Ein Kommentar von Kim Kreling

 

Gestern Abend war es mal wieder so weit. Der WDR hat – mal wieder – zum Rundum-Schlag gegen Pferdesportler ausgeholt. Selten ist dieser Schlag so daneben gegangen wie gestern Abend in der Sendung 'Quarks', moderiert von Ralph Caspers.

Es wurde alles vermischt. Zusammen geworfen, was nicht zusammen gehört. Und Schlussfolgerungen gezogen, die nicht passen. Es ging um Pferde, die im Krieg sterben. Pferde, die Machtmittel früherer Herrscher waren. Den Rennsport, bei dem es nur im Geld geht. Dem Springsport, der hauptsächlich aus Imagegründen betrieben wird. Und natürlich dem Dressursport, bei dem es nur wenige Ausnahmen unter den Reitern zu geben scheint, die ihre Pferde nicht quälen. Und dann kommt noch der gnädige Zusatz des Moderators, dass es solche Ausnahmen „auch bei uns in Deutschland gibt“.
Kein Reiter wird behaupten, dass es ausnahmslos allen Sportpferden dieser Welt gut geht. Aber: Von den genannten vier Millionen Reitern in Deutschland treiben wahrscheinlich etwa 3.999.950 ihren Sport aus Liebe zum Pferd. Beim WDR wird diese riesige Mehrheit immer wieder gerne als verschwindende Minderheit dargestellt.
Die Aufnahmen von Aachens Dressur-Abreiteplatz hat der WDR nicht das erste Mal gezeigt. Das 'Wir decken Tierquälerei auf'-Image ist gut für die Einschaltquote – und die brauchen die Öffentlich-Rechtlichen dringend. Aber es ist peinlich, wie oberflächlich und oft auch falsch die beurteilenden Kommentare der sogenannten Fachleute sind. Es ist peinlich, wenn auf der Vorhand latschende, halblahme Pferde als besonders glücklich und zufrieden gepriesen werden.
„Heute ist das Pferd kaum noch ein Arbeitsgerät, sondern vor allem eins: Ein Geschäft“, tönt es aus dieser WDR-Doku. Diesen Satz empfinde ich, als Hobbyreiter und definitiver Pferdefan, so wie viele zigtausend andere Menschen auf der Welt, als Unverschämtheit. Ja, mit Pferden werden Geschäfte gemacht, sicher nicht wenige und sicher auch lukrative. Aber diese beiden Wörtchen 'vor allem' sind anmaßend, beleidigend und unwahr.
„Der öffentlich-rechtliche Rundfunk (gemeint Hörfunk, Fernsehen und Internet, Anm. des Kommentators) hat den verfassungsrechtlich vorgegebenen Auftrag, einen Beitrag zur individuellen und öffentlichen Meinungsbildung zu leisten und so zu einem funktionierenden demokratischen Gemeinwesen beizutragen.“ Nach der Sendung Quarks am gestrigen 9. Juli 2019 hat der WDR zum wiederholten Mal bewiesen, dass er dieser Meinungsbildung nicht durch gründliche Recherche und korrekte journalistische Darstellung dient. Verfassungsrechtlich vorgegebener Auftrag verfehlt! Bekommen wir jetzt unsere Gebühren zurück? Denn das Fernsehen ist definitiv, offensichtlich speziell beim WDR, vor allem ein Geschäft!
Ganz merkwürdig, nein peinlich, wird es jetzt: Genau dieser Sender, der immer wieder den Pferdesport an sich aufs Schärfste verurteilt, prahlt gleichzeitig damit, dass er Host Broadcaster des CHIO ist. Dass er in Kombination mit der ARD mehr als 30 Stunden vom CHIO überträgt und „davon über 20 Stunden live“, wie WDR-Sportchef Steffen Simon betont. „Unsere Berichterstattung ist wirklich flächendeckend.“
Ich möchte mir nicht ausmalen, was Simon dieses Jahr beim CHIO unter 'flächendeckend' versteht.

Schlussbemerkung: Moderator Caspers ist bekannt aus der Kindersendung 'Wissen macht Ah'. Nach der Quarks-Sendung vom 9.7.2019 muss man sich fragen, welche Unwahrheiten er da wohl schon Zigtausenden von Kindern erzählt haben mag.