K.Sprehe Beelitz 200pxGeb.: 28. Oktober 1986
Wohnort: Oldenburg
Beruf: BWL-Studentin
 
Kristina Bröring-Sprehe:

„Wenn bei mir am ersten Hindernis die Stange fallen würde, dann hätte ich schon keine Lust mehr.“





Foto: Beelitz



Man müsste mal die Sprachwissenschaftler fragen, aber der Name Sprehe muss eigentlich im Ursprung irgendetwas mit dem Wort Pferd zu tun haben. Schon Opa Sprehe hatte eine eigene Pferdezucht – und er hat sieben Kinder gezeugt. Sechs Brüder und eine Schwester und vier der sechs Brüder haben reitende Kinder. Kein Wunder, dass man überall auf ‚Sprehes’ stößt: in der Zucht, im Parcours und im Viereck.
Gerade im Viereck sorgt zur Zeit ein Mitglied des Sprehe-Clans für Schlagzeilen: Kristina Sprehe. Seit Mai 2010 gehört sie zur Perspektivgruppe sowie zum B2 Bundeskader Dressur – der vorläufige Höhepunkt einer besonderen Karriere.
Kaum eine junge Reiterin ist so konsequent vom Pony- bis zum Grand Prix-Sport die Erfolgsleiter nach oben geklettert wie Kristina Sprehe. Schon 2002 gehörte Kristina zum Gold-Team der Pony-Dressurreiter bei der Europameisterschaft. 2003 und 2004 gewann sie EM-Silber und -Gold mit den Junioren sowie jeweils Einzelbronze. 2006 und 2007 war sie Mitglied der Junge Reiter-Equipe: Mannschaftsgold, Mannschaftssilber, Einzelsilber und Einzelbronze war die „Ausbeute“. 2007 saß sie dabei schon im Sattel ihres Erfolgspferdes Royal Flash, mit dem sie auch in Stuttgart 2009 ihren Sieg im Finale des Piaff-Förderpreises feierte. Ende 2010 hat sie den De Niro-Sohn Desperados von Falk Rosenbauer übernommen. Mit ihm hat sie 2011 ihren Sieg im Piaff-Preis wiederholt und mit ihm hat sie den Sprung ganz nach vorne geschafft: in den Championatskader. „Desperados Stärke sind seine Grundgangarten, er ist immer motiviert und in der Prüfung gelassen", schwärmt Sprehe. „Mir haben viele nicht zugetraut, dass ich ihn reiten kann – auch weil es ein Hengst ist. Ich musste ihn erst mal auf meine Seite bringen. Ich habe ihn komplett umgestellt und das hat mit Hilfe meines Trainers Jürgen Koschel gut geklappt." So gut, dass die Beiden im August 2012 zur Silber-Equipe bei den Olympischen Spielen in London gehörten. In der Einzelwertung, erstmals ausschließlich durch die Kür entschieden, erreichten sie Platz acht und Trainer Koschel lobte: "Tina hat alles auf den Punkt geritten!" 2013 waren sie Mitglied der Gold-Equipe bei den Europameisterschaften im dänischen Herning. Und 2014 war es so weit: Kristina und Desperados gewannen ihre erste Einzel-Medaille! Bei den Weltreiterspielen in der Normandie siegten sie zunächst mit dem Team souverän und sicherte sich Mannschaftsgold. Im Grand Prix Special wurde das Paar nach knappem 'Rennen' mit 79,762 Prozent Dritter – WM-Einzelbronze! "Ich hatte immer nur bis zur Mannschaftsmedaille gedacht", strahlte Kristina, "ich hätte nie mit einer Einzelmedaille gerechnet!" Ein Jahr später, bei den Europameisterschaften im eigenen Land, in Aachen, hatte sie sich so schon auf einen Favoritenplatz bei der Medaillenvergabe geritten und hat es geschafft. Neben Teambronze, was insgesamt etwas enttäuschend verlaufen war, holte sie sich zweimal Silber hinter Charlotte Dujardin und Valegro. In der Kür, bei der sie ihre ganze gewachsene Harmonie mit Desperados voll ausspielen konnte, war es sogar verdammt knapp an Gold vorbei. Mit ihrem persönlichen Bestergebnis von 88,804 Prozent blieb sie nur 0,25 % hinter der Siegerin. „Das war die beste Kür, die ich je geritten habe“, erklärte die 29-Jährige überglücklich. „Desperados war unglaublich und in dieser Atmosphäre hier in Aachen zu reiten – das war fantastisch!“ Fantastisch war der Sommer 2015 für Kristina auf zweierlei Weise – neben dem sportlichen Erfolg heiratete sie ihren langjährigen Lebenspartner Christian Bröring und startete fortan unter dem Namen 'Bröring-Sprehe'. Herzlichen Glückwunsch!

Erstmals startete sie 2016 mit ihrem neuen Namen bei einem Championat – oder noch besser und genauer – bei Olympischen Spielen. In Rio präsentierte sich das Paar Kristina-Desperados in gewohnter Harmonie, trug vehement zu Mannschaftgold bei und gewann die Bronzemedaille in der Einzelwertung.
Eine steile Karriere, die eingeleitet wurde von Shetty-Hengst Maxi, den Vater Paul Sprehe für seine vierjährigen Zwillinge Tanja und Kristina gekauft hatte. Aber Maxi war nicht nur Shetty und Hengst, sondern auch sehr frech und nachdem er Vater Paul gebissen hatte, wurde er verkauft. Hansi folgte, auf dem die Zwillinge gerne auch zu zweit „herum jucksten“ und Spaß hatten. Nach Hansi wurde es ernster. Tanja tendierte mehr zum Springen, Kristina zur Dressur. „Meine Schwester hatte nie einen besonders guten Sitz…, erklärt Kristina. „So kam das, dass ich Dressur geritten bin und sie Springen.“ Beide mit Erfolg! Nach Hansi bekam Kristina ein Pony von ihrem Onkel Albert Sprehe. „Mit King habe ich dann meine ersten Reiterprüfungen und E- und A-Dressuren geritten. Und von ihm habe ich öfter mal einen Abgang gemacht und das Wieder-Aufsteigen gelernt.“ So richtig geklickt hat es mit Pony Nathan. „Den habe ich als Vierjährigen von Jörne bekommen und dann mit meinem Vater und einer Reitlehrerein ausgebildet.“ Als Kristina zwölf war, startete sie mit ihrem selbst ausgebildeten Nathan bei den Deutschen Meisterschaften. „Da war ich unheimlich stolz und froh, dass ich dabei war. Nathan war ein Meilenstein in meiner Reiter-Laufbahn: er war so zuverlässig, auf ihm habe ich eine Menge gelernt.“ Anfang Juni 2010 feierte Nathan seinen 20sten Geburtstag, jetzt unter dem Sattel einer weiteren Sprehe-Dame mit ähnlichem Namen, bei Cousine Kristin Biermann. 2002, in ihrem letzten Ponyjahr, bekam Kristina mit Diddi Keeps Cool ein schon EM-erfahrenes Pony und kam ihrerseits mit Team-Gold von ihrem ersten EM-Einsatz zurück. „In der Ponyzeit hatten wir jede Menge Spaß. Vielleicht war es noch nicht ganz so ernst wie heute, aber Spaß und ein tolles Team haben wir auch heute noch bei den U25-Jährigen.“
Der Übergang ins Juniorenlager gelang Kristina Sprehe problemlos. Wieder hatte sie einen routinierten Partner an ihrer Seite: der zuvor von Dirk Viebrock gerittene Wyoming. 2003 kehrte das Paar mit Mannschaftssilber und Einzelbronze von der EM zurück. Ihr erfolgreichstes Jahr hatten die beiden ein Jahr später, als es erneut EM-Bronze in der Einzelwertung gab und Team-Gold. Gefeiert wurde doppelt, denn in demselben Jahr startete auch Zwillingsschwester Tanja bei den Europameisterschaften im Parcours und holte Mannschaftssilber. „Ich verstehe mich gut mit meiner Schwester und jeder gönnt dem anderen total seine Erfolge.“
In die Junge Reiter-Zeit ist Kristina mit der Royal Angelo-Tochter Rose Noir eingestiegen. Rose Noir, Rosi genannt, hatte Paul Sprehe bei einer Auktion gekauft und zunächst zur Ausbildung Julia von Platen anvertraut, die mit ihr den dritten Platz bei der Weltmeisterschaft der jungen Dressurpferde machte. Anschließend übernahm Kristina Rosi und bildete sie weiter aus mit Hilfe ihres Trainers Holga Finken. 2006 gehörten Rosi und Kristina zum EM-Goldteam der Jungen Reiter, als Sahnehäubchen gab es Einzel-Bronze dazu. „Ich glaube, die EM 2006 in Stadl Paura war mein allerschönstes Erlebnis mit Pferden überhaupt. Ich bin als letzte Reiterin an den Start gegangen und die anderen haben mir vor meinem Ritt nichts gesagt. Aber ich musste mindestens 75 Prozent reiten, damit wir noch Gold bekommen – und es hat geklappt!“ Für den Grand Prix-Sport aber bot sich Rosi nur bedingt an, deshalb wurde sie in ein gemütliches Leben nach Florida verkauft.
Schon unter dem ungarischen Dressurreiter Gyula Dallos hatte er erste Grand Prix-Erfahrungen gemacht, 2007 kam er zu Kristina Sprehe: Royal Flash. „In unserer ersten gemeinsamen S-Dressur wollte ich Dreierwechsel reiten, aber er ist nur Einer gesprungen“, lacht Kristina, „Aber es hat von Turnier zu Turnier besser geklappt.“ Ein halbes Jahr später gehörte Kristina wieder zum EM-Team, dieses Mal mit Royal Flash, und nahm zwei Silbermedaillen mit nach Hause. „Am tollsten finde ich an ihm seine Charakterstärke. Er gibt mir im Viereck enorme Sicherheit. Ich glaube, da könnte ein Schwein durchs Viereck rennen, das wäre ihm egal. Auf ihm habe ich die Grand Prix-Lektionen gelernt, er verzeiht auch mal Fehler und ist nicht so ein Sensibelchen.“ Zuverlässigkeit ist für Kristina das Wichtigste bei einem Pferd. „Ich brauche keinen, mit dem eine Prüfung klappt und die nächste setzt er in den Sand.“ Im Viereck würde sie sich selbst zwar eher als ‚auf Angriff reitend’ beschreiben, aber sonst mag Kristina auch Sicherheit. „Wenn mir einer jetzt 50.000 Euro schenken würde – die würde ich, glaube ich, erst mal gut anlegen.“ Da spricht die BWL-Studentin. „BWL kann man immer gebrauchen und ich könnte mir durchaus vorstellen, mal bei meinem Vater in die Firma mit einzusteigen.“ Mit der Firma ist Feinkost Sprehe gemeint, nicht das Gestüt ihres Vaters und Onkels. „Mit dem Gestüt habe ich noch nicht so viel zu tun. Ich interessiere mich zwar für Zucht, aber ehrlich gesagt, habe ich noch nicht die allermeiste Ahnung davon. Wenn ich mal älter bin und nicht mehr reiten kann, dann züchte ich vielleicht ein bisschen.“
Außer Cousine Eva-Maria reiten eigentlich alle Sprehe-Mitglieder Springen, warum sollte es für Kristina die Dressur sein? „Dressur hat viel mit Genauigkeit zu tun, aber beim Springen… naja, ich will nicht von Glück reden, aber…“ Eine nachdenkliche Pause lässt die gut Gelaunte den Satz abbrechen, vielleicht auch aus Sicherheitsgründen. Schließlich will man es sich nicht mit (fast) der ganzen Familie verderben. „Oder sagen wir es mal anders: Wenn bei mir am ersten Hindernis die Stange fallen würde, dann hätte ich schon keine Lust mehr.“ Die Genauigkeit und die Dressur, auch ein Grund, warum Kristina so von ihrem Trainer Jürgen Koschel begeistert ist. „Ich trainiere seit Anfang 2009 bei Jürgen Koschel und finde das klasse. Er achtet auf  Kleinigkeiten und er redet nichts schön. Wenn etwas in der Prüfung Mist war, dann sagt er das auch.“ Ende 2013 hat Kristina Desperados nach Hause geholt. Seither ist sie auf dem Gestüt Sprehe vermehrt für die Ausbildung der Dressurpferde verantwortlich und hatte nicht mehr so viel Zeit, täglich nach Hagen zu fahren. Im Training wird sie seitdem von Cheftrainerin Monica Theodorescu betreut.
Die Pferde, das Studium und der große Familien-Clan – „Bei Familienfeiern wird schon meistens über Pferde gesprochen.“ – da bleibt nicht viel Zeit. Aber in einer ruhigen Minute spürt Kristina manchmal den Geschmack von Freiheit und Abenteuer auf der Zunge: „Eine Weltreise oder eine Reise nach Australien, das wär’ schon mal was!“

www.gestuet-sprehe.de