RahtjensNinja web 200pxGeb.: 12.02.1994
Wohnort: Barmstedt
Beruf: Studentin

Nina Rathjens:

„Bei mir müssen es immer dieselben Sachen sein, mit denen es gut geklappt hat… dieselbe Schabracke zum Beispiel. Und meine Reitstiefel müssen jetzt auch bleiben, die hatte ich ja bei der EM an. Da bin ich sehr abergläubisch.“
 
 

Foto: Privat

Die Sache mit 'Es liegt in den Genen' ist offensichtlich doch Quatsch. Die Eltern des kleinen Mädchens hatten überhaupt nichts mit Pferden zu tun, trotzdem redete das kleine Mädchen, sobald es reden konnte, nur von Pferden. Als es neun Jahre war, gaben die Eltern nach. „Endlich durfte ich reiten“, strahlt Ninja Rathjens noch Jahre später. Zielstrebig, ehrgeizig und geduldig, in diesem Fall könnte man fast hartnäckig sagen – das war Ninja schon immer, wenn es um Pferde geht.
Auf Schulponys in Elmshorn ging es los, aber Ninja wuchs rasch und mit zwölf entschied die Familie: Ein eigenes Pferd muss her. Als Ninja den Oldenburger Piccolo im Stall von Peter Mohr sah, wusste sie sofort: Das ist er! „Ich war eher ängstlich, aber Piccolo war so lieb! Wir haben schnell zusammen gefunden, mit ihm habe ich meine ersten Turniere geritten und mit 14 habe ich meine erste M-Dressur geritten.“ Jetzt gab es kein Halten mehr. Ninja hatte Turnierluft geschnuppert und wollte weiter nach oben. Auf Piccolo folgte der damals neunjährige Diamonds Dream. „Den wollte ich unbedingt haben, weil er so schön war. Ein richtiges schwarzes Mädchenpferd.“ Auf dem Schicken ritt sich Ninja in den Kader und bis zur Deutschen Jugendmeisterschaft. „Mit Diamonds Dream habe ich auch meine erste S-Dressur geritten. Das war eigentlich gar nicht geplant. Ich wollte nur M reiten, aber dann haben wir spontan entschieden, dass ich auch die S reite und die haben wir gleich gewonnen.“ Die Party im Stall war garantiert!
Manchmal muss das Schicksal nachhelfen, so wie im Fall von Renoir. Eigentlich hat Familie Rathjens damals gar kein Pferd gesucht, aber der Besitzer war gestorben. Renoir war damals zwölf, ist sehr wenig Turniere gegangen und zwei Jahre kaum geritten worden, als Ninjas Vater und ihr damaliger Trainer Rainhard Nielsen entschieden: Renoir passt zu Ninja. „Ich habe nur gedacht, was wollen die beiden denn mit dem?“ Gut sechs Monate hat es gedauert, dann ist der Knoten zwischen Ninja und Renoir geplatzt, und wie! Im nächsten Jahr haben die beiden schon zusammen zwölf S-Dressuren gewonnen, 2013, 2014 und 2015 wurden sie Landesmeister der Jungen Reiter in Schleswig-Holstein.
Und noch einmal schlug das Schicksal zu: Dreijährig hatten Rathjens den schönen De Nino gekauft, sieben Jahre hatte Ninja ihn mit Hilfe ihres Trainers ausgebildet, 2016 ging er bei seiner ersten Inter II an den Start und für 2017 stand der Piaff-Förderpreis auf dem Programm. Aber dann verletzte sich De Nino, der Traum vom Piaff-Förderpreis war geplatzt. Bis Ninja Emilio auf einem Turnier sah. „Ich habe ihn gesehen und mich sofort komplett verliebt!“ Auch beim Probereiten hat alles super geklappt bis auf… „den Galoppwechsel. Ich konnte keinen einzelnen Galoppwechsel mit ihm reiten, er hat immer Einerwechsel gemacht“, lacht Ninja. „Und das hat auch drei Wochen gedauert bis ich da den richtigen Dreh raushatte.“ Hans Siemers hatte den schicken Schimmel als Fohlen gekauft, Tochter Janina hatte ihn bis zur Grand Prix-Reife ausgebildet. Eigentlich wollte sich Ninja nur ein paar Wochen Tipps von Emilios bisheriger Reiterin holen, aber das Training klappte so gut, dass sie ganz auf dem Hof der Familie Siemers in Sittensen einstallte.  „Ich habe drei Pferde bei Siemers stehen und fahre eigentlich jeden Tag die 80 Kilometer zum Reiten in den Stall“, erklärt Ninja. „Aber manchmal, wenn es abends zu spät wird, dann bleibe ich auch gleich da und schlafe in unserem Lkw.“
Zuhause ist Ninja in Barmstedt. Dort arbeitet sie halbtags im Bauunternehmen ihrer Eltern mit, nachmittags fährt sie in den Stall und abends widmet sie sich, wenn sie es irgendwie schafft, ihrem BWL-Fernstudium. Viel Freizeit bleibt da nicht, zumal sie noch einmal pro Woche Pilates-Training macht. „Wenn ich mal ein bisschen Zeit habe, dann treffe ich mich gerne mit meinen Freunden.“ Urlaub? Naja, eine Woche Skifahren geht schon mal. Aber während alle anderen nach sieben Tagen erklären, dass sie gerne noch eine Woche dranhängen würden, möchte Ninja dringend nach Hause zu den Pferden. Fraglos: Die Pferde bestimmen zu einem Großteil Ninjas Leben, aber für Ninja sollen die Pferde immer Hobby bleiben. „Ich wollte die Reiterei nie zu meinem Beruf machen. Ich möchte einfach immer den Spaß daran behalten und nicht jedes Pferd reiten müssen.“ Spaß auf einem ganz besonderen Pferd und zu einem ganz besonderen Anlass hatte Ninja vor allem im September 2017. Als Nachrückerin ist sie in das EM-Team der deutschen U25-Reiter aufgerückt und gewann mit ihrem Team Gold! „Ich bin eigentlich sehr nervenstark, aber da war ich schon angespannt“, gesteht die Mannschafts-Europameisterin schmunzelnd. „Den Druck fürs Team zu reiten, hat man schon gespürt, aber umso schöner war der gemeinsame Erfolg. Das war etwas ganz Besonderes.“