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NowagBianca web 200pxGeb.: 17.10.1994
Wohnort: Ostbevern
Beruf: Profireiterin und -ausbilderin

Bianca Nowag:

„Ich bin sehr ehrgeizig, aber auch ein totaler Teamplayer. Ich feiere und koche gerne, gehe gerne shoppen und kann im Urlaub wunderbar am Strand liegen. Aber wirklich infiziert bin ich von den Pferden und der Reiterei – und das von Anfang an..“
 
 






Foto: Privat

 

Dass Schwestern ihre Puppen teilen, ist wohl eher selten. Dass sie ihre Ponys teilen, scheint fast unmöglich. Bei den Nowag-Schwestern hat es geklappt. Bianca und ihre viereinhalb Jahre ältere Schwester Carolin sind mit 'geteilten' Ponys in die Reiterei hineingewachsen. Mit Pony Danadira beispielsweise sammelte Carolin erste E-Dressur-Erfahrung, während Bianca mit fünf Jahren auf Danadira das erste Mal überhaupt bei einem Wettbewerb an den Start ging. „Meine Großeltern sind schon geritten, meine Eltern auch, so bin ich praktisch vom Babyalter an mit im Stall gewesen“, erzählt Bianca und lacht. „In meiner Erinnerung habe ich im Kinderwagen gesessen, meiner Mutter beim Reiten zugeguckt und gesehen, ob sie auf dem falschen Fuß leichttrabt. Ich war von Anfang an völlig infiziert.“
Mit wechselnden Ponys wuchsen die Schwestern immer mehr in den Pferdesport hinein und dann kam für Bianca der perfekte Lehrmeister: Der feine Lord! „Von ihm habe ich unfassbar viel gelernt. Mit ihm wurde meine Reiterei erstmals etwas ernster, ging mehr in die sportliche Richtung.“ Durch Pony-Bundestrainerin Cornelia Endres ist damals der Kontakt zu Reiner Bockholt entstanden, dem Besitzer von Der feine Lord. Er suchte nach Lisa Albers eine neue Reiterin für seinen viermaligen Bundeschampionats-Finalisten. „Lord war ein richtiger Prinz“, betont Bianca. „Entweder er war gut gelaunt und wollte, dann hat man oft mit ihm gewonnen. Oder er wollte gar nicht, dann war man auch mal Letzter.“ Für die Zukunft sei das genau die richtige Schule gewesen, ist die ehrgeizige junge Dame heute sicher. „Ich habe durch seine Art viel gelernt und es hat mich gut für die Zukunft im Sport gerüstet.“ Das Paar Lord und Bianca kletterte bis zur Europameisterschaft die Erfolgsleiter nach oben. 2009 gehörten die beiden zum Goldteam der deutschen Ponyreiter.
Als Bianca aus dem Ponyalter rausgewachsen war, kam durch einen glücklichen Umstand Dauerbrenner zu Bianca. Die Tochter der Besitzer fing an zu studieren und hatte nicht mehr so viel Zeit zum Reiten. Also sollte Bianca Dauerbrenner auf ein paar Turnieren vorstellen, um ihn dann zu verkaufen. „Ich wusste also von Anfang an, dass es nur eine begrenzte Zeit gab für mich und Dauerbrenner, aber das war ich ja immer so gewohnt. Erst wuchs man nach und nach aus den Ponys heraus und wir hatten auch nicht den finanziellen Background, um uns selbst irgendwelche Spitzenpferde zu kaufen.“ Zwei Jahre blieb Dauerbrenner bei Bianca, zwei intensive und erfolgreiche Jahre. „Mit ihm habe ich meine erste S-Dressur geritten und wir sind gleich Zweite geworden.“ Und mit ihm gehörte sie zum Junioren-EM-Team 2012 und brachte Teamsilber mit nach Hause. „Dauerbrenner hatte super viel Qualität und ich habe ihn über alles geliebt. Er war ein richtiges Charakterpferd.“
Nach dem Abitur war Bianca „naja, wenn ich ehrlich bin, etwas planlos“, amüsiert sie sich im Nachhinein. „Ich hatte keine Lust zu studieren, also habe ich eine kaufmännische Ausbildung in Münster gemacht und konnte nebenher immer so zwei, drei Pferde reiten. Das hat mir Spaß gemacht und ich habe schon überlegt, ob ich das so beibehalte: einen halben Tag etwas 'Vernünftiges' und den anderen halben Tag reiten.“ Dazwischen in der Freizeit ein bisschen kochen, shoppen oder mit Freunden treffen. Das war der Plan, aber dann ist Bianca Johannes Westendarp begegnet. Der Pferdeprofi bot Bianca einen Job als Bereiterin an, Bianca schlug ein und seit Sommer 2015 ist sie nun halbtags auf dem Hof Westendarp tätig. „Das war eine sehr gute Entscheidung. Ich habe schon sehr viel gelernt und lerne immer noch jeden Tag, gerade mit und von den jungen Pferden. Ich fühle mich wahnsinnig wohl bei Westendarps.“ Die andere Hälfte des Tages reitet Bianca ihre Pferde am DOKR in Warendorf. Drei bis vier Pferde hat sie dort stehen, darunter auch ihr Starstute Fair Play RB. RB steht für Reiner Bockholt. Den Kontakt zu Bockholt hat Bianca seit ihrer Zeit mit Der feine Lord aufrecht erhalten. Auch ihre Schwester hat einige Zeit eine Stute aus der Bockholt'schen Zucht geritten, eine Schwester von Fair Play. Fair Play heißt bei Bianca nur 'Mausi'. Zehnjährig kam die Stute, bereits S-fertig, unter den Sattel der zielstrebigen Dressurreiterin und es passt mit den beiden. Schon 2015 gehörte Bianca wieder zum EM-Team, dieses Mal bei den Jungen Reitern und dieses 'begnügte' sie sich nicht mit einer Teammedaille, obwohl es die goldene war. Dieses Mal legte sie mit Einzelsilber und Kürgold noch zwei oben drauf! „Gold in der Kür – das war absolut gigantisch!“, jubelt Bianca noch Jahre später, „aber noch cooler war die Mannschaftsentscheidung. Ich war letzte deutsche Reiterin und ich wusste, ich muss mindestens 75,2 Prozent reiten, um uns Gold zu sichern.“ Mit dieser Anspannung in die Prüfung und kämpfen und am Ende hat es geklappt! „Ich lag am Ende nur ein oder zwei Punkte drüber, aber es hat gereicht und als ich da rauskam, kamen all die Mädels aus meinem Team zu mir gerannt und sind mir in die Arme gefallen. Das war das Allerschönste, was ich je erlebt habe.“ Na klar, die Mannschaftsmedaille wurde im deutschen Lager ordentlich gefeiert! „Die Eltern haben vielleicht sogar noch ein bisschen mehr gefeiert als wir“, spricht die Feierfreudige und grinst. 2017 brachte sie erneut Gold mit nach Hause – dieses Mal im Team der U25-Reiter und wieder war ihre Partnerin Fair Play RB.