Pferde müssen dafür enorm gut gymnastiziert sein. Weder dem Sport, noch den Reiter, noch den Pferden ist geholfen, wenn wir die Traversalen verkürzen.
Das sind nur einige Beispiele, die deutlich machen, warum ich absolut der Meinung bin, dass uns das Kürzen der Dressuraufgaben keine Vorteile, sondern Nachteile bringen würde."