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Volles Risiko: Helen Langehanenberg hat heute in der Kür alles auf eine Karte gesetzt – mit vollem Erfolg. "In der ersten Passage-Traversale hat er kurz die Luft angehalten, aber danach war der Gang drin. Ich war im Rausch!" 85,214 Prozent – so viel Prozentpunkte hatte das Paar Langehanenberg/Damon Hill noch nie. "Mit ihrer EM-Kür trumpfte das Paar beim Weltcup-Finale im niederländischen `s-Hertogenbosch auf. Im vergangenen Jahr noch Siebte im Finale, musste sie sich dieses Jahr nur knapp der Titelverteidigerin Adelinde Cornelissen auf Parzival (86,250 Prozentpunkte) geschlagen geben und landete auf Platz zwei! "Ich bin total happy, das war eine echt gute Leistung, nahezu fehlerlos!" Jetzt hat Dami erst einmal Turnierpause. Für ihn hat Langehanenberg nur noch zwei Starts vorgsehen: bei der DM in Balve und dann in Aachen. "Er soll ja den Spaß behalten und das Ziel ist klar", lacht sie. Noch elf Wochen bis London, aber wenn das Paar in dieser Form und Fitness bleibt, ist das Olympiaticket greifbar.
"Das war heute eine andere Liga", freute sich auch Isabell Werth. "Das war wieder ein Schritt nach vorne!" Die Kür wirkte fast ein bisschen wie eine kleine Befreiung nach dem befangenen Ritt am gestrigen Tag. Werth kam wieder zum Reiten, Ernie machte mit und – piaffierte auch zweimal viel besser als gestern. Lediglich bei der dritten Schlusspiaffe war die Dynamik wieder raus. El Santo hat sich heute wieder als Topsportler gezeigt, mit unglaublichem Motor in der Hinterhand und herrlichen Verstärkungen, kombiniert mit absoluter Versammlungsfähigkeit. Und die Fernsehkamera bei K interessierte ihn heute auch nicht mehr. Das Paar hatte seine Konzentration nach den schweren Stunden der letzten beiden Tagen wiedergefunden: 79,964 Prozent und Platz vier. Auch El Santo hat jetzt eine Pause, nächstes Wochenende in Hagen soll Don Johnson an den Start gehen.
Im Gegensatz zum totalen Risiko von Damon Hill ritt Nadine Capellmannn mit Girasol noch auf Sicherheit. "Ich war zufrieden", resümierte die Doppel-Weltmeisterin von 2002. "Ich habe ein bisschen mehr Gas gegeben als gestern, sie bleibt jetzt in der Anlehnung viel besser und auch die Verstärkungen fühlen sich besser an." Dennoch fehlte stellenweise ein wenig Go nach vorne und in der Versammlung wünschte man sich ab und zu noch mehr Geschlossenheit und Gleichmaß. 75,625 Prozentpunkte und Platz sieben waren ihr Endergebnis. Nadine Capellmann hat noch nicht entschieden, wie der weitere Turnierplan für ihre schicke Gribaldi-Tochter aussieht. "Eventuell reite ich nächste Woche noch Hagen mit ihr und mache dann wieder eine Pause. Manchmal tut ihr das gut, zwei Turniere hintereinander zu gehen." Wenn nicht in Hagen, dann sehen wir das Paar spätestens in Mannheim wieder.
"Das war heute ein guter Tag nach dem Schock von vorgestern", sprach Bundestrainer Jonny Hilberath vielen aus der Seele.