Statement von Isabell Werth zur Diskussion um die Petition des IDRC (s. Meldung 25.10.20)

 

„Ich bin total erstaunt, welche Diskussionen die Petition des IDRC ausgelöst hat. Es geht dabei nicht um Helm oder Zylinder oder um den Sicherheitsaspekt. Es geht darum, als erwachsener und erfahrener Dressurreiter, die Wahlfreiheit zu haben. Ich würde dringend bitten, von weiteren populistischen Äußerungen, wie wir sie momentan in der Diskussion erleben, abzusehen und bei der Sache zu bleiben. Wir sind weder old-fashioned, noch dumm oder blöd, wir sind auch nicht gegen Reithelme, wir wollen nur eins – und das bitte genau lesen – die Freiheit zu wählen, ob wir einen Helm oder Zylinder während der Prüfung tragen. Es geht hier um das Recht zur Selbstbestimmung erwachsener Menschen.
Noch nie gab es bei einem internationalen Grand Prix oder bei einem Dressur-Championat einen Unfall, der Anlass dazu gegeben hätte, die Helmpflicht einzuführen. Plötzlich branden Diskussionen auf, bei denen man das Gefühl bekommt, als ob der Dressursport zu den gefährlichsten der Welt gehört. Als ob wir Motorradrennen fahren würden oder ähnliches. Dazu besteht gar keine Notwendigkeit.
Betroffen von der Wahlmöglichkeit sollen nur Senioren sein, die über 18-Jährigen. Insofern halte ich auch das Argument der Vorbildfunktion für ein Pseudoargument. Diese Vorbildfunktion wird überhaupt nicht berührt, denn für die jugendlichen Reiter, die U18-Generation, wird und soll die Helmpflicht definitiv bestehen bleiben, ebenso wie für alle Reiter auf dem Abreiteplatz und bei den Siegerehrungen. Das einzige, was erreicht werden soll, ist, dass international reitenden Senioren während der Grand Prix-Prüfung selbst entscheiden dürfen: Helm oder Zylinder. Eine Wahlmöglichkeit, die an das Alter, an die selbstständige Entscheidungsfähigkeit gekoppelt ist. Mit 14 darf auch noch niemand den Führerschein machen…
Im Grunde bekommt diese Diskussion eine nahezu lächerliche Komponente, wenn wir daran denken, dass weder für Reiner noch für Voltigierer Helmpflicht besteht. Gerade beim Voltigieren ist die Unfallgefahr definitiv um einiges höher als beim Dressursport.
Noch einmal klar und deutlich: Es geht nicht um 'entweder Helm oder Zylinder', es geht um 'sowohl als auch' – die Möglichkeit, selbst zu entscheiden – als Erwachsener, während der Prüfung und im internationalen Grand Prix-Sport. Kurz gesagt: Wir wollen, dass es so bleibt wie bisher. Merkwürdigerweise hat sich bisher niemand darüber aufgeregt, dass es die Wahlfreiheit gab…?“