Get Adobe Flash player

Geb.: 17. Juni 1974
Wohnort: Monaco und Westerstede
Beruf: Profireiterin und -ausbilderin, Gestütsleiterin, Unternehmerin
 
Bernadette Brune:

„Das Schwierigste, wenn man vom erfolgreichen Springen zur Dressur wechselt, ist zu lernen, dass man erfolgreich sein kann, ohne jedes Wochenende zu gewinnen.“
 
 
 

 

 

 

Foto: Privat

Sie hat in Deutschland, Belgien, Italien und Monaco gelebt – Sprachen, kein Problem! Sie hat ein Diplom als Schauspielerin und hat in einer Soap mitgespielt. Sie hat gemodelt und ihren Lkw-Führerschein gemacht. Sie war auf der Business School und hat ein Studium zur Werbedesignerin begonnen. Die Fotografie ist ebenso ihr Hobby wie Filme schneiden, Segeln, Rennradfahren, Bodybuilding und Reisen. Aber trotz aller Interessen und Begabungen war für Bernadette immer klar: Es sind die Pferde und der Pferdesport, die sie am allermeisten begeistern und faszinieren. Deswegen hat sie zwischenzeitlich als ‚Stallbursche’ und auf der Trabrennbahn gearbeitet, um ihre Reitstunden bezahlen zu können, und hat ihre Bereiter-Ausbildung abgeschlossen.

Mit 13 ging die gebürtige Düsseldorferin bei ihrem ersten Springturnier an den Start, sprang sich kontinuierlich nach oben und war zehn Jahre im internationalen Springsport erfolgreich. Dann war plötzlich Schluss. Beim Drei-Sterne-CSI in Saint Tropez verletzte sich Bernadette am Rücken, das Urteil der Ärzte war eindeutig: „Kein Springsport mehr!“ Das war ein Schock, aber wer die durch und durch vom Pferdevirus Erfasste kennt, weiß, dass Kopf in den Sand stecken für sie nicht in Frage kommt. Wenn es der Springsport nicht mehr sein darf, dann wird eben umgesattelt. Seitdem, seit 2010, ist Bernadette Brune im Dressursport aktiv und ist auch dort auf der Erfolgsspur. Im Dezember 2015 hat sie ein riesiges Ziel erreicht: die Kaderberufung!

Zurück zum Beginn und der war sehr früh. Pferde spielten in Bernadettes Leben schon früh eine Rolle. Ihre Mutter Barbara ritt Vielseitigkeit, ihr Großvater Herbert Behlau war Träger des Goldenen Reitabzeichens und er hatte einen Reiterhof an der holländischen Grenze. Bernadette war drei als sie dort, vom Großvater verordnet, ihre erste Longenstunde bekam. Großvater Herbert wusste schon damals um die Bedeutung des korrekten Sitzes. Nicht selten band er ein Pony für Bernadette an seine Kutsche und fuhr durch den Wald. Bernadette auf dem Pony mit Voltigiergurt – zur Sitzschulung. Als Bernadette sieben war zog sie mit ihrer Mutter nach Monaco. Dort war es für Bernadette zwar schwieriger, ‚an Pferde zu kommen’, aber Bernadette fand einen Schulstall und hatte ein Ziel: Sie wollte Turniere reiten. Mit 13 war es so weit. Bernadette ging bei ihrem ersten Springturnier an den Start. Ein Jahr später schon qualifizierte sie sich für die französischen Amateurmeisterschaften. Ein erster Meilenstein, auch wenn sie im Endeffekt als Deutsche nicht an den Meisterschaften teilnehmen durfte.

Nach dem Abitur zog die Pferdebegeisterte zurück nach Deutschland und nahm Ziel Nummer zwei in Angriff: die Ausbildung zum Pferdewirt Schwerpunkt Reiten. Sie lernte bei bekannten Größen des Spring- und Dressursports, bei Dietmar Laufhütte, Renate Dahmen, Helena Weinberg und Holger Hetzel. Parallel dazu trainierte sie in Belgien mit dem inzwischen verstorbenen Olympiareiter Eric Wauters. Er öffnete ihr die große Welt des internationalen Springsports. Es begann eine spannende und lehrreiche Zeit für die Springreiterin. Bernadette Brune reiste quer durch Europa – von Turnier zu Turnier und von Lehrmeister zu Lehrmeister. Sie arbeitete mit Norbert Koof, Gert Meyer, Stefano Nogara, Dirk Hafemeister und zuletzt auch mit Michel Robert. „Von Dirk und Michel habe ich am meisten gelernt!“ erklärt sie. „Einerseits die deutsche strenge Schule der korrekten Hilfen und andererseits die französische légerté, die sehr viel mit der Balance des Pferdes zu tun hat.“

Korrekte Hilfen, Balance des Pferdes – das ist im Spring- und Dressursport gleichermaßen wichtig. So verwundert es gar nicht so sehr, dass Bernadette Brune den Umstieg vom Spring- in den Dressursattel schnell und erfolgreich gemeistert hat. Nach dem Unfall und der Rückenoperation widmete sich die Unternehmerin allerdings erst einmal vermehrt ihrem Stall und der Organisation von Turnieren. Bereits im Jahr 2006 hatte sie ihr neues Zuhause gefunden: einen Traberstall in Vidauban, den sie inzwischen komplett umgebaut und neu gebaut hat, bis er heute zu einem der größten Ställe in Frankreich "Domaine Equestre des Grands Pins" geworden ist. Im Domaine Equestre des Grands Pins wird aber nicht ‚nur’ geritten und trainiert, hier werden Pferde an- und verkauft. „ Wir verkaufen Pferde nach Frankreich, USA, Schweiz, Italien und auch nach Deutschland“, erklärt die Chefin. Nur für ihre Zucht ist Vidauban nicht der richtige Ort, deshalb wachsen ihre Fohlen in Deutschland auf. Und auch die Züchterei betreibt sie mit Erfolg: „Ein Selbstgezogener von mir war Siebter der französischen Meisterschaft bei den fünfjährigen Dressurpferden, obwohl er rein springmäßig gezogen ist – aus meiner Top-Springstute! Und ein Totilas-Stutfohlen von uns wurde über die Oldenburger Auktion für 40 000 Euro verkauft. Ein anderer Totilas-Nachkomme, den ich mit drei Tagen gekauft habe, ‚Tolegro’, ist erfolgreicher Deckhengst.“

Wenn Bernadette Brune das Stichwort ‚Pferd’ bekommt, sprudeln Energie und Ideen geradezu aus ihr heraus. So hat sie nebenher auch noch eine Firma für natürliche Produkte zur Pferdepflege aufgebaut, "Equivida".
2007 hat Bernadette Brune dann ihr erstes Turnier organisiert, damals noch national. Ein Jahr später schon folgte das erste Drei-Sterne-CSI. Qualität spricht sich rum und Vidauban entwickelte sich in den vergangenen Jahren zum Mekka für internationale Dressur- und Springturniere. 2015 hat sie zudem ihre erste Europameisterschaft ausgerichtet – für die Dressurreiter in den Altersklassen Junge Reiter, Junioren und Children.

Im oldenburgischen Westerstede baute sich Bernadette Brune 2016 noch einen ‚Sitz’ in Deutschland auf. „In Westerstede haben wir einen hoch qualitativen Zucht- und Ausbildungsstall gebaut. Die Fohlen kommen dort zur Welt, werden dort groß und ausgebildet bis sie in den Sport kommen. Dazu haben wir extra eine Anreithalle, einen Aquatrainer, eine Rennbahn, eine Halle für Horsemannshiparbeit, einen Hengststall und und und..“, erklärt sie. 2017 im Mai wurde große Einweihung des Gestüts Brune gefeiert.

Neben all dem hat sich Brune, nach der Geburt ihrer Tochter Sidney, dann auch noch dem Dressursport verschrieben. ‚Schuld’ daran war ein hübscher De Niro-Sohn. Den hatte ihr ein Händler zum Anreiten dagelassen und er verführte Bernadette Brune zum Dressursport. Erst ritt sie mit ihm ein paar Lehrgänge, dann die ersten Turniere. Nach drei Jahren waren die beiden auf Inter II-Niveau angekommen. Tipps holte sich Brune bei Jean Bemelmans und Anky van Grunsven, ab 2013 war Udo Lange Brunes Trainer, danach Jonny Hilberath.

Inzwischen gehört auch der Sandro Hit-Sohn Valeron zu Brunes sportlichen Partnern. Mit ihm ging sie 2011 bei ihrem ersten Grand Prix an den Start. Rasant ist sie im Dressursport die Erfolgsleiter nach oben geklettert, hat sich im internationalen Grand Prix-Sport etabliert, war bereits bei mehreren Nationenpreisen für Deutschland am Start und hat den Sprung in den Bundeskader geschafft – nicht zuletzt mit der Hilfe ihres Traumpferdes: Spirit of the Age, „dem tollsten Hengst der Welt!“. „Kaderberufung war kein Ziel, eher eine handfeste Überraschung“, betont Brune. „Es war mein Ziel, im Dressursport ganz hoch zu kommen. Ich wollte so erfolgreich sein wie im Springen. Dass ich viel mehr Erfolg haben würde in der Dressur, war gar nicht geplant!“, ergänzt sie lachend.

Bernadette Brune ist eine Pferdefrau mit Kopf und Herz. Sie kombiniert die Lässigkeit aus dem Springreiten mit den Lektionen der Dressur. Sie bringt ihren Pferden stets größten Respekt entgegen und trainiert sie immer mit dem Ziel der Motivation und Abwechslung – beim Ausreiten, auf der Galoppbahn oder mit kleinen Sprüngen. Gerne baut sie mit ihren Grand Prix-Pferden auch mal eine Trainingseinheit im Sattel und mit Halfter ein. Und sie ergründet die Seele und das Verhalten ihrer Pferde nicht zuletzt durch die Zusammenarbeit mit ‚Pferdeflüsterern’. „Es wird oft über den Ausdruck ‚Pferdeflüsterer’ gelacht. In Deutsch ist der Ausdruck auch falsch. Es sollte ‚Pferdeversteher’ oder ‚Verhaltensanalyst’ heißen. Zumindest halte ich sehr viel von ihrer Arbeit!“

Die Pferde im Mittelpunkt, gesteht sie uns dennoch auch andere ‚Lieben’: „Ja, ich liebe Sushi, Schokolade und Facebook! Ich finde es toll, viel mit vielen Menschen teilen zu können. Ich finde es sensationell, dass man in Sekunden mit Menschen auf der anderen Seite der Welt sprechen kann. Meine Fans haben Spaß daran, meinen Abenteuern zu folgen. Das wiederum finde ich schön.“ Bernadette Brune – ein Leben mit und für die Pferde und mit einer Vision: „Ich würde mich sehr freuen, wenn wir irgendwann den Grand Prix auf Trense reiten dürften!“