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A.Balkenhol SjoertPegge 200pxGeb.: 8. April 1972
Wohnort: Rosendahl
Beruf: Profireiterin und -ausbilderin

Anabel Balkenhol:

„Ich mache das, was ich mache, wirklich gerne und es ist das, was ich von klein auf gelernt habe.“





Foto: Sjoert Pegge



Die Ponyzeit hat Anabel Balkenhol übersprungen – aus zwei Gründen: Einerseits war da Pony Pünktchen, das sie bekommen hat als sie fünf Jahre alt war. Aber Pünktchen hat alle runter geworfen, auch die Erwachsenen. Und dann war da Vater Klaus Balkenhol: „Mein Vater hat immer gesagt, dass man auf den Ponys nicht das richtige Gefühl bekommt“, erklärt Anabel.
„Anlehnung, Grundschwung, Takt – das alles muss man fühlen, um eine gute Einwirkung zu bekommen und er war immer der Meinung, dass man das auf Großpferden besser fühlt.“ So saß Anabel schon mit acht Jahren auf einem Großpferd, auf Eichkater. „Das ist das Pferd, auf dem ich gelernt habe – von der Reitprüfung bis zur S-Dressur.“ Ausgebildet hatte Eichkater Mutter Judith Balkenhol, die Anabel auch die ersten Jahre unterrichtete. Erst als Anabel schon ein Teenie war, nahm sich Klaus Balkenhol dem Training seiner Tochter an.

Eichkater war das Juniorenpferd für Anabel Balkenhol, aber er hatte seine sportlichen Grenzen. „Also hat mein Vater zu mir gesagt, wenn ich weiter kommen will, muss ich Eichkater verkaufen. Denn zwei Pferde – das war nicht drin.“ Die Tränen liefen, aber nach vielen Diskussionen war Anabel überzeugt: Eichkater wurde verkauft und Laudatio zog ein. Anabel war damals 18, Laudatio war fünf. Mit ihm hat Anabel Balkenhol ihre Junge Reiter-Zeit erlebt, wurde in den Kader berufen und ritt bei der Deutschen Meisterschaft mit. „Aber mein Vater hat auch von Anfang an betont, dass die Junge Reiter-Zeit nicht ewig ist und dass es wichtig ist, dass man frühzeitig das Gefühl für Piaffe und Passage bekommt. Und beides konnte Laudatio sehr gut.“ So sammelte Anabel früh erste Grand Prix-Erfahrungen und –Erfolge.

Parallel zu der Zeit mit Laudatio machte Anabel Abitur und begann 1993 ein Studium der Sonderpädagogik in Köln. „Das Studium hat mir Spaß gemacht. Ich mag Kinder und Kinder mögen mich. Aber ich war ehrlicherweise mehr bei den Pferden als in der Uni und irgendwann haben meine Eltern mich mal gefragt, wie es eigentlich weiter gehen soll.“ Zur selben Zeit übernahmen die Eltern den Hof in Rosendahl, auf dem die Familie noch heute ihren Betrieb führt. „Also habe ich mir überlegt, dass ein bisschen kaufmännisches Wissen nicht schaden kann und habe eine Lehre bei der Deutschen Reiterlichen Vereinigung als Bürokauffrau gemacht.“ Zwei Pferde durfte sie damals mitnehmen an das DOKR, die sie täglich nach der Arbeit ritt, aber für Turniere blieb nicht viel Zeit. 1999 machte sie ihren Abschluss als Bürokauffrau. „Und dann bin ich zwei Jahre mehr oder weniger zwischen Deutschland und den USA hin und her gependelt. Ein Freund von mir hatte einen Dressur-Ausbildungsstall in den USA. Ihm habe ich ein bisschen geholfen, mit Unterricht gegeben und ab und zu seine Pferde mit geritten.“ Dieser Freund war Günter Seidel, der dreimal für die USA bei Olympischen Spielen am Start war. Ende 2001 fielen die Würfel: Anabel Balkenhol ging zurück nach Rosendahl und beschloss, im Betrieb ihrer Eltern mit zu arbeiten. Seit 2007 ist sie dort selbstständig tätig – auch wenn die Arbeit von Eltern und Tochter weiter Hand in Hand geht.

Es war der Start nach einem schweren Jahr: 2006 hat Anabel Balkenhol zwei Grand Prix-Pferde verloren. Little-Big-Man starb an Magenkrebs und Don’t forget stand nach dem Tod des Besitzers nicht mehr zur Verfügung. Ersatz fand Balkenhol in dem Rubinstein-I-Sohn Rubins Royal und der Ehrentusch-Tochter Easy, mit denen sie ab 2007 ihre ersten internationalen Erfolge feierte und ihre ersten Nationenpreise für Deutschland bestritt. Mit Rubins Royal wurde sie Ende 2008 in den B-2-Kader berufen. Dann kam Dablino! Sechsjährig hat Klaus Balkenhol Dablino in Bad Salzuflen entdeckt. Holga Finken stellte den De Niro-Sohn 2006 bei der WM der jungen Dressurpferde vor und wurde Fünfter. Seither wird Dablino von Anabel Balkenhol geritten. „Ich hatte sofort das Gefühl: Das ist mein Pferd!“ Aber Dablino fehlte das Vertrauen, er drehte im Viereck ab – aus Angst – oder ging gar nicht erst hinein. Balkenhols holten sich Rat bei Pferdepsychologin Ulrike Thiel und bei Gentle Touch-Ausbilder Peter Kreienberg. In erster Linie ging es immer wieder um Vertrauen. Mutter Judith Balkenhol verbrachte viele Stunden mit dem großen Fuchs im Roundpen, um ihm seine Unsicherheit zu nehmen. Die Erfolge kamen: Sieg in der Serie für Nachwuchs-Grand Prix-Pferde 2009, Auszeichnung mit dem Otto-Lörke-Preis, 2010 Sieg im Grand Prix bei der Deutschen Meisterschaft, Berufung ins Championatsteam, Mannschafts-Bronze bei der WM in Kentucky 2010. Auch 2011 wurden die beiden in Richtung Championat, Europameisterschaft, aufgebaut, aber beim CHIO Aachen vertrat sich Dablino und pausierte für den Rest des Jahres. Behutsam wieder aufgebaut startete er in die Saison 2012. Trotzdem konnte Balkenhol auch im EM-Jahr 2011 schöne Erfolge feiern. Beim Deutschen Dressur-Derby in Hamburg ging sie erstmals an den Start, wurde auf Anhieb Zweite und ihr Rubins Royal wurde als bestes Pferd des Derbys ausgezeichnet. Zudem hat sie sich vermehrt um die Ausbildung ihrer Westfalenstute Winci gekümmert und konnte auch mit ihr schon Siege in Grand Prix-Prüfungen feiern. 2012 – das Jahr der Olympischen Spiele in London und Anabel Balkenhol gehörte auf Dablino als Einzelreiterin dazu. 70,973 Prozent im olympischen Grand Prix und 73,032 Prozent im Special waren ihr olympisches Ergebnis.

2017 – mit dem Trakehner Hengst Heuberger TSF wird ein zweites Pferd von Anabel Balkenhol in den A-Kader berufen.
Balkenhol – ein Name, der Erfolg verspricht und erwartet? „Ich habe das nie so empfunden, dass man mich wegen meines Namens unter Druck gesetzt hat. Vielleicht wäre es manchmal einfacher, wenn man Schmitz oder Müller heißt. Aber ich habe durch meinen Vater doch in erster Linie Vorteile, weil ich von ihm unheimlich viel gelernt habe.“ Anabel Balkenhol liebt ihr Leben mit und für die Pferde, aber sie betont auch: „Ich bin der Meinung, dass man ein geregeltes Maß an Ausgleich braucht. Man muss auch mal in Urlaub fahren und mal mit Freunden ausgehen.“ Fast am liebsten sind ihr dabei Freunde, die nichts mit Pferden zu tun haben. „Dann merkt man mal wieder, dass man nicht der Nabel der Welt ist und Pferde nicht das Wichtigste im Leben sind.“

www.balkenhol.org