Hannah Erbe erzählt im Interview mit dressursport-deutschland.de über ihre Erfahrungen mit ihrer Chefin, Isabell Werth…

2017 haben Hannah Erbe und Carlos den Vogel abgeschossen und kamen von der Europameistertschaft der Jungen Reiter mit drei Goldmedaillen zurück! Seit gut eineinhalb Jahren arbeitet sie im Team von Isabell Werth. Wie kam sie in den Werth'schen Stall? Was macht ihr am meisten Spaß? Und wieso hat Isabell Werth sogar ihre Berufsvorstellungen über den Haufen geworfen?…

• dressursport-deutschland.de: Hannah, Du gehörst zum Team bei der Nummer eins der Dressurwelt, bei Isabell Werth. Wie hast Du das hinbekommen?
Hannah Erbe: Mir war schon in der Schulzeit absolut klar, dass ich total gerne ein Praktikum bei Isabell machen möchte. Ich kenne keine bessere. Ich finde es absolut beeindruckend, wie sie mit den Pferden arbeitet. Heiner (Schiergen), mit dem ich viele Jahre trainiert habe, kennt Isabell gut. Er hat das dann für mich eingefädelt und so bin ich im Sommer 2017 zu Isabell in den Stall gekommen.

dressursport-deutschland.de: Wie ist Dein Praktikum abgelaufen, was hast Du gemacht?
Hannah Erbe: Ich war vormittags im Stall und habe überall geholfen, wo Hilfe gebraucht wurde. Ich bin ab und zu auch geritten, aber vor allen Dingen habe ich ganz viel zugeguckt. Das hat mich geflasht! Ich kann, glaube ich, gut und genau beobachten, fast ein bisschen 'stalkermäßig' (grinst). Was ich morgens bei Isabell beobachtet habe, konnte ich nachmittags immer besser auch auf meinen Pferden umsetzen. Als das Praktikum eigentlich vorbei war, war mir klar: Ich möchte auf keinen Fall da weg. Also habe ich Isabell gefragt und ich durfte mein Praktikum bis Ende des Jahres verlängern.

dressursport-deutschland.de: Aber irgendwann war auch diese Zeit vorbei…
Hannah Erbe: Ja, aber ich wollte immer noch nicht weg. Ich hatte das Gefühl, dass ich zu der Zeit gerade anfing, die Hintergründe von Isabells Arbeit mit den Pferden zu verstehen. Ich durfte weiter bleiben. Jetzt arbeite ich vormittags bei Isabell im Stall, reite nachmittags meine Pferde und studiere nebenher seit April 2018 Immobilienmanagement im Fernstudium.

dressursport-deutschland.de: Fernstudium bedeutet sehr viel Selbstdisziplin…?
Hannah Erbe: Ja, man muss schon von alleine etwas tun. Nur alle fünf Wochen muss ich mal in die Uni und natürlich zu den Prüfungen. Ich möchte dieses Studium auf jeden Fall zu Ende machen, um eine akademische Basis zu haben. Seitdem ich bei Isabell bin, kann ich mir aber auch vorstellen, die Pferde zum Beruf zu machen – nur, wenn ich merke, dass ich gut werde – sonst nicht. Auslöser war, dass ich bei Isabell gelernt habe, dass es für jedes Pferd eine Lösung gibt. Wenn mal etwas nicht direkt auf Anhieb funktioniert, versucht sie nicht hartnäckig das hinzukriegen, sondern gibt dem Pferd über einen anderen Ansatz die Chance, zu verstehen, was sie möchte. Isabell und ihre Pferde sind im wahrsten Sinne des Wortes ein Team. Die Freude der Pferde an der Arbeit ist für sie elementar. Das begeistert mich.

dressursport-deutschland.de: Du bist jetzt schon eineinhalb Jahren bei Isabell im Stall – was beeindruckt Dich am meisten?
Hannah Erbe: Isabells Ruhe und Geduld! Wenn etwas nicht klappt, ist es für sie völlig normal zur Basisarbeit zurückzugehen. Und nie hat das Pferd schuld – nicht, wenn sie reitet, und nicht, wenn sie unterrichtet.

dressursport-deutschland.de: Du trainierst inzwischen auch bei Isabell?
Hannah Erbe: Ja, seit Herbst steht Carlos bei Isabell und inzwischen habe ich auch noch einige Nachwuchspferde dort und trainiere mit ihr.. Alle Reiter und Trainer sagen immer, dass das Pferd nie schuld hat, aber Isabell lebt das! Ich bin schon gerne ehrgeizig, aber Isabell gibt mir so eine Ruhe – das ist unglaublich. Wenn sie etwas sagt, das geht direkt in mein Hirn. Ihre Art mit den Pferden zu arbeiten und zu unterrichten, das ist eine andere Dimension.

dressursport-deutschland.de: Hannah, Du bist auch auf social media-Kanälen zu finden. Gerade mit diesen Plattformen hat Isabell schon sehr schlechte Erfahrungen gemacht. Was sagst Du dazu?
Hannah Erbe: Das macht mich wirklich sprachlos, wie sie da manchmal verurteilt wird. Ich finde das ganz schlimm, denn es trifft genau die Falsche. Isabell ist immer total pro Pferd! Ich habe in den eineinhalb Jahren noch nie erlebt, dass sie unfair mit einem Pferd umgegangen wäre – noch nie! Sie steigt auch nie ab, bevor sie dem Pferd nicht ein Leckerle gegeben und mit ihm gesprochen hat. Sie redet ganz viel mit den Pferden, wie mit Kindern. Sie behandelt die Pferde wie ihre Kinder. Für mich ist Isabell rundum ein absolutes Vorbild!