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Schmezer Rau frei 200pxGeb.: 9. März 1947 († 19. April 2012)
Wohnort: Verden
Funktion: Cheftrainer Dressur bis 20120

Holger Schmezer:

„Highlights als Bundestrainer sind und waren immer die Championate – sowohl bei den Nachwuchsreitern, als auch bei den Senioren und ganz unabhängig von den Resultaten. Der Kontakt mit Athleten aller Art aus der ganzen Welt und der Besuch im olympischen Dorf in Athen beispielsweise. Das war schon toll.“


Foto: Rau



Am Anfang war es alles andere als der direkte Weg zum Dressurreiter, den Holger Schmezer eingeschlagen hat. Die Sportskanone war bei den Deutschen Meisterschaften der Segler am Start, war Schulmeister Schleswig-Holsteins im Zehnkampf und lief die 100 Meter in 11,1 Sekunden. „Ich habe eigentlich alle Sportarten mal gemacht. Mein Vater war Ausbilder an der Marine-Offiziersschule in Plön und so konnte ich fast alles ausprobieren.“ Zum Fünfkampf gehören Schießen, Fechten, Schwimmen, Laufen und Reiten. Das reizte Schmezer, ihm fehlte nur die Erfahrung im Sattel. Kein Problem: „In der Nähe hatte ein Pferdehändler seine Anlage.“ So kam Holger Schmezer aufs Pferd. „Die Pferde in dem Stall wechselten oft und die Mädchen fielen oft runter, aber ich blieb drauf.“ Das war eine Herausforderung, die dem Sportbegeisterten gefiel. Er widmete sich zunächst dem Spring- und Vielseitigkeitssport. Die Wende zur Dressur kam in Neumünster. „Dort habe ich Herbert Rehbein auf dem Pferd sitzen sehen und war begeistert, wie er zu Pferde saß. Meine damaligen Springreiter-Kollegen haben nur gesagt: ‚Der ist ja auch Berufsreiter.’ Ich wusste bis dato gar nicht, dass es so etwas gab. Von dem Tag an stand fest: Das will ich auch machen.“
Am Tag dieser Einsicht war Schmezer 18 Jahre alt. Siebenmal hatte er bis dahin allein zu Gymnasiumszeiten die Schule gewechselt, weil sein Vater beruflich so oft umziehen musste. Vielleicht war auch das ein Grund, dass sich Schmezers Begeisterung für die Schule in Grenzen hielt. Aber einer seiner besten Freunde überredete ihn, die Schule erst fertig zu machen bevor er sich ganz den Pferden widmet. Dieser Freund war kein anderer als der heutige FN-Präsident Breido Graf zu Rantzau. Rantzau griff Schmezer auf seine Art unter die Arme…
Schmezer ritt bei Dressurausbilder Walter ‚Bubi’ Günther vor, um sich für eine Lehrstelle zu bewerben. Rantzau aber hatte mit Günther vorher gesprochen, er solle Schmezer ein Pferd zum Vorreiten geben, auf dem er keine Chance habe. Gesagt, getan! Nichts klappte. Aber: Ein echter Sportler wie Schmezer gibt nicht auf. Über den ehemaligen Bundestrainer der Vielseitigkeitsreiter, Max Habel, kam Schmezer in den Stall von Gustav Eggert und machte dort seine Lehre zum Bereiter. Längst hatte Schmezers Begeisterung für die Dressur Fuß gefasst. „Dressur hat mehr mit Kunst zu tun, nicht nur mit Athletik“, erklärte er damals. „Das hat mir immer mehr Spaß gemacht.“ Zudem war er der Meinung, die Dressur sei die einzige Grundlage, um als Berufsreiter bestehen zu können.
Nach seiner Lehre wurde Schmezer als Bereiter von Willi Schultheis engagiert. „Da habe ich sofort eingeschlagen. Willi Schultheis war ja ein Begriff.“ Nach gut vier Jahren war es Schultheis selbst, der Schmezer riet, nach Thedinghausen zu gehen. Acht Jahre leitete der Schultheis-Schüler dort einen Privatstall. „Wir hatten wirklich gute Pferde in dem Stall. In dieser Zeit bin ich auf all den großen Turnieren geritten – außer Aachen.“1979 machte sich Schmezer mit seiner damaligen Frau Inge, die für den Hannoveraner Verband ritt, selbstständig. Von Anfang an genoss Schmezer nicht nur die Ausbildung von Pferden, sondern auch von Reitschülern. „Schon im ersten Lehrjahr bei mir haben zwei Lehrlinge, Birgit Finken und Birgit Wellhausen-Henschke, ihr Goldenes Reitabzeichen gemacht. Und ich habe immer viel Nachwuchsreiter trainiert. Ich hatte etwa zehn in meiner Ausbildung, die als Junioren oder Junge Reiter bei Europameisterschaften an den Start gegangen sind.“ Auch bei der FN wurde man auf Schmezer aufmerksam. „Als ich 40 war, hat mich Christoph Hess gefragt, ob ich Bundestrainer für die Junioren oder Jungen Reiter werden möchte, aber damals wollte ich lieber noch zehn Jahre reiten.“ Es lief wie geplant: 1996 wurde Schmezer Nachfolger von Siegfried Peilicke und damit Bundestrainer für den Nachwuchs. Unter seiner Leitung gewannen die deutschen Nachwuchsreiter bei Europameisterschaften 30 Medaillen, davon 15 goldene. Schweren Herzens hat sich Schmezer Ende 2000 vom ‚Nachwuchs getrennt’ und übernahm nach den Olympischen Spielen in Sydney von Klaus Balkenhol das Amt des leitenden Bundestrainers. „Das war eine einmalige Chance. Man kann sich für den Job des Bundestrainers ja nicht bewerben, man wird berufen. Ich bin zwar nie selbst ein Championat geritten, aber ich habe mir den Job zugetraut.“ Seine Richterlaufbahn hat er dafür an den Nagel gehängt. „Das passte mit dem Amt des Bundestrainers einfach nicht zusammen.“ Auch seinen eigenen Betrieb hat er aufgegeben. Wenn er etwas macht, dann voll und ganz. „Das ist auch der Grund, warum ich seit Jahren nicht mehr auf dem Pferd gesessen habe. Nur so ein bisschen reiten – das bringt mir nichts. Ich muss ein Ziel haben: Ein Pferd ausbilden zum Beispiel, aber die Zeit habe ich nicht.“
Drei Dinge prädestinieren Schmezer als Bundestrainer, abgesehen von seinem Wissen um Pferde und Dressur. Er ist selbsterklärter Optimist, diszipliniert und ein Puffer im Team. „Früher bei den Jugendlichen, aber auch heute noch auf den Championaten wird man schon mal angemault. Aber ich kann das verstehen, bei der Anspannung, die da herrscht. So ruhig wie ich wirke, bin ich oft gar nicht, aber als Bundestrainer muss man sich auch als Puffer für die Sportler sehen.“
Im März 2012 erreichte Cheftrainer Holger Schmezer das Rentenalter, aber er hat zugestimmt bis Ende des Jahres im Amt zu bleiben und die Olympischen Spiele in London als letztes Highlight seiner Cheftrainer-Karriere zu begleiten. Eine spezielle Herausforderung? “Natürlich!“