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Geb.: 10. August 1983
Wohnort: Barver
Beruf: Profireiter und –ausbilder, Pferdewirtschaftsmeister
 
Jan-Dirk Gießelmann:

„Ich finde es immer wieder erstaunlich, was man zusammen mit Pferden erreichen kann.“


„Pferde waren bei uns zu Hause schon immer da.“ Ein simpler Satz, aber selten sagt er so viel aus wie bei Jan-Dirk Gießelmann. Der Weg für ihn war immer klar: Pferde. Nach dem Abitur machte er seine Ausbildung zum Pferdewirt Schwerpunkt Reiten im Stall der Familie Ramsbrock bei Hella Kunz. Drei Jahre gehörte er zum Team der Verdener Auktionsreiter, 2010 folgte die Meisterprüfung und der Einstieg in den heimischen Betrieb. „Die Entscheidung, ob Studium oder Reiten war einfach“, erklärt er.
Schon Opa Werner Gießelmann hat die Pferde nicht nur als Arbeitstiere auf dem familieneigenen Bauernhof genutzt, auch er ist schon in den Sattel gestiegen und hat Turniere bestritten. Vater Heinrich Gießelmann hat den Bauernhof zwar noch mit Schweinezucht und Kartoffelanpflanzung übernommen, aber sich immer intensiver mit Pferden befasst. Als Jan-Dirk dann mit der Schule fertig war, wurde komplett auf Pferdezucht, -aufzucht und -ausbildung umgestellt. Heute sind rund 100 Pferde in Barver nahe Vechta zu Hause. Mit zwölf Stuten züchten die ‚Gießelmänner’, jedes Jahr werden außerdem einige Hengst- und vielleicht auch mal ein ganz besonderes Stutfohlen dazu gekauft. Ein Hauptstandbein ist die Aufzucht der Junghengste und ihre Vorbereitung zur Körung, ein anderes das Anreiten, Ausbilden und die Turniervorstellung der Reitpferde. Etwa 30 Pferde sind permanent unter dem Sattel. Der Schwerpunkt ist die Dressur. „Angefangen habe ich mit Ponys im Springen, aber seit der Juniorenzeit konzentriere ich mich ganz auf die Dressur“, erzählt der Juniorchef. „Irgendwann muss man sich entscheiden, wenn man den Sport auf hohem Niveau machen will.“
Tello war Gießelmanns erster Lehrmeister, ein pfiffiges Reitpony. „Er hat es mir nicht immer leicht gemacht“, schmunzelt der Träger des Goldenen Abzeichens heute. „Er war schon mal guckig und vor allen Dingen sehr schlau.“ Von ländlichen A-Dressur und –Springen haben sich die beiden bis zu L- und M-Platzierungen hochgearbeitet. Das erste Großpferd für Jan-Dirk Gießelmann war Platini. „Platini war damals fünf – den hatten wir eben noch so im Stall stehen…“ Auch Platini sei nicht ganz einfach gewesen, aber ihn hat er schon selbst bis zur schweren Klasse ausgebildet und seine ersten S-Siege mit ihm gefeiert. Jan-Dirk war 16 als er seine erste S-Dressur ritt und das gleich auf einem selbst Ausgebildeten.
Der Dressursport fasziniert den Hochgewachsenen: „Ich finde es immer wieder erstaunlich, was man zusammen mit Pferden erreichen kann, was man Pferden beibringen kann.“ Er liebt seinen Beruf auch wegen seiner Vielfältigkeit. „Die Pferdezucht, die Aufzucht, die Arbeit mit den jungen Pferden, das Dressurtraining – die ganze Bandbreite finde ich unheimlich abwechslungsreich.“ Ein besonderes Händchen hat Gießelmann in der Arbeit mit Youngstern. „Ich glaube, ich habe eine ganze Menge Gefühl, um mich in Pferde hineinzufühlen, gerade weil ich auch sehr viele junge Pferde reite.“ Nach kurzem Zögern ergänzt der Kaderreiter: „Manchmal ist es vielleicht sogar fast ein Nachteil, dass ich mich zu sehr einfühle. Beim Grand Prix-Sport muss man ja auch noch exakter reiten.“
Die Logik liegt auf der Hand: Seine reiterlichen Anfänge hatte der Ponyreiter Jan-Dirk mit seinem Vater als Trainer erlebt, danach hat er zusammen mit Wolfram Wittig, Hans-Heinrich Meyer zu Strohen und Rudolf Zeilinger trainiert. Seit 2011 wird er regelmäßig von Profitrainer Holga Finken unterstützt. Sein absoluter Star im Stall ist Real Dancer, der imposante Rubin Royal-Sohn. Jan-Dirk Gießelmann hat den Bewegungsdynamiker von Anfang an ausgebildet. Vier-, fünf- und sechsjährig waren sie bei den Bundeschampionaten am Start, fünfjährig auch bei den Weltmeisterschaften der jungen Dressurpferde. 2012 wurde Real Dancer Vierter beim Finale des Nürnberger Burg-Pokals. 2014 hatte er sich für das Finale des Louisdor-Preises für Nachwuchs-Grand Prix-Pferde qualifiziert, doch das Finale musste für ihn ausfallen. Sein Reiter hatte sich bei einem Reitunfall den Oberschenkel gebrochen. Ein halbes Jahr war Jan-Dirk Gießelmann nicht voll einsetzbar im Sattel. „Seitdem kann ich sehr gut einordnen, was es bedeutet, gesund zu sein.“ Im Wohnzimmer rumsitzen kam für den Pferdemann natürlich trotzdem nicht in Frage. „Ich habe in der Zeit sehr viel Unterricht gegeben“, erklärt er gelassen. 2015 stieg der Hannoveraner unter Gießelmann in den internationalen Grand Prix-Sport ein. Bei der Deutschen Meisterschaft 2016 überzeugte das Paar dermaßen, dass sie danach in den Bundeskader aufgenommen wurden. „Als mir die Bundestrainerin das vor der Kür bei der DM sagte, war ich schon stolz und vor allen Dingen habe ich mich riesig gefreut.“ Und wenn es mal nicht so klappt… „dann versuche ich nach der Prüfung rauszubekommen, woran es gelegen hat, blicke nach vorne und versuche, es das nächste Mal besser zu machen.“ Hadern passt nicht zu diesem Pferdesportler, der sich selbst als positiv denkend, nervenstark und ausgeglichen beschreibt – und genau so wirkt er auch im Sattel.