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Geb.: 16. März 1990
Wohnort: Diepholz
Beruf: Profireiterin  
 
Kathleen Keller:

„Ich bin zielstrebig und habe eigentlich immer gute Laune, aber am allerbesten kann man mich mit einem einzigen Wort beschreiben: pferdeverrückt.“
 
 

 

 

Foto: Privat

 

„Ich habe sehr großen Respekt gegenüber Pferden und ich lasse die Pferde den Weg vorgeben – vielleicht ist das meine größte Stärke als Reiterin.“ Eigentlich lächelt Kathleen Keller immer, aber bei diesen Worten wird sie etwas nachdenklich. Man sieht ihr an, wie wichtig ihr dieses Thema ist: das Thema Pferd. „Eigentlich ging es in meinem ganzen Leben immer um Pferde!“ Das dürfen nur nicht ihre beiden Glücksbringer hören, die Dackeldamen Lilly und Schoko, die sie auf jedem Turnier begleiten. Die wären wahrscheinlich etwas pikiert…
Ausgeglichen, geduldig, mit einer positiven Grundnervosität vor ihren Turnierstarts, so beschreibt sich Kathleen Keller selbst. Als Betrachter von außen möchte man anfügen: stets in eleganter Harmonie zu Pferde sitzend. Und das alles hat so begonnen…
„Damals gab es noch keine passenden Jacketts für so Kleine wie mich, da wurde ich in so ein Samtjackett gesteckt“, erinnert sich Kathleen Keller amüsiert an ihren ersten Führzügelwettbewerb auf Pony Henni. ‚Damals’ war Kathleen zwar erst vier Jahre alt, aber die Pferde hatten sie schon völlig in ihren Bann gezogen. Wen wundert’s? Mutter Manuela und Vater Dolf sind beide selbst erfolgreiche Ausbilder und betreiben in Luhmühlen ihren eigenen Ausbildungsstall, inzwischen zusammen mit Tochter Kathleen. Und auch Bruder Mark war im Springsattel aktiv.
Pony Karaschi war es, der die ersten Weichen Richtung Dressursport stellte. „Karaschi hatte eine Stehmähne, sein Kopf war fast doppelt so groß wie sein Körper, der Hals war dünn und lang und die Beine kurz“, beschreibt Kathleen ihren damaligen Sportpartner schonungslos ehrlich, was aber ihrer Verbundenheit zu Karaschi keinen Abbruch tat. „Mit Karaschi habe ich meine ersten Dressur- und Springreiterwettbewerbe geritten. Bei dem Einzelgaloppieren in den Einfachen Reiterwettbewerben ist er gerne mal durchgegangen, deshalb bin ich schon damals lieber Dressur- oder Springreiterwettbewerbe geritten.“ Malvaro hätte das Blatt vielleicht noch wenden können. Mit ihm hat Kathleen elfjährig E-Springen gewonnen, aber der wurde dann verkauft und fortan ist Kathleen meist nur noch Zuhause über die Hindernisse geflitzt. Turniersportlich stand die Dressur klar im Vordergrund. „Ich bin damals höchstens bei drei oder vier Turnieren im Jahr an den Start gegangen. Den Rest der Zeit bin ich gerne mit meinen Freundinnen ohne Sattel geritten oder mit Strick und Halfter durchs Gelände.“
Die ersten richtigen Dressurlektionen habe sie von ihrem ersten Großpferd, von Kajetan, gelernt. „Mit ihm bin ich meine ersten Wechsel geritten, ich war ungefähr zehn. Er war super brav und ein tolles Lehrpferd.“ Der Grand Prix-fertige Abu Simbel kam zwei Jahre später, ein weiterer wunderbarer Lehrmeister. Und als Kathleen 13 war ‚galoppierte’ der Oldenburger Hengst Florestan in ihr Leben. „Mit ihm ging es dann richtig los!“ Im Raketenflug eroberte das Paar die ‚S-Klasse’, schon mit 14 konnte Kathleen Keller zehn S-Siege feiern und  bekam das Goldene Reitabzeichen – als jüngste Reiterin in der deutschen Reitsportgeschichte. Ebenfalls mit 14 feierte sie auf Florestan EM-Gold mit dem Junioren-Team und wurde Siebte der Einzelwertung. Irgendwann gewann sie mit Florestan auch mal ein Stoffpferdchen als Ehrenpreis. Dieses ‚Pferd’, den charmanten Namen hat es bis heute behalten, begleitet Kathleen Keller noch heute als Glücksbringer auf ihre Turniere.
Mit dem Hannoveraner Wonder gehörte Kathleen bei der Europameisterschaft 2008 erneut zum Team, gewann die Silbermedaille in der Mannschaftswertung und erneut einen siebten Platz in der Einzelwertung. Noch Jahre später scheint die 1,80-Meter große Schlanke fassungslos, was ihr 2011 geglückt ist. Sie siegte im Deutschen Dressur-Derby in Hamburg – mit 21 Jahren. So jung hatte das noch keiner geschafft! Ganz der Papa, der das Derby acht Jahre zuvor dominiert hatte, zu der Zeit allerdings schon einige Jahre mehr im Sattel verbracht hatte als seine Tochter bei ihrem Sieg des Blauen Bandes. Im selben Jahr gewann Kathleen außerdem das U25-Dressur-Derby, ebenfalls mit Pferdewechsel, das sie inzwischen insgesamt dreimal gewonnen hat. Und das alles, nachdem sie am selben Morgen bereits in der internationalen Amateur-Springtour eine tolle Runde gedreht hatte und Vierte geworden war. Dafür hatte sie sich das Springpferd ihres Bruders ausgeliehen, Calimero, der inzwischen mit Vater Dolf im Sattel zum Jagd-Spezialisten geworden ist.
„Irgendwie hatte ich schon immer im Hinterkopf, dass ich auch beruflich reiten möchte“, gesteht sie lachend. „Aber ich wollte trotzdem auch noch mal etwas anderes gemacht haben, mich weiterentwickeln.“ So studierte sie nach dem Abitur Wirtschaftspsychologie in Hamburg und schloss das Studium 2014 mit dem Bachelor of Arts ab. „Das war gut und es hilft mir auch heute noch. Gerade zum Beispiel im Bereich Personalmanagement habe ich viel gehört und gelernt, was ich heute anwenden kann. Und man geht insgesamt bewusster durchs Leben.“
Zwischen Abitur und Studium verbrachte Kathleen Keller noch vier ganz besondere Monate: bei der Cadre Noir in Saumur. „Ich hatte drei Pferde dabei und durfte dort mittrainieren, auch bei den Sprüngen der Hohen Schule. Danach hat es mir gar nichts mehr ausgemacht, wenn ein Pferd unter mir gestiegen ist. Die konnten so hoch steigen wie sie wollen“, lacht sie.
Seit 2014 ist Kathleen voll in den elterlichen Dressurstall in Luhmühlen eingestiegen. 22 Pferde stehen dort, acht werden täglich von ihr trainiert. Daneben gibt sie noch Unterricht und hält, wenn es ihre Zeit erlaubt, auch Lehrgänge. Nach Texas fliegt sie beispielsweise regelmäßig zum Unterrichten. „Ich reite natürlich sehr gerne, aber ich gebe auch gerne Unterricht. Es macht Spaß, sein Wissen weiterzugeben.“
Seit März 2015 hat sie einige Pferde im Besitz von Cornelia Böckmann-Heinrich unter dem Sattel, darunter den De Niro-Sohn Daintree. Nach acht gemeinsamen Monaten überzeugten die beiden bereits so, dass sie Anfang Dezember 2015 in den deutschen Bundeskader berufen wurden. „Als ich das erfahren habe, habe ich mich einfach nur riesig gefreut!“ Ein weiterer Schritt zu ihrem Ziel: Fußfassen im Profisport!
Von Kindesbeinen an hat Kathleen immer mit den beiden selben Trainern gearbeitet, mit ihren Eltern Manuela und Dolf Keller. „Wir sehen Dinge auch mal aus verschiedenen Blickwinkeln, wir diskutieren und tauschen uns aus und am Ende kommen wir eigentlich immer auf einen Nenner. Das klappt einfach absolut gut.“ Das Team Keller – das passt zusammen und zum Erfolg!
Acht Pferde am Tag, Turniere, Lehrgänge, einmal pro Woche eine Übungseinheit mit ihrem Sporttrainer und regelmäßig einige Male pro Woche 212 Kilometer. So weit ist es vom familiären Dressurstall in Luhmühlen bis zu Kathleens Wohnung in Diepholz. Dort lebt sie zusammen mit ihrem Partner Alexander Hinz, selbst Springreiter. Kein Wunder, dass Kathleen einen Wunsch hat: „Ich würde gerne einmal die Zeit anhalten, damit ich in aller Ruhe all die Dinge machen kann, die ich gerne machen würde – ohne dabei etwas zu verpassen. Das wäre wirklich schön!“
Bis das passiert genießt sie weiter jeden Tag die Arbeit mit ihren Pferden.