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Geb.: 14. Oktober 1994
Wohnort: Bad Homburg
Beruf: Student

 

Sönke Rothenberger:

„Ich sehe die Dinge gerne nicht so ernst.“
 
 

 

Foto: Bärbel Schnell

 

In den Augen seiner Schwester Semmieke hat er zu Hause eine klare Rolle übernommen: „Sönke ist für den Spaß zuständig“, erklärt die Mannschafts-Europameisterin der Pony-Dressurreiter. Er selbst schwächt das Bild gerne etwas ab. „Ich bin kein Clown“, erklärt Sönke und formuliert neu: „Ich sehe die Dinge gerne nicht so ernst.“ Überhaupt sei er eher der gelassene Typ. Und ziemlich spontan, beim Reiten… „Ich reagiere sehr aus dem Bauch heraus, nicht so technisch.“ …und auch sonst im Leben. „Neulich hat mich mein bester Freund gefragt, ob wir nicht mal wieder Frikandellen essen wollen. Also haben wir uns ins Auto gesetzt, sind nach Holland gefahren und haben so richtig typisch niederländisch gegessen.“
Für Sönke Rothenberger war das wie ‚von Zuhause nach Hause’ fahren. Seine Mutter Gonnelien ist Niederländerin, sein Vater Sven wechselte 1994 seine Nationalität und ging im Dressursport fortan ebenfalls für die Niederlande an den Start. Sönke spricht beide Sprachen – deutsch und niederländisch – und hat zwei Pässe. „Ich fühle mich tatsächlich auch halb deutsch und halb niederländisch, obwohl ich in Deutschland lebe. Aber beim Fußball beispielsweise schlägt mein Herz für die Niederländer. Erst wenn die Niederländer aus einem Turnier rausgeflogen sein sollte, dann drücke ich den Deutschen die Daumen.“
 
Beim Training zu Hause wird er sowohl von seiner Mutter als auch von seinem Vater unterstützt. Gemeinsam gewannen die beiden 1996 in Atlanta Olympisches Silber mit dem niederländischen Team. „Das ist natürlich sehr praktisch“, grinst er. „Es ist immer jemand da, den ich fragen kann, wenn ich Hilfe brauche.“ Zwei Olympiareiter als Trainer – das hilft, aber trotzdem hat Sönke seine eigene Philosophie: „Wenn mal etwas beim Reiten nicht klappt, dann mache ich es noch mal und wenn es dann etwas besser ist, lasse ich es gut sein. Andere machen es dann noch mal und noch mal. Aber vielleicht klappt es genau so am besten bei mir…?“ Und genau so hat er Favourit auf seine Seite gebracht. Favourit ist sein Kader-Partner in der Dressur, den er im Frühjahr 2014 von seiner Schwester Sanneke übernommen hat. Im September 2014 ritt er seinen ersten Grand Prix. 19 Jahre war er zu der Zeit, katapultierte sich sofort in das Interesse der Bundestrainer, durfte direkt in der kommenden Saison bei Weltcup-Turnieren starten und wurde im Dezember, also etwa drei Monate nach seinem ersten Grand Prix-Start, bereits in den Kader berufen. „Favourit und ich sind ein gutes Team. Das Gesamtkonzept Sönke-Favourit stimmte. Das Lockere von ihm und das Spontane von mir – das passt.“ Noch besser passt Cosmo! 2011 kam der Van Gogh-Sohn in den Stall der Familie, direkt vom Züchter. Eigentlich sollte der Bewegungstänzer ein Nachwuchspferd für Sönkes Schwester werden, aber sechsjährig stieg Sönke in den Sattel des Energiebündels. Schon ein Jahr später wurde das Paar Mannschafts-Europameister mit den Jungen Reitern. 2016 gehörten die beiden zum olympischen Gold-Team in Rio und Sönke strahlte: "Jetzt weiß die ganze Welt, was für ein tolles Pferd ich habe!" Ein Jahr später sicherte dieses tolle Pferd seinem Reiter neben EM-Gold mit der Mannschaft in Götebogr, die ersten beiden Einzeltitel. Sönke Rothenberger und Cosmo wuchsen über sich hinaus und wurden sowohl im Special als auch in der Kür Vize-Europameister. In der Kür war das Ergebnis denkbar knapp: Um ein Haar wäre es sogar fast Gold geworden. Stolz hielt der Team-Youngster das Kür-Silber in der Hand und erklärte: "Sie können das nicht sehen, aber von Nahem sieht man, dass es Silber mit einem Goldrand ist."

Bei allem Spaß und aller Spontanität ist Sönke trotzdem zielstrebig. „Ich spreche nicht so viel darüber, aber im Kopf habe ich sowohl sportlich als auch privat ziemlich genau meine Ziele vor Augen.“ Reiten nur als Hobby zu betreiben kommt für ihn nicht in Frage. „Ich brauche den Kitzel, den Wettkampf. Das liegt mir.“
 
Pferde sind Teil des Familienlebens bei den Rothenbergers und „Pferde werden immer Teil meines Lebens sein“, betont Sönke. Aber beruflich hat er andere Pläne, studiert seit Herbst 2013 International Business Administration an der Frankfurt School of Finance and Management und hat seinen Vater als Vorbild: „Mein Vater ist in punkto Beruf mein Vorbild: Ich finde das toll, was er im Job leistet, das würde ich auch gerne.“
Als Sönke klein war, wollte er eigentlich Springen reiten, landete aber zunächst mit großen Erfolgen im Dressursattel. Dreimal war er bei den Europameisterschaften der Pony-Dressurreiter dabei und kam mit sechs Medaillen nach Hause: Dreimal Mannschaftsgold und je einmal Gold, Silber und Bronze in der Einzelwertung. Sein Medaillenpony war Deinhard B, mit dem vier Jahre später seine Schwester Semmieke ebenfalls Europameisterin wurde. Mit 16 wechselte Sönke dann doch in den Springsattel, konnte sich bei kniffligen Fragen immer an seinen Onkel, den internationalen niederländischen Springreiter Yves Houtackers, wenden und hatte auch dort Erfolg. Mit Liza Minelli wurde er beispielsweise Hessischer Juniorenmeister im Jahr 2012 und ging ein Jahr später bei den Deutschen Meisterschaften der Jungen Reitern an den Start. Inzwischen sitzt er parallel in beiden Sätteln und reitet in beiden Disziplinen bis zur schweren Klasse. „Springen und Dressur – eigentlich liegt mir beides gleichermaßen am Herzen. Ob der Start bei einem Weltcup-Dressurturnier oder ein 1,50-Meter-Springen, das gibt einem denselben Kick.“
Apropos Kick – an Fußball hatte Sönke nie das ganz große Interesse, aber Sönke ist begeisterter Ski- und Snowboardfahrer. Eine rasante Abfahrt im Pulverschnee kommt für ihn fast einem Weltcup-Start nahe – aber eben nur fast.