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Roeser privat 200pxGeb.: 29. Februar 1964
Wohnort: Lohne
Funktion: Equipechef, Vorsitzender DOKR-Dressurausschuss, Mitglied im FEI-Dressur-Komitee


Klaus Roeser:

„Als Equipechef ist man wie die Mutter der Kompanie, das Mädchen für alles.“




Foto: Privat


„Ich bin ein Typ, der lieber Kompromisse schließt als auf Konfrontation geht. Das lernt man in einer Großfamilie. Aber ich verliere dabei nicht mein Ziel aus den Augen. Und wenn es gar nicht anders geht, dann muss eben auch mal die Konfrontation her.“ Klaus Roeser hat drei Brüder und eine Schwester, inzwischen ist er Vater von vier Töchtern. Kompromisse in der Großfamilie finden – das hat er früh gelernt. Eine Tugend, die ihm einerseits in seiner Position als Geschäftsführer der Schockemöhle Unternehmensgruppe zugute kommt, aber auch als Dressurausschuss-Vorsitzender und Equipechef der deutschen Dressurreiter. „Als Equipechef ist man wie die Mutter der Kompanie, das Mädchen für alles“, lacht er und ergänzt: „Aber es macht Spaß. Vor allen Dingen die drei Championate, die ich jetzt mitgemacht habe, Windsor, Kentucky, und Rotterdam, haben grundsätzlich Spaß gemacht. Der Zusammenhalt in der Truppe war jedes Mal klasse.“
 
Als Equipechef im Einsatz kann Roeser alles kombinieren: den Geschäftsführer mit Überblick und Organisationstalent. Den Sportler, der weiß was Ehrgeiz und Erfolg bedeuten. Den Großfamilien-Spezialisten als Mutter der Kompanie. Und den Pferdemann.
Roeser – der Geschäftsführer: Die Basis bildete seine Ausbildung zum Bankkaufmann, dann hat er ein Studium an der European Business School im Schloss Reichartshausen angehängt. Ein Semester absolvierte er in Paris, eins in London und machte 1991 seinen Abschluss als Diplom-Betriebswirt. Zwei Jahre war er bei der Effem GmbH in Vertrieb und Marketing tätig, bevor er im Januar 1993 als Geschäftsführer bei der Paul Schockemöhle Unternehmensgruppe einstieg.
Roeser – der Sportler und Pferdemann: In den Ferien fuhren der kleine Klaus und seine Geschwister regelmäßig zu ihrem Großvater, Gustav Menke. In der Nähe von Bielefeld hatte sich dieser nach dem Krieg eine eigene Reitanlage aufgebaut, hat dort gezüchtet und Reiter und Pferde ausgebildet. „Die Pferden waren alle top in Schuss“, erinnert sich Roeser. „Mein Großvater hatte die Kavallerieschule Hannover hinter sich, die Pferde hörten auf Pfiff.“ Oft sei er mit seinem Großvater zu den großen Turnieren, wie zum Beispiel dem Wiesbadener Pfingstturnier, gefahren, wenn dieser als Richter engagiert war. Auch Roesers Eltern waren Pferdeleute. Vater Reiner und Mutter Dorothea lernten sich bei den Olympischen Spielen in Stockholm kennen, wohin sie beide gereist waren, um die Reitwettbewerbe zu verfolgen. Vater Reiner Roeser war im Essener Reitverein aktiv und holte seinerzeit Fritz Tempelmann als Reitlehrer nach Essen. Doch als sich der Vater selbstständig gemacht hatte, war keine Zeit mehr für Pferde. Auch Klaus’ Geschwister schwenkten um. Von nun an wurde in der Familie Roeser Tennis gespielt – nur einer wollte nicht von den Pferden ablassen: Klaus. „Mit 15 habe ich meinen Vater genervt, dass ich ein eigenes Pferd möchte, aber er hat sich mit Händen und Füßen gewehrt. Dann hat meine Großmutter sich eingeschaltet und zu ihm gesagt: ‚Entweder Du kaufst dem Jungen ein Pferd oder ich tue es.’ Da hat sich mein Vater an seine alte Beziehung zu Tempelmann erinnert.“ Bei Tempelmann kauften Roesers das ehemalige Grand Prix-Pferd von Gabriela Grillo, Crescendo. Klaus Roeser bekam bei Tempelmann Unterricht, ritt auch Pferde von dem Meister und saß so die meiste Zeit neben der Schule, der Bundeswehr und seiner Ausbildung im Sattel.  „Einmal bin ich auch ein Springen geritten, aber ich habe mich mit dem Pferd ganz schön ‚auf den Bart’ gelegt und war danach zwei Tage bewusstlos im Krankenhaus. Daraufhin haben meine Eltern insistiert: Ich dürfe gerne reiten, aber bitte kein Springen mehr.“ Roeser ritt Dressurturniere bis zur Klasse S, war bei der einzigen Grand Prix-Quadrille aus dem Stall Tempelmann bei der Equitana Hop Top Show dabei und gehörte zu den begeisterten Jagdreitern rund um Gustav Pforte. Heute hat Roeser wenig Zeit, sich aufs Pferd zu setzen, aber am Wochenende steigt er gerne mal in den Sattel des jungen Andalusiers seiner Frau, früher selbst Vielseitigkeitsreiterin.
Roeser – Mutter der Kompanie: Als Ullrich Kasselmann Roeser 2008 fragte, ob er den Vorsitz des Dressurausschusses übernehmen wolle, war sein erster Gedanke: „Hoppla!“ Und nach kurzem Schmunzeln fügt er hinzu: „Ehrlich gesagt, war mir nicht ganz klar, was da auf mich zukommt.“ Einige Jahre später weiß er sehr wohl, was sich hinter dem Job als Vorsitzender und Equipechef verbirgt: „Man ist das Mädchen für alles, es geht um viel Organisation, es ist zeitaufwändiger als gedacht und sehr vielseitig. Und es macht Spaß!“ Vor allen Dingen eins habe man in den vergangenen Jahren erreicht, betont er: „Dass die Kader durchlässiger geworden sind.“ Das ist ihm sehr wichtig. Natürlich ist auch noch der ein oder andere Wunsch offen: „Noch mehr sportlichen Erfolg und noch bessere Kommunikation mit den Aktiven“, erklärt er und wird etwas unruhig. Die Laufschuhe hat er schon an und ‚scharrt mit den Hufen’. Dreimal läuft er pro Woche, immer etwa 15 Kilometer. Vier Marathons hat er schon mitgemacht. „Das ist für mich einerseits Ausgleich und andererseits eine gute Gelegenheit, mich immer wieder selbst zu fordern.“ Da ist er wieder, der Sportler Roeser, der zudem gerne Ski fährt und Tennis spielt. Ab und zu sieht man ihn auch im Kino. „Dann gehe ich meistens in Filme, die mir meine Kinder empfehlen. Die kennen sich da besser aus.“ Spricht Vater Roeser und läuft los…

Im November 2015 kam noch ein weiterer Posten für ihn hinzu, seitdem ist Roeser auch Mitglied des FEI Dressur-Komitees. Dort werden beispielsweise Formatänderungen für Olympia besprochen, Vorschläge für Regeländerungen eingebracht, neue TV-Formate entwickelt etc. "Ich versuche, im FEI-Dressur-Komitee auf unterschiedlichste Vorschläge Einfluss zu nehmen und eigene konstruktive Vorschläge einzubringen. Ziel ist für mich dabei, auf der einen Seite den Sport für eine größere Zielgruppe noch interessanter und spannender zu machen, ohne aber den Kern des Sports aus den Augen zu verlieren", erklärt Roeser und ergänzt: "Und ich versuche dabei mitzuwirken, dass die bedingt durch das Regelwerk und die Auflagen immer weiter steigenden Anforderungen für Veranstalter so erträglich wie möglich gemacht werden, um auch ein weiteres Sterben von Veranstaltungen zu verhindern."