Geb.: 25. November 1989
Wohnort: Isen
Beruf: Betriebsmanagerin Gut Daxau, Studentin Sportmanagement

Victoria Michalke:
„Ich hatte noch nie einen Tag, an dem ich morgens nicht in den Stall wollte.“




Foto: Privat

Die kleine Tochter möchte unbedingt reiten, doch der nächste Reitstall ist fast eine Stunde Fahrzeit entfernt. Das eigene Zuhause aber ist ein kleiner Hof mit Scheune und Koppel, was liegt da näher als ein Esel? Und so kam es, dass sich Victoria als kleines Mädchen ausführlich mit Esel Ludwig beschäftigen wollte, den ihre Mutter geschenkt bekommen hatte. Aber Ludwig war ein ganz schön wilder Esel und so wurde Eselkumpel Maxi angeschafft. Maxi wurde von Vicky geputzt, bandagiert, vor die Kutsche gespannt und geritten. „Wir haben auf dem Land gewohnt, da gab es sonst nicht so viel, was man machen konnte“, erzählt Victoria heute lachend. „Und Maxi war sehr brav. Vor ihm musste ich überhaupt keine Angst haben.“
Der Bruder eines Bekannten züchtete Pferde und war schwer beeindruckt von der Energie, mit der die kleine Victoria die Esel versorgte. Bald wurde die junge Eselreiterin zum regelmäßigen Wochenendgast bei Toni Neumaier. Dort bekam sie auf zwei ganz braven Pferden Longenstunden, einer davon war Don Patrese. Vickys Eselserfahrungen blieben nicht ohne Auswirkungen. Mit Don Patrese ritt sie sich von E bis S. „Er war super brav. Er hat manchmal zwei Stunden da gestanden und gewartet bis ich ihn bandagiert hatte“, lacht Vicky. Dann kam Lehrpferd Rubioso. „Aus meiner ersten M-Dressur mit ihm kam ich allerdings mit einer 4,8 heraus“, grinst Vicky. „Da haben wir uns gedacht, dass da irgendetwas nicht stimmen kann.“ In jener Zeit machte die Nachwuchsreiterin Jessica Werndl den Süden Deutschlands ‚unsicher’ und gewann alles. Neumaier war begeistert von der Reitart der jungen Dame und wandte sich an deren damaligen Trainer, Stefan Münch. Seitdem, seit 2005, trainiert Vicky Michalke mit Münch. Vier Jahre hatte sie ihre Pferde in Aubenhausen bei Familie Werndl stehen, trainierte mit Münch und fuhr häufig mit den Geschwistern Werndl zu den Turnieren. Der Mutter von Victoria war inzwischen längst klar, dass ihre Tochter von den Pferden nicht mehr abzubringen war. Inzwischen haben sie sogar eine eigene Anlage mit 23 Boxen gebaut: das östlich von München gelegene Gut Daxau. Zusammen mit ihrer Mutter hat Vicky das Management des Betriebs übernommen. Chefausbilder ist dort Stefan Münch.
2006 ist Vicky Michalke in den Bundeskader der Junioren aufgenommen worden, 2007 gehörte sie mit ihrem selbst ausgebildeten Rubioso zum Goldteam der EM-Junioren. Mit Rubioso und der von ihr selbst ausgebildeten Queeny sammelte sie Erfolge bei den Jungen Reitern, mit Novia war sie zweimal bei der WM der jungen Dressurpferde am Start und wurde Vize-Bundeschampionesse. Inzwischen hat sie den Sprung in den Grand Prix-Sport längst erfolgreich geschafft: Beim Piaff-Förderpreis-Finale der U25-Jährigen wurde Sie Dritte im Finale 2012, ebenso im Finale des Nachwuchs-Pferde Grand Prix’, dem Louisdor-Preis, beides mit Dance On. Übrigens auch ein selbst Ausgebildeter. Und 2013 wurde sie Vierte bei der WM der jungen Pferde, dieses Mal im Sattel von Duke of Britain.
Acht Pferde reitet die junge Betriebsmanagerin pro Tag, eigene und Kundenpferde, die zur Ausbildung auf Gut Daxau stehen. Nebenher studiert sie außerdem Sportmanagement und könnte sich vorstellen, später einmal in die Organisation von Turnieren einzusteigen. „Ich hatte noch nie einen Tag, an dem ich morgens nicht in den Stall wollte“, erzählt Vicky. „Ich hatte bisher so viel Spaß im Stall und beim Reiten. Das hat alles überragt. Aber ich will auch den Spaß erhalten und mir ein zweites Standbein sichern durch das Studium.“ Langfristig möchte sie die knapp zehn eigenen Pferde eher reduzieren, noch mehr Kundenpferde einstallen und den Betrieb noch weiter entwickeln.
Im Herbst 2013 wurde Victoria Michalke in die Perspektivgruppe berufen. „Das ist für mich eine Bestätigung, dass ich auf dem richtigen Weg bin“, freut sie sich. „Das spornt an!“ Und das hilft beim ‚Durchhalten’, zum Beispiel in Verletzungspausen. Beim CHIO Aachen 2013 hatte sich ihr Toppferd Dance On verletzt und fiel einige Monate aus. So rutschte der 16-jährige Pavarotti in die erste Reihe. „Pavarotti haben wir elfjährig gekauft und alle waren ganz begeistert von ihm. Aber bald stellte sich heraus, dass er eine Zyste im Schultergelenk hatte und er fiel zweieinhalb Jahre aus.“ In dieser Zeit hat Vicky häufig vorsichtig versucht, ihn wieder anzutrainieren, jedes Mal ging er wieder lahm. Aber Vicky gab nicht auf – vielleicht auch noch ein positives ‚Überbleibsel’ ihrer frühen Eselerfahrungen? Seitdem Pavarotti 14 ist, ist er wieder fit, wird aber nur gezielt eingesetzt. Das ist Vicky überhaupt sehr wichtig. „Ich versuche immer, dass die Pferde den Spaß behalten. Sie bekommen alle viel Abwechslung. Mehr als fünfmal pro Woche reite ich eigentlich keinen, den Rest dürfen sie aufs Paddock, werden am Halfter longiert, ausgeritten oder dürfen einfach mal ‚chillen’.“ Auch Vicky selbst chilled manchmal ganz gerne, geht mit ihren ‚Mädels’ aus oder gemütlich ins Kino. Und weil sie acht Pferde am Tag noch nicht auszulasten scheinen, geht sie auch gerne noch laufen und macht diverse Kurse im Fitness-Studio mit. „Das ist cool. Ich mag Sport und die Kurse sind noch etwas anderes neben der Reiterei.“ Früher stand auch Skifahren bei Vicky ganz hoch im Kurs, aber die Reiterei hat das Skifahren längst übertrumpft. Inzwischen ist sie mit Leib und Seele Dressurreiterin, guckt aber auch gerne mal beim Springen ein Stechen an. Das alles erzählt sie mit ihrem Vicky-typischen, gut gelaunten Lachen. Und noch mehr kommt sie ins Lachen, wenn sie von ihren morgendlichen ‚Kämpfen’ berichtet. „Wenn ich mir etwas wünschen könnte, dann dass ich morgens besser aus dem Bett komme. Für mich ist das Aufstehen jeden Morgen ein Akt, egal, wann ich ins Bett gegangen bin. Ich schlafe auch gerne mal mit der Zahnbürste im Sitzen wieder ein. Stefan (Münch) startet deshalb an Turnierwochenenden, wenn wir früh los müssen, einen Kontrollanruf bei mir, ob das mit dem Aufstehen geklappt hat.“