Cheftrainerin Monica Theodorescu und ihre besondere Beziehung zu Neumünster – mit Weltpremiere!

 

Neumünster – eine der ältesten Weltcup-Etappen überhaupt und die älteste Weltcup-Etappe in Deutschland. Seit 1987 wird in den Holstenhallen um Weltcup-Punkte in der Dressur geritten. Bis heute hat das Turnier in Neumünster einen besonderen Stellenwert, auch bei Cheftrainerin Monica Theodorescu. Im Gespräch bei dressursport-deutschland.de

dressursport-deutschland.de: Warum ist das Turnier in den Holstenhallen für Sie so ein besonderes?
Monica Theodorescu: In Neumünster sitzen die Zuschauer so nah, dass sie einem fast auf die Zügelführung schauen. Es ist ein Hexenkessel. Und es hat in den Holstenhallen immer wieder absolute Spitzenleistungen gegeben: Mein Vater hat dort 1987 gewonnen, ich habe 1993 dort mit Ganimedes gewonnen und die 80 Prozentmarke erreicht und 2014 hat Helen Langehanenberg mit Damon Hill dort die 90 Prozentmarke geknackt. Das kann kein Zufall sein. Außerdem trifft man in Neumünster immer noch ganz viele echte Pferdeleute.

dressursport-deutschland.de: Ihre 80 Prozent waren damals eine Weltpremiere.
Monica Theodorescu: Ja, das stimmt wohl, und das war natürlich auch toll, aber ich muss ehrlich sagen, dass mir die Prozente nie so wichtig waren. Mein Fokus lag immer darauf, wie sich das Pferd angefühlt hat. Ganimedes war damals in Topform, 1993 und 1994 konnten wir dann auch das Weltcup-Finale gewinnen.

dressursport-deutschland.de: Zu Beginn des Weltcups gab es durchaus auch einige Skeptiker, aber Sie und Ihr Vater waren von Anfang an begeistert…
Monica Theodorescu: Dass lag sicher daran, dass mein Vater immer gerne mit Musik gearbeitet hat. Er hat viele Schaunummern und Schauwettbewerbe wie Pas de Deux' oder Quadrillen gestaltet und die Musik dazu selbst geschnitten. Reiten und Musik – diese Verknüpfung machte ihm Freude, genau wie Gabriela Grillo, die auch von Beginn an beim Weltcup dabei war. Außerdem hat 'Reiten mit Musik' auch seinen Platz in der Historie. Am Hof beim Rossballett wurde immer mit Musik geritten und so ist es auch heute noch in der Wiener Hofreitschule oder in der Königlich-Andalusischen Reitschule in Jerez. Deswegen waren wir von der Idee, mit Musik zu reiten, sofort angetan – weil es uns Freude machte.

dressursport-deutschland.de: Heutzutage haben wir ein schon ziemlich ausgeklügeltes Bewertungssystem. Wie war das zu Beginn des Weltcups 1986?
Monica Theodorescu: Es war von Anfang an klar, dass die sportliche Wertigkeit erhalten bleiben muss und das ist auch im Großen und Ganzen gut gelungen. Anders gesagt: Es hat nie einen falschen Weltcup-Sieger gegeben, einen, der mit extrem zirzensischen Einlagen gepunktet hätte. Die Weltcup Finals wurden schon immer von den international besten Richtern gewertet und an dem Bewertungssystem hat sich nicht viel geändert. Wie beim Eiskunstlaufen gab es schon immer ein A-Note für die technische und eine B-Note für die sogenannte künstlerische Ausführung. Für die Bewertung der A-Note sind bestimmte Lektionen vorgegeben, wie z.B. die Anzahl der Galoppsprünge bei Serienwechseln und Meterangaben für den Schritt.Die Bewertung der B-Note hat sich zu mehr Objektivität hin verändert durch die Einführung eines definierten Schwierigkeitsgrades. Früher gaben die Richter diese Note mehr nach ihrem Gefühl.

dressursport-deutschland.de: Es gibt einige Leute, die sicher sind: Ohne den Weltcup mit der Kür wäre die Dressur-Begeisterung heute nicht so groß wie sie ist. Was meinen Sie?
Monica Theodorescu: Das ist richtig. Der Weltcup und das Kürreiten auf diesem Niveau hat auf die Begeisterung für die Dressur sicher positiv gewirkt. Das Finale hat nach dem jeweiligen Championat den höchsten Stellenwert für uns.