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Lütkemeier privat 200pxGeb.: 28. Oktober 1989
Wohnort: Paderborn
Beruf: Studentin an der International Business School in Lippstadt

Fabienne Lütkemeier:

„Nervös bin ich beim Reiten eigentlich nie. Das war ich nur bei der Führerschein-Prüfung.“





Foto: Privat



Sie ist die Tochter von Gina Capellmann-Lütkemeier, Mannschafts-Weltmeisterin von 1986, die Nichte von Nadine Capellmann, Doppel-Weltmeisterin von 2002, und die Enkelin von Kurt Capellmann, langjähriger Präsident des Aachen-Laurensberger Rennvereins und internationaler Grand Prix Reiter. Erfolge per Familientradition – das kann stressen. „Nö, mich überhaupt nicht. Im Gegenteil, ich bin stolz auf meine Familie und außerdem ergeben sich daraus für mich ja auch tolle Möglichkeiten.“ Und Fabienne Lütkemeier weiß diese Möglichkeiten zu nutzen. Von drei EM-Starts brachte sie bisher neun Medaillen nach Hause: 2007 bei der EM der Junioren in Nußloch Mannschaftsgold und zwei Silbermedaillen in der Einzelwertung, 2009 bei der Jungen Reiter EM in Ermelo/NED Mannschaftssilber, Einzelsilber und Einzelgold in der Kür und 2010 in Kronberg drei Goldmedaillen! 2012 legten Fabienne Lütkemeier und D'Agostino im 'Seniorenlager' vor. Sie waren die Reservisten für die Olympischen Spiele in London. Ihre Berufung in den Championatskader war nur noch Formsache.
Bevor Fabienne laufen konnte, saß sie schon hoch zu Ross vor dem Sattel ihrer Mutter und genoss es. Die ‚Möglichkeit’ zu Anfang ihrer reitsportlichen Karriere hieß Karo und war ein Shettypony, ein Geschenk ihrer Tante Nadine. Mit drei Jahren startete Fabienne auf Ponyhengst Karo schon in Führzügelwettbewerben. Aber Karo entpuppte sich als zunehmend freches und buckelfreudiges Wesen. „Von dem Pony bin ich wirklich dauernd runtergeflogen.“ Als Karo zu frech wurde, wurde er verkauft und Winnie trat in seine Fußstapfen. „Winnie war ein Ponywallach vom Nachbarhof. Er hat wirklich alles mit mir gemacht.“ Mit ihm wurde gespielt, gesprungen und auch ein bisschen Dressur geritten. „Aber Dressur wollte er nicht wirklich.“ Er nicht, aber sie! Als Teenie eröffnete Fabienne ihrer Mutter: „Ich möchte noch mit 14 meine erste S-Dressur reiten.“ Es war das Jahr 2004. Im Februar ging ‚Fabi’, wie sie überall genannt wird, mit Weltsi in ihrer ersten L-Dressur an den Start, im September ritt sie zum ersten Mal zu einer S-Dressurprüfung ins Viereck. Einen Monat vor ihrem 15. Geburtstag. 2006 übernahm sie das ehemalige Grand Prix-Pferd ihrer Tante, Bouton. Mit dem Borneo-Sohn gewann sie beide Sichtungen zum Preis der Besten, wurde beim Preis der Besten selbst und bei der EM-Sichtung Zweite und gehörte damit zum EM-Junioren-Team. Parallel dazu setzte sie erneut ein gesetztes Ziel in die Tat um: Den ersten Grand Prix vor dem 18. Geburtstag! Das gelang der Zielstrebigen im Sattel von Amando, einem der Grand Prix-Erfolgspferde ihrer Mutter. Mit ihm ist sie auch zum ersten Mal in der Stuttgarter Schleyerhalle am Start gewesen, im Piaff-Förderpreis. „Das war ein Hammer, ein absolutes Highlight.“
Den nächsten Kick bekam Fabis Karriere Ende 2008 mit dem Kauf von D’Agostino. Der De Niro-Sohn war damals acht und noch Hengst – gar nicht zur Begeisterung von Mutter und Trainerin Gina Capellmann. „Aber für mich war es Liebe auf den ersten Blick“, erklärt Fabienne. D’Agostino wurde gekauft, kastriert und acht Monate später gehörte das Paar zum deutschen Junge Reiter-EM-Team. Das Ergebnis: drei Medaillen – zweimal Silber und Gold in der Kür. Im Dezember in Frankfurt hatte Fabienne Lütkemeier die Wahl: Entweder beim Weltcup-Finale der jungen Dressurreiter starten oder beim Finale des Nürnberger Burg-Pokals. Sie hat sich für den Burg-Pokal entschieden, denn ihr Ziel war immer der große Grand Prix-Sport und so wollte sie sich beim Burg-Pokal schon mal ihren Konkurrenten von morgen stellen. Platz zwei – ein herausragendes Ergebnis! 2010 räumte das Paar alles ab: Dreimal Gold bei der EM der Jungen Reiter in Kronberg und zuvor hatten die beiden bei der EM-Sichtung in Wiesbaden einen neuen Weltrekord aufgestellt: Mit 81,35 Prozent gewannen sie die Kür-Prüfung. Was für ein Jahr! „Manchmal habe ich fast Angst bekommen, denn ich weiß ja auch, wie schnell alles wieder vorbei sein kann“, erklärte Fabienne nach dem Welt-Erfolg. Fast nebenher bildet die Studentin zurzeit auch ihr erstes Pferd selbst aus: Sole Mio. Vierjährig bekam Fabienne die Rappstute unter den Sattel und erinnert sich noch genau „als Sole Mio ihren ersten Wechsel sprang. Das war ein klasse Gefühl!“ 2012 ging es hocherfolgreich im Lager der Senioren weiter. Fabienne und D'Agostino wurde zum Reservepaar bei den Olympischen Spielen in London und 2013 schon war es tatsächlich so weit: Die beiden waren im Team bei der Europameisterschaft im dänischen Herning und holten Teamgold! Ein Jahr später standen die Weltreiterspiele in der Normandy an. Zwei Tage vor Abfahrt verletzte sich Totilas von Matthias Rath und das erste Reservepaar rutschte ins Team: Fabienne und D'Agostino. Als allererste Starterin der WEG überhaupt eröffnete sie als deutsche Wegbereiterin den Grand Prix und legte den Grundstein für souveränes Mannschaftsgold!

2017 – Mit Fabregaz wird ein zweites Pferd von Fabienne Lütkemeier in den A-Kader berufen.


Weit gefehlt, wer Fabienne Lütkemeier für ein reines Dressurtalent hält. Nur so zum Spaß hat sie zu Hause auch noch ein Springpferd, Le Gris. „Ich mag Springen gerne und mache mit Le Gris immer mal zwischendurch ein paar Sprünge.“ Und dann gesteht sie lächelnd: „Ich hatte mal den Traum, in beiden Disziplinen S zu reiten. Wenn ich nach dem Studium wieder mehr Zeit habe, vielleicht fasse ich das dann noch mal ins Auge.“ Wenn sich die junge Dame etwas in den Kopf gesetzt hat, zieht sie es meistens auch durch. Ein Grund, warum ihre Mutter sie gerne kleiner westfälischer Dickschädel nennt. Es wäre also nicht verwunderlich, wenn der Turniersprecher demnächst in einer Springprüfung der Klasse S den Namen Fabienne Lütkemeier ansagt…