Lang 200pxGeb.: 6. März 1987
Wohnort: Karlsruhe
Beruf: Wirtschaftsingenieurin und Dressurausbilderin

Jenny Lang-Nobbe:

„Dressurreiten bedeutet für mich Abschalten. Da vergesse ich alles drumherum und bin mit meinem Pferd in einer eigenen Welt.“





Foto: Privat


Sie kann sich nicht mehr genau daran erinnern, ob sie als Baby hellblau statt rosa trug, aber heute interessiert sich Jenny Lang brennend für Autos und Elektromobilität. Sie studierte Wirtschaftsingenieurwesen am Karlsruher Institut für Technologie und wenn sie mal in das Leben eines anderen schnuppern dürfte, würde sie das eines Fußball-Profis wählen. „Ich würde gerne sehen, wie die so leben, wie der Tagesablauf von einem Top-Fußballer ist und wie luxuriös, die sich verhalten können.“ Keine Frage: Jenny Lang ist neugierig – neugierig auf das Leben, sie interessiert sich auch über den ‚Pferdetellerrand’ hinweg und sie lacht gerne. „Das passiert schon mal, dass man für dieselbe Lektion bei einer Prüfung eine 9 und eine 6 bekommt. Darüber kann ich mich aber nicht ärgern, ich lache dann lieber.“ Heute ist die diplomierte Wirtschaftsingenierin im elterlichen Autohaus unterstützend in der Geschäftsführung tätig und widmet sich den Rest des Tages der Ausbildung von Pferden.

Sieben Jahre hat Jenny leistungsmäßig geturnt, Ballett gemacht, Handball und Tennis gespielt. Im Winter gab es ein Ziel: ab in die Berge zum Skifahren. Ende des letzten Jahrtausends wendete sich das Blättchen. „Beim Turnen hatten wir einen Trainerwechsel. Bei dem neuen Trainer hat es mir nicht mehr so viel Spaß gemacht.“ Auf der Suche nach einer neuen Herausforderung begeleitete Jenny im Jahr 2000 eine Freundin zum Reiten. Schnell war sie begeistert. 2001 stand schon das erste eigene Pferd der Familie Lang im Stall: Ronaldo. „Meine Eltern Susanne und Michael haben mich sportlich immer alles ausprobieren lassen und mich auch beim Reiten von Anfang an voll unterstützt, obwohl sie selbst nie etwas mit Pferden zu tun hatten. Dafür bin ich ihnen äußerst dankbar!“
Mit Ronaldo machte Jenny ihr Reitabzeichen und ein paar kleinere Springprüfungen, aber dann stand für sie fest: Ich möchte Dressurreiten. „Dressur hat mich immer mehr fasziniert als das Springen. Ich finde, es ist eine höhere Herausforderung für den Reiter, seinem Pferd die schwierigsten Lektionen beizubringen und absolute Harmonie herzustellen. Der Springsport ist außerdem risikofreudiger und ich bin nicht so ein risikofreudiger Mensch.“ Mit Pony Charly und Riverman sammelte sie erste Erfahrungen bis zur Klasse L, dann kam 2005 Lorentin I-Sohn Loverboy. „Er ist mit seinen 1,62m eine kleine Diva, die zu überzeugen weiß. Er ist ein Tänzer, der sich präsentieren will, und viele Beobachter durch seine elastischen und ausdrucksvollen Bewegungen zu seinen Fans macht.“ Auf Loverboy ging Jenny Lang 2008 in ihrer ersten S-Dressur an den Start – und gewann! „Das war völlig überraschend. Mein damaliger Trainer Pieter van der Raadt hatte einfach gesagt, ich solle es mal probieren und dann kam gleich ein Sieg dabei heraus.“ Der erste S-Start – eine aufregende Angelegenheit… „Ja, aufregend schon, aber ich kann gut mit Aufregung umgehen, ich bin sehr nervenstark. Ich habe noch nie nervliche Probleme in einer Prüfung gehabt, weder beim Reiten, noch in der Schule oder im Studium.“
Zwei Jahre später verblüffte Jenny Lang die Dressurszene. Zusammen mit ihrer Dressurreiter-Kollegin Marion Engelen gewann die Baden-Württembergerin das Finale des Piaff-Förderpreises in Stuttgart. Es war die erste Grand Prix-Saison des Paares. „Loverboy ist ein Pferd mit großem Charakter, dem ich alles zu verdanken habe. Ohne ihn könnte ich beispielsweise vom Sieg im Piaff-Förderpreis nur träumen.“ 2011 machte das Paar einen weiteren Schritt nach vorne und wurde in die Perspektivgruppe Dressur berufen. Aber nach Platz zwei in der U25-Tour in Dortmund verletzte sich Loverboy am Huf und musste den Rest des Jahres pausieren. Inzwischen sind die beiden eine etablierte Größe im Grand Prix-Sport und vor allen Dingen als Kürspezialisten bekannt. Allein viermal in Folge gewannen sie die Grand Prix-Kür in Mannheim und blieben dabei stets ihrem Pink-Panther-Medley treu. Katrin Burger hat Loverboy mit Jenny Lang ausgesucht. Burger war es auch, die, zusammen mit Joachim Neubert, Jenny an den Reitsport herangeführt hatte – damals noch auf dem Gestüt Schlossäcker in Baden-Württemberg, bevor Burger nach Oldenburg ging. Mit der Trainerhilfe von Dennis Meschke schafften Jenny und Loverboy den Sprung von A nach M, Pieter van der Raadt förderte das Paar weiter bis zur Grand Prix-Reife. Jetzt fährt Lang so häufig wie möglich zum Bundestrainer der U25-Reiter, Jürgen Koschel, nach Hagen, um mit ihm zu trainieren. Und zwischendurch gibt es weiterhin hilfreiche Tipps von Dennis Meschke und Stallkollegin Isabelle Hermann, die sie schon beim Sieg des Piaff-Preises betreut haben.
Jennys jüngere Schwester Christin ist ebenfalls vom Dressurvirus infiziert und startet auch bis zur Klasse S. „Wir helfen uns viel gegenseitig, vor allen Dingen auf den Turnieren. Sie bremst mich auch, wenn ich manchmal alles zu genau und akribisch mache“, gesteht Jenny lachend.  Das passt – schon in der Schule war Jenny ein Mathe-Ass und bekam beim Abitur einen Extra-Preis für Mathematik.
Jenny Lang ist zielstrebig und eindeutig vom realistischen, völlig unabgehobenen Typ. Sie mag Gesellschaft, geht gerne aus oder ins Kino und „ewig alleine darum joggen“ findet sie langweilig. Und wenn sie sich je eine Auszeit von Studium, den Pferden und Freunden gönnen möchte, dann würde sie am liebsten ‚in die Wildnis’ gehen und ein paar wilde Tiere beobachten – ohne Pferde, ohne Auto und ohne Elektromobilität.