Geb.: 3.3.1980
Wohnort: Senden
Funktion: U25-Trainer

Sebastian Heinze:

„Ich möchte, dass die Reiter ihre Pferde tatsächlich verstehen und erfühlen. Sie sollen nicht einfach nur Lektionen reiten können.“
 
 
 
 
 
 
 

Foto: Privat

„Ich bin nicht der stärkste Prüfungsreiter, da wäre ich gerne etwas abgezockter“, erklärt Sebastian Heinze nüchtern. „Vielleicht sollte ich das gar nicht so sagen, aber so bin ich eben. Bei mir weiß jeder, woran er ist.“ Ruhig, geduldig, ehrlich und sehr selbstkritisch – so beschreibt Heinze sich in wenigen Worten und so kennt man ihn seit Jahren in der 'Dressurszene'. „Durch das sehr Selbstkritische habe ich allerdings auch dauernd den Ansporn, noch besser zu werden – als Reiter und als Trainer.“
Erfahrungen als Trainer hat Sebastian Heinze, genannt Seb, tatsächlich schon über die gesamte Bandbreite – bis zu Olympia! Als langjähriger Partner von Helen Langehanenberg war er immer stark in ihr Training involviert, vor allen Dingen auch in enger Zusammenarbeit mit Klaus Balkenhol. Er war bei den Olympischen Spielen 2012 in London dabei und erinnert sich noch gut an dieses Highlight: „Das ich mich schon bei Olympia als Trainer mit einbringen konnte, war einfach unglaublich. Das ganze Erlebnis, die Atmosphäre war unglaublich! Dass es am Ende nicht ganz mit der Einzelbronzemedaille geklappt hat, war natürlich schade, aber London 2012 war für mich rundum ein Highlight!“
Sebastian Heinze ist einen überraschend geraden Weg zum Pferdewirtschaftsmeister gegangen. Überraschend, weil er nicht wie viele seiner Kollegen 'familiär pferdesportlich vorbelastet' war. „Mein Vater kam zwar aus der Landwirtschaft und hatte Interesse an Pferden, aber ist nicht wirklich geritten. Aber wenn wir Pferde auf der Weide gesehen haben, dann haben wir schon angehalten und geguckt.“ Mit zehn, elf Jahren ist der kleine Seb dann ab und zu zum Nachbarn gegangen und auf den Ponys 'rumgejuckelt'. „Das hat mir immer viel Spaß gemacht“, grinst er heute. So richtig kann er eigentlich auch nicht erklären, warum er in den Ferien und am Wochenende sehr schnell in den Profiställen rund um Siegen gelandet ist, um zu helfen. „Das kam einfach so.“ Früh hatte er so Kontakt zu bekannten Ausbildern wie Burkhard Jung, Christian Pläge oder Hans-Jürgen Armbrust. „Es hat mir absoluten Spaß gemacht, in diese Profiställe zu gucken. Zu sehen, wie die das machen. Und dann hat mich der eigene Ehrgeiz gepackt.“ Mit 16 schockte Sebastian Heinze seine Lehrer. Er war ein guter Schüler auf dem Gymnasium und verkündete: „Ich höre mit der Schule auf. Ich mache eine Lehre zum Pferdewirt.“ Und das hat er getan und zwar im Stall von Hans-Jürgen Armbrust. „In der Lehre bin ich dann auch das erste Mal auf einem Turnier an den Start gegangen. Mein erster Start war eine Reitpferdeprüfung für Dreijährige. Im letzten Lehrjahr habe ich meine erste S-Dressur geritten. Hans-Jürgen Armbrust hat mir viele Möglichkeiten gegeben und mich sehr gefördert.“ Nach seiner Lehre blieb er noch ein Jahr als Bereiter bei Armbrust, dann rief der Zivildienst. So kam Seb Heinze nach Münster. In der Nähe von Münster, in Havixbeck, hatte das Gestüt St. Ludwig eine westfälische Außenstation mit vier, fünf Hengsten eingerichtet. Die hat Heinze neben seinem Zivi-Job als Fahrer für das Altenheim geritten. Es folgten eineinhalb Jahre als Bereiter im Stall von Olympiareiterin Heike Kemmer – „Diese Zeit hat mir unheimlich viel gebracht!“ – und dann eineinhalb Jahre im Stall von Michael Klimke. „In der Zeit bei Michael habe ich dann auch schon mit 23 Jahren meine Meisterprüfung gemacht.“
Mit der abgelegten Meisterprüfung samt Auszeichnung durch die Stensbeck-Plakette ging es 2004 in die Selbstständigkeit. In seiner Zeit in Münster hatte Seb Heinze Helen Langehanenberg kennengelernt und mit ihr zusammen einen Dressur-Ausbildungsstall in Havixbeck aufgebaut. Im Team haben die beiden unzählige Pferde bei den Bundeschampionaten vorgestellt, bei den Weltmeisterschaften der jungen Dressurpferde, in allen Kategorien des Turniersports und für Helen selbst den Weg in den A-Kader geebnet. „In all der Zeit bin ich auch immer kontinuierlich geritten. Ich hatte immer zehn bis 15 Pferde im Jahr turnierplatziert“, erzählt Heinze. „Das ist natürlich durch die Erfolge von Helen nie so aufgefallen. Seit Mitte 2015 setze ich meinen Fokus aber auch wieder mehr auf meine eigene Reiterei. Ich fahre regelmäßig zum Training zu Irina Meyer, wann immer es passt auch zu Klaus Balkenhol und alle 14 Tage mache ich mit meiner Bekannten Dina Hodde zusammen Handarbeit mit den Pferden.“ Durch das eigene reiterliche Training bekomme man auch immer wieder neue Ideen, Sichtweisen für den Unterricht. „Es tut mir als Reiter und Trainer gut, täglich durch die Pferde herausgefordert zu werden. Sonst wird man einspurig“, betont Heinze.
Seit 2015 ist Sebastian Heinze in Senden zu Hause und hat dort einige Boxen im Stall von Rolf Kappel angemietet. Sechs bis sieben Berittpferde reitet er täglich, den Rest seiner Zeit ist er als Trainer aktiv. „Ich habe rund 20 bis 25 Schüler, die regelmäßig zu mir kommen. Außerdem fahre ich seit Mitte 2015 zwei halbe Tage pro Woche an das Bundesleistungszentrum nach Warendorf und kümmere mich um die dort ansässigen Reiter. Und seit einiger Zeit fahre ich auch regelmäßig in die Anlage von Ludger Beerbaum nach Riesenbeck und helfe dort einigen Springreitern bei der Dressurarbeit. Das ist auch sehr interessant.“
Ende 2016 rief ihn DOKR-Chef Dr. Dennis Peiler in sein Büro und bot ihm die Nachfolge von Jürgen Koschel als U25-Trainer an. Seb Heinze nahm an. „Für mich besteht die Herausforderung in erster Linie darin, Talente zu erkennen und zu fördern und zwar immer mit dem Blick für den internationalen Sport bis hin zu Olympischen Spielen. Das Ziel ist auch, aber nicht nur, eine erfolgreiche U25-Tour.“ Beim Training legt Heinze besonders viel Wert darauf, ein individuelles Gefühl zu vermitteln. „Ich möchte, dass die Reiter ihre Pferde tatsächlich verstehen und erfühlen. Sie sollen nicht einfach nur Lektionen reiten können. Ich möchte ihnen vermitteln, dass sie selbstständig mit dem Pferd arbeiten können.“ Laut werde er im Unterricht selten. „Nur, wenn ich das Gefühl habe, ein Reiter wird ungerecht zu seinem Pferd!“
Den Abbruch der Schule, der frühe Start in eine pferdesportlich professionelle Laufbahn – das hat Sebastian Heinze nie bereut. Im Gegenteil, er genießt sein Leben und die Möglichkeiten, die ihm dieses Leben bietet. Die interessanten Leute, die er trifft, und die Erfahrungen, die er machen kann. Aber er 'erdet' sich zwischendurch auch gerne mal. „In unserem Leben dreht sich alles ums Pferd. Ich bremse mich da manchmal gerne aus, als Ausgleich. Dann gehen Lena und ich in die Stadt nach Münster zum Essen oder bummeln über den Weihnachtsmarkt.“ Mit Lena ist Heinzes Lebensgefährtin Lena Koch gemeint. Auch in ihrem Leben dreht sich viel ums Pferd. Sie arbeitet als Sportpsychologin am DOKR. „In solchen ‚Bummel-Momenten' fühle ich mich dann wie ein ganz normaler Mensch“, schmunzelt Heinze. „Das ist mir wichtig.“