H.Langehanenberg privat 200pxGeb.: 21. Mai 1982
Wohnort: Billerbeck
Beruf: Profireiterin

Helen Langehanenberg:

„Ich würde gerne mal eine Wanderung durch den Regenwald machen, aber ein bisschen mulmig wäre mir dabei schon.“





Foto: Privat

Helen Langehanenberg kann ihre Ausbildung bei Ingrid Klimke nicht verleugnen. Sie prägt derselbe harmonische, einfühlsame Stil. 2001 hat Helen nach dem Abitur bei Ingrid Klimke ihre Bereiterlehre begonnen und 2003 mit Stensbeck-Auszeichnung abgeschlossen.
Vielleicht wäre Helen auch Springreiterin geworden, wenn da nicht Flummi gewesen wäre. Flummi war das erste Pony von Helen. „Eigentlich hatten es mir meine Eltern geschenkt zum Pony und Indianer spielen oder ohne Sattel reiten.“  Aber Helen war ehrgeizig, Flummi auch. Helen wollte springen, Flummi nicht. „Flummi konnte gut springen, aber er war einfach zu guckig. Da bin ich so oft runtergefallen bis ich Angst bekommen habe.“ Also wurde in den Dressursattel gewechselt. Bis zur westfälischen und Deutschen Ponymeisterschaft haben sich die beiden durchgekämpft. Mit 16 Jahren bekam Helen Princeton L. Mit Hilfe von Ingrid Klimke machte sie aus dem Prince Thatch-Sohn ein Grand Prix-Pferd. „Oft haben die Leute zu mir gesagt: Der ist doch mit M ausgereizt, aber das hat mich erst recht angespornt.“ Schon als Helen noch bei Ingrid Klimke ritt, fuhren die beiden ab und zu zu Klaus Balkenhol zum Training. „Er hat eine Art Pferde auszubilden – die finde ich einfach super toll: konsequent, präzise und trotzdem mit unglaublicher Leichtigkeit und Sensibilität.“ Auch heute noch lädt sie regelmäßig ihre Pferde auf und tritt die 30-minütige Fahrt nach Rosendahl an.

Schon im Winter 2003 hatten sich die beiden Dressurausbilder Helen Langehanenberg und Sebastian Heinze auf der Reitanlage Westrup in der Nähe von Münster selbstständig gemacht. 2008 haben sie geheiratet. Im Sommer 2013 sind sie auf ihre Anlage nach Billerbeck umgezogen und haben dort gemeinsam Pferde ausgebildet und trainiert. Inzwischen geht das Paar getrennte Wege. Heinze wurde 2017 zum Bundestrainer der U25-Reiter benannt und Langehanenberg managt den Betrieb in Billerbeck mit der Unterstützung ihres neuen Partners, Dr. David Lichtenberg.


Den totalen Durchbruch hat Helen Langehanenberg 2007 gefeiert. Am 1. September ritt sie bei den Bundeschampionaten in Warendorf gleich drei Pferde zum Titel: Was für ein Tag! In der Wintersaison gelang ihr dann mit Responsible der Durchbruch bis zum Grand Prix Spezial, die Berufung in den A-Kader folgte ebenso wie die Reserveberufung für die olympischen Spiele 2008. „Das war ein Tempo, das sogar mir den Atem verschlagen hat“, gesteht sie und lacht ihr typisches Helen-Lachen. Vier Jahre später war sie noch einen Schritt weiter: Mit Damon Hill, den sie 2010 von Ingrid Klimke übernommen hat, gehörte sie 2011 zum EM-Team in Rotterdam, Mannschaftssilber, wurde 2012 Deutsche Meisterin und war 2012 Mitglied des olympischen Damentrios. "Ich bin super happy und super stolz", schwärmte sie nach ihren olympischen Auftritten. "Wenn mir vor den Spielen einer gesagt hätte, dass ich Mannschaftssilber hole und so knapp an Bronze liege, dann hätte ich ihn abgeknutscht." Es waren sage und schreibe 0,036 Prozent, die Langehanenberg und Damon Hill von einer Medaille trennten. 2013 war es so weit: Die ersten Einzelerfolge wurden gefeiert. In Göteborg siegte Helen Langehanenberg mit Damon Hill beim Weltcup-Finale, im dänischen Herning sicherte das Paar mit sensationellem Ritt Teamgold für Deutschland und nahm zweimal Silber in den Einzelwettkämpfen entgegen. Ein Jahr später feierten die beiden ebenfalls Teamgold und zweimal Einzelsilber – dieses Mal bei den Weltreiterspielen in der Normandie. "Diese Leichtigkeit und die Selbstverständlichkeit, mit der Dami vor allem die dritte Prüfung in Caen gezeigt hat… Ich bin überwältigt von ihm! Er ist der Beste!"

Nach Caen kommt der Umbruch im Leben von Helen Langehanenberg. Damon Hills und ihre Wege trennen sich, Dami geht zurück zu seinen Besitzern. Hinzu kommt die Trennung von Sebastian. Mit einem neuen Mann an ihrer Seite, dem Tierarzt Dr. David Lichtenberg, startet Helen neu durch. Im November 2015 kommt ihre gemeinsame Tochter zur Welt. Auch sportlich öffnen sich neue Türen: Im Februar bekommt sie den Grand Prix-Hengst Damsey FRH unter den Sattel, der vorher von Steffen Frahm geritten wurde. Nach den Deutschen Meisterschaften 2017 ist es so weit: Helen Langehanenberg wird zurück in den A-Kader berufen, nicht nur mit Damsey, sondern auch mit ihrem imposanten Nachwuchspferd Suppenkasper, den sie jedoch weniger Wochen später an Steffen Peters in die USA verkauft. Damsey und Helen wuchsen immer besser zusammen. Im August 2017 ritten sie sich in das deutsche Team für die Europameisterschaften in Göteborg – und gewannen Teamgold!
Ja, der Alltag ist anstrengend, trotzdem lässt es sich Helen nicht nehmen, allabendlich wenigstens ein paar Seiten zu lesen: „Am liebsten lese ich historische Romane, die Päpstin zum Beispiel. Da habe ich die ganze Nacht durchgelesen, weil es so spannend war.“ Gerne geht sie auch ins Theater oder Konzert, aber die Gelegenheit ist selten. Doch im Frühjahr 2008 hat sie sich einmal die Zeit gestohlen und einen Zirkusbesuch gemacht bei Circus Roncalli. Gaststars waren einige Mitglieder der Kelly-Family. „Da kam mir spontan die Idee, die mal anzusprechen.“ Helen brauchte dringend eine Kürmusik. Kathy Kelly war gerade nicht voll ausgebucht und zudem begeisterter Pferdefan. Also hat sie kurz entschlossen in Zusammenarbeit mit Michael Erdmann die Kürmusik für Helen gemacht. „Das hat mich wirklich beeindruckt, dieses Engagement, und sie hat keinen Cent dafür verlangt.“ Seitdem halten Helen Langehanenberg und Kathy Kelly lockeren Kontakt und beim CHIO Aachen war Kathy auch dabei und hat ‚ihre’ Kürmusik live erlebt.
Aachen – das war schon ein besonderes Erlebnis. „Ich war vorher noch nie in Aachen, auch nicht als Zuschauerin. Es war einfach etwas ganz Tolles, in dieses Stadion einzureiten“, schwärmt sie. Aufgeregt sei sie nicht wirklich gewesen. „Früher war ich manchmal ziemlich nervös vor Prüfungen, aber dann habe ich gemerkt, dass ich mir damit nur selbst im Weg stehe. Also habe ich mir angewöhnt, sofort an etwas anderes zu denken, wenn sich in meinem Kopf mal wieder alles nur um den nächsten Start gedreht hat. Zuerst war das so eine Art ‚Kampf im Kopf’, aber inzwischen klappt das gut.“
Ehrgeizig, zielstrebig, optimistisch – Helen nickt. Fröhlich und friedliebend – sie nickt wieder. An Kochrezepten und Mode interessiert – sie lacht und schüttelt den Kopf: „Beim Kochen geht mir ziemlich oft etwas in die Hose“, gesteht sie. „Und diese modischen Trends stören mich sowieso, wenn dann alle plötzlich gleich aussehen. Ich laufe nicht jedem Schrei hinterher – die meisten bekomme ich noch nicht einmal wirklich mit.“

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