Eine Geschichte, die Mut macht und zeigt: Beim Reiten zählt oft Geduld, Ruhe und Zeit! Mit Kathleen Keller…

 

Manche Wege im Reitsport sind lang, sehr lang. Das kennt jeder, der sich etwas intensiver mit Pferden befasst. Ganz egal, ob Hobby- oder Kaderreiter. Kathleen Keller hat einen besonderen, langen Weg gerade erlebt. Im dressursport-deutschland.de-Interview erzählt sie davon. Vielleicht auch als 'Mutmacher' für alle, die vielleicht gerade einen 'langen Weg' mit ihrem Pferd haben.

• dressursport-deutschland.de: Kathleen, mit dem elfjährigen Hampton Court hast Du am vergangenen Wochenende in Dortmund das Finale der Nachwuchspferde gewonnen. Es war für Dich ein ganz besonderer Sieg, warum?
Kathleen Keller: Ja, absolut, ich habe mich wahnsinnig gefreut, weil der Weg mit Hampton Court wirklich lang war. Er steht jetzt seit vier Jahren bei mir im Stall, aber es war unheimlich schwer, den richtigen Weg mit ihm zu finden.

• dressursport-deutschland.de: Was war das Problem?
Kathleen Keller: Das ist sehr schwer zu erklären. Er hatte immer viel Talent, ging siebenjährig schon S und konnte schnell die Lektionen. Aber es war schwer, eine Aufgabe mit ihm gut durchzureiten, egal ob zu Hause oder auf einem Turnier. Es klingt merkwürdig, aber es war schwer, wirklich gutes Reiten mit ihm hinzukriegen. Ich habe den Weg einfach nicht gefunden.

• dressursport-deutschland.de: Gab es Momente, in denen Du dachtest: 'Ich kriege das mit ihm einfach nicht hin?'
Kathleen Keller: Es gab schon Momente, in denen ich gezweifelt habe, aber ich habe immer an dieses Pferd geglaubt.

• dressursport-deutschland.de: Und was war jetzt der Knackpunkt?
Kathleen Keller: Ende 2018 hat es bei ihm irgendwie 'klick' gemacht. Im September war ich auf einem kleineren Turnier und habe mit ihm eine S gewonnen, seitdem geht’s. Ich glaube, er brauchte einfach die Zeit. Er muss sich 100-prozentig auf seinen Reiter verlassen können. Jetzt ist er ein absolutes Turnierpferd geworden. Ich war mit ihm im Januar in Münster, dann in Neumünster und jetzt in Dortmund. Nie habe ich ihm vorher die Halle gezeigt. Er hat ein wenig Angst vor anderen Pferden, deshalb denke ich, das würde ihn eher verunsichern. Aber es ist für ihn gar kein Problem in einer Halle, die er nicht kennt – ein absolutes Turnierpferd eben (lacht). Und jetzt werde ich ihm weiter viel Zeit lassen und ihn langsam in den Grand Prix-Sport wachsen lassen.

• dressursport-deutschland.de: Das bedeutet: Das Geheimnis des Erfolgs war 'nur' Geduld, Ruhe und Warten?
Kathleen Keller: Ja, ganz genau!