Im Gespräch mit Benjamin Werndl…

Weltcup-Etappe 's-Hertogenbosch wegen Corona mit höchstens 1.000 Zuschauern zur Zeit.

Übermorgen geht sie los, die letzte Etappe des Dressur-Weltcups in 's-Hertogenbosch. Benjamin Werndl steht im Ranking auf Platz zwei, knapp hinter seiner Schwester Jessica von Bredow-Werndl. dressursport-deutschland.de hat mit dem Kaderreiter gesprochen – über seine letzte Weltcup-Etappe, seine Pläne und seine beiden Toppferde.

dressursport-deutschland.de: Am Donnerstag geht es in 's-Hertogenbosch los – wie sicher sind Sie, dass Corona Ihnen nicht 'dazwischen funkt'?
Benjamin Werndl: 's-Hertogenbosch findet statt – das wurde uns heute schriftlich mitgeteilt. Allerdings in etwas modifizierter Form. Sie dürfen nicht mehr als 1.000 Zuschauer auf einmal in die Halle lassen.
dressursport-deutschland.de: Es ist fast schon ein bisschen spooky, was Corona alles durcheinander wirbelt im Moment. Macht Sie das mit Blick auf den Rest des Jahres nervös?
Benjamin Werndl: (lacht) Ich bin gerne optimistisch und hoffe, dass wir in vier bis sechs Wochen das Schlimmste hinter uns haben.
dressursport-deutschland.de: Sie werden Famoso mit nach 's-Hertogenbosch nehmen?
Benjamin Werndl: Ja, genau. Er hat eine neue Kür, die ich in Neumünster das erste Mal mit ihm geritten habe und er hat auf Anhieb über 85 Prozent bekommen. Seitdem habe ich die Kür noch ein bisschen modifiziert und angepasst. Die Musik ist, wie die von Daily Mirror, afrikanisch angehaucht – allerdings nicht ganz so sehr wie bei Daily Mirror – und mit einem Chor unterlegt. Famoso liebt Kür und ich freue mich auch richtig darauf.
dressursport-deutschland.de: Mit Daily Mirror liegt ihre persönliche Bestleistung in der Kür bei über 86 Prozent, mit Famoso bei über 85 Prozent. Das sind Weltklasse-Prozente. Mit welchem Plan blicken Sie in Richtung Zukunft?
Benjamin Werndl: Ich gebe zu, ich habe für beide Pferde große Ziele. Das ist nicht überheblich oder abgehoben gemeint. Ich habe einfach im Verlauf des vergangenen Jahres sehr viel gelernt, auch mental. Ich habe nicht mehr die Angst, groß zu denken. Ich profitiere natürlich auch von Jessis Erfahrung, ich arbeite seit einigen Jahren mit einem Coach und ich versuche, mich insgesamt sehr fit zu halten: mental, körperlich und auch in puncto Ernährung. Ich lasse nichts aus. Aber mein Hauptcoach – das sind die Pferde.
dressursport-deutschland.de: Daily Mirror und Famoso – beide sind im Besitz von Flora Keller, beide sind erstklassige Grand Prix-Pferde, aber trotzdem sind sie sehr unterschiedlich?
Benjamin Werndl: Ja, das stimmt. Famosos absolute Stärke sind unbestritten die Piaffen und Passagen. Das hat mir aber auch für Daily Mirror geholfen. Ich habe das nahezu perfekte Gefühl aus den Piaffen und Passagen von Famoso mit auf Daily Mirror genommen und in Göteborg hat es wirklich 'klick' gemacht. In der Kür waren Daily Mirrors Piaffen und Passagen auch super. Daily Mirrors herausragende Stärke ist die gesamte Galopp-Tour. Er kann die Einerwechsel genauso für eine 10 gehen wie die Pirouetten. Der größte Unterschied der beiden ist eher charakterlich: Daily Mirror ist grundehrlich und versucht immer genau das zu machen, was ich abfrage. Famoso ist ein kleiner Frechdachs mit einer ordentlichen Portion Schalk im Nacken. Bei ihm war es schon oft haarscharf daran, dass ich runterfliege. Wenn ich nach einem Turnier mit Flora Keller auf den beiden ausreite, dann nimmt sie immer lieber Daily Mirror. Der passt richtig auf sie auf, das ist bei Famoso nicht unbedingt so :-)