Vor der Siegerehrung des Grand Prix wurde beim Weltcup-Finale in `s-Hertogenbosch eine Schweigeminute für Holger Schmezer eingelegt. Alle Teilnehmer, Trainer, Richter und Offizielle waren in die Arena gekommen, hatten eine lange Reihe gebildet und einen Moment inne gehalten.
Es war ein besonderer Moment für einen besonderen Menschen, der so völlig unerwartet gestorben ist.
Es fällt schwer, sich auf den Sport zu konzentrieren. Die Trauer über den Verlust des deutschen Cheftrainers spiegelt sich in den Gesichtern der Offiziellen genauso wieder wie bei den Reitern. FN-Präsident Breido Graf zu Rantzau hat Tränen in den Augen, Schmezer und er kannten sich von Kindesbeinen an. „Der Schock sitzt bei uns allen unendlich tief.“

Die drei deutschen Reiterinnen haben ihr Bestes gegeben, aber auch für sie war es eine ungeheure Kraftanstrengung. Die halbe Nacht hatte das deutsche Team zusammen gesessen, geredet, getrauert und sich beraten: Starten oder nicht? „Wir waren aber alle einer Meinung, dass er gewollt hätte, dass wir reiten“, erklärt Helen Langehanenberg. „Also sind wir für ihn geritten. Es war nicht einfach.“ Sie ritten mit schwarzen Trauerbinden.

 

Langehanenberg und Damon Hill haben ihr Sportlerherz voraus geworfen und eine sichere und harmonische Runde gezeigt. Das Paar hat sich wunderbar zusammen entwickelt und scheint sich immer näher in Richtung Olympia vorzutasten. Lediglich einige Meter vor dem Schlussgruß wollte Damon Hill in der Passage ein wenig zu viel Energie loswerden, war aber dann sofort wieder bei der Sache. „Dami ist wirklich in wunderbarer Form“, schwärmte Helen. „Er will alles geben und wir hatten einen tollen Start in die Prüfung. Schade, dass wir gegen Ende diesen Fehler hatten.“ Mit 76, 125 Prozent wurden die Beiden im Endklassement Zweite hinter der Titelverteidigerin Adelinde Cornelissen. Cornelissen, dessen Pferd Parzival gestern den Vet-Check nicht bestanden hatte, musste heute Morgen noch einmal vor den Tierärzten antreten und bekam dann eine Startgenehmigung. Sie siegte mit 78,024 Prozent.

Nadine Capellmann und Girasol ritten auf Sicherheit. In der Anlehnung wurde die Stute in der Piaffe etwas unruhig, aber trotzdem konnte man klar erkennen, dass das Paar insgesamt immer besser zusammen findet. Ihre Stärke haben die Beiden schon häufig in der Kür bewiesen. Kurz vor ihrem Start hatte Capellmann gestanden, dass sie noch nicht wisse, wie sie reiten solle. Der Schock über den Tod von Holger Schmezer war auch ihr deutlich anzusehen. Platz neun und 70,441 Prozent waren ihr Endergebnis.

In dem Ritt von Isabell Werth und El Santo konnte man alles sehen: Der Druck, der auf dem Paar schon zuvor gelastet hatte. Klappt die Piaffe oder nicht? Sie klappten nicht. Der kräftige ‚Ernie’ schien sich in sich zu verkriechen, nicht unwillig, aber schüchtern. Das Rückwärtsrichten war eilig, das Antraben aus dem Rückwärts holprig. So kennt man das Paar im Viereck sonst nicht. Im starken Galopp auf K zu erschrak El Santo vor einer Fernsehkamera, bei den Einerwechseln auf derselben Linie baute er Fehler ein. Nein, das war nicht die Isabell Werth und auch nicht der El Santo, die und den wir sonst kennen. Isabell Werth ist ein Topprofi, aber eben auch ein emotionaler Mensch und sie hat olympische Spiele, zwei Weltmeisterschaften und vier Europameisterschaften unter der Führung von Cheftrainer Schmezer mitgemacht. Man hat zusammen gefeiert, gehofft und auch so manche schwierige Situation gemeinsam erlebt. Das verbindet. Und lässt sich nicht einfach abschütteln. 69,802 Prozent und Platz zehn dürften ein Spiegel all dieser genannten Umstände sein.

Morgen um 14.00 Uhr geht es mit der Kür los. In der ersten Hälfte gehen bereits Isabell Werth (Startzeit: 15.00 Uhr) und Nadine Capellmann an den Start (Startzeit 15.20 Uhr). Helen Langehanenberg startet in der zweiten Hälfte um 16.20 Uhr).