„Ich reite im Moment sieben Pferde am Tag“, erzählte uns Hubertus Schmidt Anfang der grünen Saison. „Manchmal überlege ich, wen ich mal an einen Bereiter meines Teams abgeben könnte, aber sie machen mir alle sieben so viel Spaß – ich möchte sie einfach alle gerne selbst reiten.“

Er strotzt vor Energie und Reitsportfreude, der Reitmeister, der heute seinen 60. Geburtstag feiert.

 

Eckstationen einer wunderbaren Karriere:

„Bis ich 18 war habe ich Fußball gespielt. Ich war am Ende Torwart, aber ob ich es im Fußball auch in die Nationalmannschaft geschafft hätte? Ich weiß es nicht, beim Reiten war ich ehrgeiziger. Da war mein Ziel von Anfang an, mal einen Grand Prix zu gewinnen.“ Dieses Ziel hat Hubertus Schmidt inzwischen zigfach erreicht. Seiner Liebe zum Fußball ist der Bielefeld-Fan dennoch treu geblieben. Lange hatte er in Bielefeld eine Dauerkarte für einen Sitzplatz nahe der Fan-Ecke. „Da ist die Stimmung am besten.“ Oder er geht zum Kreisklassenspiel von Borchen-Etteln. „Da kommen insgesamt nur 100, 200 Zuschauer, da ist man dann ganz nah dran.“
1965 trat die Altenau in Borcheln-Etteln über die Ufer. Das Wasser stieg bis zur Flutkatastrophe, 1972 musste Familie Schmidt ihren Bauernhof aufgrund dessen umsiedeln. „Mein Vater, der als Kavallerist im Zweiten Weltkrieg in Ungarn war, hat einen mutigen Schritt getan: Er hat ganz auf Pferde gesetzt.“ Damals war Hubertus Schmidt zwölf Jahre, schon drei Jahre zuvor hatte er seine erste Reitstunde in der Reitschule Schloss Hamborn bekommen. „Wir hatten bis dahin gar keine Reitpferde zu Hause. Ich bin immer zwölf Kilometer mit dem Fahrrad durch die Ettelner Berge zum Reitstall gefahren und habe dort im Schulbetrieb angefangen zu reiten.“ Mit 18 Jahren hat Schmidt den elterlichen Reitbetrieb übernommen. Für das Fußball spielen war keine Zeit mehr. Schmidt machte aus dem Fleyenhof, zu deutsch ‚Fohlenhof’, einen klassischen Reit- und Pensionsbetrieb mit großer Reitschule und kleiner Zucht.
Als Reitschülerin auf dem Fleyenhof lernte er auch 1978 Doris kennen. Vier Jahre später heirateten die beiden, 1987 kam Sohn Nikolas auf die Welt, 1989 Tochter Inga. 1987 war nicht nur das Nikolas-Jahr im Leben von Hubertus Schmidt, es war auch das erste Jahr, in dem er auf Playboy seinen ersten Grand Prix ritt. „Playboy war ein ganz normales Pferd und bewegungsmäßig wenig begnadet“, erinnert er sich. „Aber er hatte unglaubliches Talent für Piaffe und Passage, so dass ich ihm das auch beibringen konnte, obwohl ich selbst noch keine Erfahrung hatte.“
Bevor er sich ganz auf die Dressur konzentriert hat, ist er oft mit mindestens sechs Pferden aufs Turnier gefahren. Drei hat er im M-Springen geritten, die anderen drei in M-Dressuren. Warum er sich schließlich für die Dressur entschieden hat? „Weil ich das Arbeiten mit den Springpferden zwischen den Turnieren einfach total langweilig fand“, gesteht er frei heraus.
Mit 18 hat Schmidt bei Hans-Georg Gerlach seine Bereiterprüfung gemacht und den Betrieb übernommen, mit 22 hat er geheiratet, mit 23 bestand er die Meisterprüfung mit Stensbeck-Auszeichnung. „Ich hatte sehr früh sehr viel Verantwortung“, erklärt er. „Ich glaube, dadurch war ich schon früh sehr reif.“ Und das hat er mit aufs Pferd genommen. Geduld und Einfühlungsvermögen, Wille und Ausdauer seien die wichtigsten Tugenden eines guten Reiters. „Man kann einfach nichts erzwingen. Das musste ich auch erst lernen.“ Vor allen Dingen die Ausdauer war bei ihm gefragt. „Ich konnte nicht vom Hof weg, um bei einem Trainer zu lernen. Ich bin nur viele Lehrgänge mitgeritten – bei Harry Boldt beispielsweise, Paul Stecken, Siegfried Peilicke, Dr. Reiner Klimke und Klaus Balkenhol. Ich habe nie gesagt: ‚Ich möchte so reiten wie…’, aber ich denke, ich habe mir bei jedem das Beste für mich rausgesucht.“
1984 hat Schmidt seine erste S-Dressur gewonnen. Erst zehn Jahre später feierte er beim Hamburger Derby Premiere auf internationalem Parkett. „Das war eine lange Zeit, durch die ich mich da durchbeißen musste. Ich hätte mir schon gewünscht, es wäre etwas schneller gegangen.“
Beständig hat Hubertus Schmidt weiter seinen Weg des feinen Reitens verfolgt – immer mit der Unterstützung seiner Frau Doris. „Sie hat ein Super-Auge“, betont Schmidt. „Sie ist nicht wie ein Trainer, der mir sagt, was ich wann tun soll, aber sie ist mein Coach. Von ihr bekomme ich immer ein genaues Feedback wie es von unten aussieht.“ Auch bei den Turnieren steht seine Frau fast immer am Rand und beobachtet und kommentiert mit konzentrierter Miene. „Meine Frau nimmt nie ein Blatt vor den Mund – das ist manchmal hart, aber gut!“
Im olympischen Jahr 2004 war Hubertus Schmidt nicht nur Mitglied der deutschen Gold-Equipe, ihm wurde auch eine besondere Ehre zuteil: Er erhielt den Titel des Reitmeisters. Und dann kam 2005. „2005 war ein tolles Jahr für mich. Da ging Wansuela Suerte vom Allerfeinsten, genau nach meiner Philosophie. Das war wunderschönes Reiten, sie war einfach durch!“ 2005 holte Hubertus Schmidt EM-Gold mit dem Team, wurde Vize-Europameister in der Einzelwertung und sicherte sich den Titel des Deutschen Meisters. 2006 setzte er mit Mannschaftsgold bei den Weltreiterspielen in Aachen noch eins drauf.

„Das feine Reiten war immer mein Ziel. Es gelingt mir natürlich nicht immer, aber nur dann macht es Spaß!“ Spaß – das bedeutet für Schmidt auch, sich sein schwarzes Leder-Outfit anzuziehen und auf seinen Chopper zu setzen. „Etwa zehn Mal im Jahr schaffe ich das und einmal im Jahr machen wir mit ein paar Freunden eine Motorradtour.“ Fußball, Motorrad fahren und seine wöchentliche Skatrunde, das lässt sich Schmidt bei aller Pferdebegeisterung nicht nehmen. „Dieser Freundeskreis hat auch nichts mit Pferden zu tun, da wird selten über Pferde geredet. Das genieße ich sehr.“

Das Team von dressursport-deutschland.de gratuliert ganz ganz herlich!