Geb.: 03. Juni 1989
Wohnort: Voerde
Beruf: Pferdewirtin, Profireiterin
 
Beatrice Buchwald:

„Das Reiten mit Betty hat oft wenig Spaß gemacht, aber ich habe sehr viel von ihr gelernt.“
 

 

Foto: Privat

 

Sportlich war Beatrice Buchwald immer. Sie hat Gerätturnen betrieben und ihr Sport-Abitur mit 1 abgeschlossen. Auch ehrgeizig und zielstrebig war sie immer, aber der Erfolg der vergangenen Jahre überwältigt sie doch, wann immer sie darüber nachdenkt.
Zurück auf Los – an der Nordsee ging es für Beatrice Buchwald und die Pferde los. „Wir waren jedes Jahr an der Nordsee im Urlaub und so ziemlich das einzige, was man da machen konnte, war Ponyreiten.“ Unterstützt von ihrer Tante, die selbst Hobbyreiterin war, trug Beatrice als siebenjähriges Mädchen ihren Eltern ihr Anliegen vor. Sie wollte Reitstunden. „Zunächst durfte ich einmal in der Woche eine Schulstunde mitreiten und dann kam Flicka.“ Flicka war ein sehr sensibles, energiegeladenes Pony, zu heiß für den Schulbetrieb, so dass die junge Beatrice die 1,30-Meter-Stute als Pflegepony übernehmen durfte. „Ich war jeden Tag mit dem Fahrrad im Stall, bei Regen oder Schnee, das war mir egal. Ich bin immer die knapp vier Kilometer gerne geradelt.“ Mit Flicka startete Beatrice, genannt Bea, auch ihre Turnierkarriere – in Führzügel- und Reit-Wettbewerben. „Mit zehn war ich für Flicka schon zu groß und habe meine Eltern hartnäckig bearbeitet, dass ich ein eigenes Pferd möchte.“ Drei Jahre später hatte die Hartnäckige Erfolg. „Ich habe von meinem Vater eine bestimmte Summe zur Verfügung bekommen und davon konnte ich mir ein Pferd kaufen.“
Mit dem Zug reiste Teenie Bea (13) zu Verwandten ihrer Reitlehrerin. Dort traf Bea ‚Betty Blue’, eine siebenjährige Stute, die kaum zu reiten war. Aber sie war schwarz und schön. „Ich konnte sie über Jahre nicht durchs Genick reiten. Beim Springen sind wir nur bis zu Sprung zwei gekommen und wenn ich ausreiten wollte, ist sie spätestens am Hoftor umgedreht.“ Nach drei Jahren war Bea so weit und verkaufte Betty Blue – auch auf Drängen ihrer Reitlehrerin Eva Eisenmann, die mehr als zehn Jahre die Ausbildung von Bea betreut hat. „Das war ganz komisch. Als ich mich entschlossen hatte, sie zu verkaufen, da klappt es plötzlich. Aber ich habe es trotzdem gemacht.“ Ursprünglich hatte sie ihrem Vater als junges Mädchen vorgerechnet, dass sie durch die Ausbildung und Erfolge, das Pferd ja auch im Wert steigern würde. Das hat zwar bei Betty Blue nicht ganz geklappt, aber sie hat auch keinen Verlust gemacht und Betty für dieselbe Summe wie gekauft wieder verkauft. „Das Reiten mit Betty hat oft wenig Spaß gemacht, aber ich habe sehr viel von ihr gelernt!“
Erneut ging Bea auf Pferdesuche, inzwischen 16 Jahre. Mit ihrem Freund, gelernter Pferdewirt, landete sie auf dem Klosterhof Medingen und wurde fündig. Der siebenjährige Trakehner Infineon sollte es sein. Das passte. „Er war auch schön und er ließ sich durchs Genick reiten“, lacht sie gut zehn Jahre später. Mit ihm hat sie A- und L-Dressuren gewonnen, sich vollends der Reiterei verschrieben und so nach dem Abitur eine Lehrstelle als Pferdewirtin gesucht. 2008 siedelte sie vom heimatlichen Baden-Württemberg ins Rheinland über und begann ihre Ausbildung im Stall von Johann Hinnemann (Voerde). Schnell war sie für ihr spezielles Händchen für schwierige Pferde bekannt. „Wir hatten beispielsweise einen Wallach im Stall, der war tatsächlich nicht reitbar. Ein Jahr lang habe ich ihn nur an der Longe geritten, am Ende habe ich mit ihm S gewonnen. Das war wahnsinnig toll!“
In Voerde kam Bea auch mit Lord Carnaby und Weihegold zusammen. Pferde, mit denen sie inzwischen tolle Erfolge gefeiert und sie auch heute noch unter dem Sattel hat. Nach vier Jahren in Voerde suchte Buchwald eine neue Herausforderung. Nur 20 Autominuten entfernt lag Rheinberg und dort der Stall von Isabell Werth. Über die Hengststation Schult bekam Buchwald den Kontakt zu der fünffachen Olympiasiegerin. „Ich habe mich kaum getraut zu fragen, aber Isabell hat sofort ja gesagt.“ Seit Ende 2012 gehört Beatrice Buchwald zum Team Werth, seitdem geht es mit ihrer sportlichen Karriere noch rasanter bergauf. Mit DSP Belantis verpasste sie nur ganz knapp eine WM-Medaille und erritt den Titel des Bundeschampions bei den Fünfjährigen. Lord Carnaby ritt sie ebenfalls zum Bundeschampion und machte aus ihm einen WM-Finalisten. Mit Weihegold OLD gewann Bea sowohl das Finale des Nürnberger Burg-Pokals als auch das Finale des Louisdor-Preises. „Bei dem Sieg im Burg-Pokal mit Weihegold 2013 stand ich das erste Mal im Rampenlicht. Das war und ist immer noch alles wahnsinnig spannend und macht sehr viel Spaß!“ Im Dezember 2015wurde ihr von offizieller Stelle bescheinigt, dass sie im Topsport angekommen ist: Beatrice Buchwald wurde in den deutschen Bundeskader berufen.
Ganz klar, Beatrice Buchwald hat den Rest ihres Lebens den Pferden untergeordnet – bis auf eine einzige Ausnahme: Mogli. Der Mischlingsrüde ist immer an ihrer Seite. Bei jedem Ortswechsel war immer die Bedingung, dass Mogli mitkommen darf. „Mein Hund ist das einzige Hobby, das ich mir leiste. Er ist immer mit dabei!“ Urlaub hat Buchwald schon lange nicht mehr so richtig gemacht – abgesehen von den drei Tagen, die sie jedes Jahr zu Weihnachten nach Hause fährt. Shoppen, ausschlafen, Freunde treffen und nett essen gehen, das gönnt sie sich ab und zu in ihrer Freizeit und sonst genießt sie in vollen Zügen ihr Leben mit den Pferden und dem Pferdesport.