Get Adobe Flash player

lisa marie kloessinger web 200pxGeb.: 30.03.1993
Wohnort: Aicha vorm Wald
Beruf: Bachelor Sport-, Event- und Medienmanagement

Lisa-Maria Klössinger:

„Daktari und ich haben eine Gemeinsamkeit: Wir stehen beide nicht gerne im Mittelpunkt.“
 
 

Foto: Privat

 

„Ruhig, selbstkritisch und definitiv eine unverbesserliche Chaotin“, so beschreibt sich Lisa-Maria Klössinger. Im Viereck merkt man von der Chaotin allerdings gar nichts. Da ist die U25-Doppeleuropameisterin von 2017 voll konzentriert, präzise und sehr erfolgreich.

Lisa-Maria Klössinger hat Sportmanagement in München studiert, aber langfristig möchte sie die Pferde zum Beruf machen. Das ist aus mehreren Blickwinkeln erstaunlich. Erstens kommt sie aus einer Familie, die eigentlich nichts mit Pferden zu tun hatte. Und zweitens war sie 2014 kurz davor, mit dem Reiten aufzuhören. Aber inzwischen überwiegt längst die Begeisterung für die Pferde und den Dressursport und das alles hat sehr viel mit dem eleganten Donautanz-Sohn FBW Daktari zu tun. Mit Daktari hat Lisa sämtliche vorstellbaren Höhen und Tiefen erlebt. Sechsjährig hat sie den Württemberger bekommen, ein halbes Jahr später haben die beiden schon ihre ersten S-Dressur gewonnen. Sie wurden in den Bundeskader der Jungen Reiter berufen und gehörten wiederum ein Jahr später zum Goldteam bei der EM. Zweimal Einzelsilber machten den totalen Erfolg komplett! „Danach war meine Junge Reiter-Zeit vorbei“, erzählt Lisa. „Aber der Weg in Richtung Grand Prix wollte uns nicht so recht gelingen.“ Vor allem in den Einerwechseln und bei der Piaffe-Passage-Tour regte sich Daktari zu sehr auf und wurde ängstlich. „Hinzu kam, dass ich irgendwie turniermüde geworden war. Also hatte ich mich schweren Herzen dazu entschlossen, ihn zu verkaufen.“ Top-Ausbilder Rudolf Zeilinger sollte beim Verkauf helfen, aber der winkte ab. „Rudolf Zeilinger meinte, dass man Daktari und mir nur Zeit geben müsse und das stimmte. Daktari lernte stetig, wir sind wieder zusammengewachsen und haben 2016 unsere erste Drei-Sterne-S gewonnen.“ 2017 übertrumpften die beiden kühnste Erwartungen: Zum ersten Mal durften sie beim CHIO Aachen an den Start und sahnten bei der Europameisterschaft der U25-Reiter in Lamprechtshausen ab: Gold mit der Mannschaft und in der Einzelwertung! „Der emotionalste Moment war, als ich nach dem Mannschaftsritt im Stallzelt ankam und mein Ergebnis über den Lautsprecher hörte. Da fiel die ganze Last von meinen Schultern. Wir hatten Mannschaftsgold und ich hatte endlich gezeigt, was mein Pferd und ich können.“
Häufig kommen Brüder durch reitende Schwestern früher oder später in den Stall und zum Pferdesport. Bei Lisa war es andersherum. „Mein Bruder Georg ist zwölf Jahre älter als ich und er hat bei uns in der Familie den Stein mit den Pferden ins Rollen gebracht.“, erzählt Lisa. „Er hatte früher ein Pferd und so war ich oft mit im Stall. Inzwischen bin ich die einzige in der Familie, die an den Pferden hängengeblieben ist (lacht).“ Mit drei Jahren hat Lisa ihr erstes Pony bekommen, die braun-weiße Shetty-Stute Flicka. „Mit ihr bin ich dann auch schon allein ins Gelände geritten. Angst hatte ich nie, auch inzwischen nicht, aber das ist nur mit Pferden so. Sonst bin ich nicht so experimentierfreudig.“ Dann kam Vihar. „Das war ein verrückter Halbaraber, ein Pony von meinem Bruder, mit dem niemand zurecht kam. Mit mir ging er, ich hatte irgendwie einen guten Draht zu ihm.“ Damals war Lisa noch viel begeisterter vom Springen als von der Dressur, aber dann fiel ihr Springpony verletzungsbedingt zwei Jahre aus… „und wir hatten nur noch Dressurstute Whoopi im Stall, die absolut kein Talent zum Springen hatte. Aber reiten wollte ich trotzdem –  ohne ging es gar nicht! Also habe ich mich genauer mit dem Dressurreiten auseinandergesetzt, ritt die ersten Turniere und war viel erfolgreicher als im Springen.“ Schnell habe ihr Bauchgefühl ihr gesagt, dass ihr Herz dem Dressurreiten gehöre. „Der damit verbundene Erfolg hat dies nur bestätigt. Ich denke, vieles im Leben ist vorbestimmt und das gehörte dazu. Ich liebe die Arbeit mit dem Pferd und nicht die Anzahl der goldenen Schleifen. Wenn man etwas gerne macht, kommt der Erfolg meist von allein. Man muss nur den richtigen Weg für sich finden :).“
Bei der Suche nach dem richtigen Weg haben ihr besonders zwei Pferde geholfen: New Lord und natürlich Daktari. New Lord hatte Lisa eigentlich als Springpferd gekauft, aber als sie 18 war, gewann sie mit ihm in Vidauban ihren ersten internationalen Grand Prix – noch bevor sie ihre erste normale S-Dressur gewonnen hatte. Und von Daktari hat sie, neben allem Können und Wissen in dressursportlicher Sicht, vor allem eins gelernt: „In der Ruhe liegt die Kraft!“ Aus Trainersicht hat in erster Linie Ulla Salzgeber die Europameisterin geprägt. „Viereinhalb Jahre war ich bei Ulla zum Training“, erzählt Lisa. „Das war für mich nicht nur reiterlich eine prägende Zeit, sondern auch eine Schule fürs Leben. Ulla war für mich fast wie eine zweite Mutter. Im Sattel habe ich von ihr sehr viel für das Prüfungsreiten und das Fokussiert-Sein gelernt.“ Ein Jahr lang trainierte Lisa dann mit Ralf Kornprobst. „Das war Reiten aus einem ganz anderen Blickwinkel. Es ging viel um das Management mit jungen Pferden und den Spaß dabei.“ An ihrem Tiefpunkt 2014 habe er, Ralf Kornprobst, sie aufgefangen, ihr wieder den Spaß am Reiten vermittelt. „Durch Ralf kam auch der Wunsch, die Pferde und das Reiten zu meinem Beruf zu machen.“ Und dann war da natürlich noch Rudolf Zeilinger, der sie wieder mit Daktari zusammengeführt hat. „Bei Rudolf Zeilinger war es wieder komplett anders. Aber für mich war gerade das, das Beste. So habe ich meine eigene Linie gefunden.“ Die eigene Linie ist Lisa sehr wichtig, denn sie ist voll überzeugt: „Nur wer seinen eigenen Weg geht, kann von niemandem überholt werden!“
Lisa-Maria Klössinger fühlt sich rundum wohl in ihrem Leben. „Ich habe tolle Menschen und Pferde um mich herum und freue mich auf jeden kommenden Tag.“ Eigentlich ist nur noch ein Wunsch bei ihr offen: eine Weltreise. Die ist zwar noch nicht geplant, aber als Einstieg hat Lisa Anfang 2018 schon mal zwei Monate Italien, Mailand, 'gebucht'.  „Das war – wie so vieles bei mir – eine Entscheidung aus dem Bauch heraus“, erzählt sie. „Ich bin schon öfter Lehrgänge bei Anna Merveldt geritten. Bei einem dieser Lehrgänge kam uns die Idee, dass ich sie mal in Mailand besuchen könnte, mit den Pferden natürlich. Zwei Wochen später ging es los.“ So hat sie sich auch von diesem Wunsch schon ein besonderes kleines Stück erfüllt.