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Geb.: 30.9.1996
Wohnort: München
Beruf: Studentin der Biochemie

Anna Magdalena Scheßl:

„Und dann hatte ich noch den verrückten Wunsch, irgendwann mal in den Bundeskader zu kommen.“
 
 
 
 
 
 

 

Foto: Privat

In München geboren, in München aufgewachsen und in München studiert sie jetzt Biochemie. Anna Magdalena ist eine durch und durch Münchnerin und die Biochemie liegt seit Generationen in ihrer Familie: der Urgroßvater, der Großvater, der Onkel, die Tante – allesamt Chemiker. „Neben der Reiterei ist das Studium schon anstrengend“, gesteht Lena. Lena heißt ja eigentlich Anna Magdalena, aber jeder ruft sie nur 'Lena'. „Aber ich hatte in meinem Leben immer zwei Wünsche: die Biochemie und die Reiterei.“ Und am liebsten würde sie auch künftig beides unter einen Hut bringen.
„Ich glaube, das erste Foto von mir auf dem Pferd wurde gemacht, als ich ein halbes Jahr alt war.“ Lena lacht. Lenas Mutter Andrea von Zychlinski-Scheßl ist immer geritten, so sind Lena und ihre beiden älteren Brüder praktisch mit Pferden aufgewachsen. Ihren vierten Geburtstag hat Lena auf dem ersten gemeinsamen Pony der Geschwister gefeiert: Pünktchen. Mit der kleinen Shetty-Scheckstute ist Lena jahrelang am liebsten ohne Sattel über die Wiesen geflitzt und häufig auch auf dem Boden gelandet. „Aber das war ja nicht so schlimm“, grinst Lena. „Der Weg nach unten war ja nicht so weit.“ Erst als Lena zehn oder elf war kam der Turniergedanke in ihr auf. Mutter Andrea gab ihr auf Welsh-Pony Miss Polly die ersten ernsthafteren Reitstunden. „Miss Polly war ein richtiges Kinderpony, unheimlich lieb, kein Springtalent, aber bis zum E-Niveau ging alles super.“ Als Lena immer zielstrebiger und ehrgeiziger den Turniersport verfolgte, übernahm eine Freundin von Mutter Andrea die weitere Ausbildung der Pferdebegeisterten, Julia Gress. Mit dem Training von Julia Gress und Großpferdstute Donni machte Lena die nächsten Schritte: bis A-Springen und L-Dressur. „Donni hat mir die Basis beigebracht und sie hat immer auf mich aufgepasst, fast wie eine Mutter“, erklärt Lena. „Wenn es brenzlig im Parcours wurde, ist sie lieber stehen geblieben, damit ich nicht runterfalle.“
Als Donni in die Zucht ging, wurde Lena das Springpferd einer Freundin zur Verfügung gestellt. „Ich bin auch immer gerne gesprungen, aber in der täglichen Arbeit fand ich Dressur immer spannender.“ Und mit einem verschmitzten Grinsen fügt sie hinzu: „Wenn es höher wurde im Springen, dann war das auch nie so mein Sport.“
Als Lena etwa 14 war, lernte sie ihre absolute Lehrmeisterin kennen: Donna Romana. „Donna hat mich durch die gesamte Junioren- und Junge Reiter-Zeit begleitet. Sie war unglaublich arbeitswillig und ein totales Verlasspferd. Ich musste mir im Viereck nie Sorgen machen, dass sie guckt oder nervig wird.“ Donna war bis zum Inter I-Niveau ausgebildet und Lena durchlief mit ihr alle Klassen vom L- bis zum Zwei-Sterne-S-Niveau. „Donna hat mir alles beigebracht.“ 2014, das war Lenas letztes Juniorenjahr, sind die beiden Bayerische Meister geworden. „Das war für mich völlig unerwartet – einfach klasse. Und ich durfte dann auch zum ersten Mal Deutsche Meisterschaften reiten.“ Zwei weitere Landesmeister-Titel gewann das Paar im Junge Reiter-Lager.
Im Herbst 2015 war es so weit. Nach dem Abitur hat sich Lena ein besonderes Jahr gegönnt: Ein Jahr nur Reiten im Stall von Holga Finken. „Das Jahr hat mir unheimlich viel gebracht!“ Donna und ein Nachwuchspferd hatte sie mitgenommen zu Finken, außerdem durfte sie dort noch viele verschieden weitere Pferde reiten. „Ich habe sonst immer nur mein Pferd geritten. Bei Holga habe ich gelernt, wie man mit jungen Pferden umgeht und ich durfte auch mal erfahrenere Pferde reiten und eine Piaffe oder Passage fühlen.“ Durch das Reiten von den verschiedenen, meist auch sehr guten Pferden habe sie nicht nur sehr viel gelernt. „Ich bin dadurch auch viel selbstsicherer geworden.“
Seitdem sie von ihrem besonderen Jahr zurückgekehrt ist, trainiert sie mit ihren Pferden bei Uwe Schwanz. „Julia (Gress) reitet auch immer wieder bei Uwe. Die beiden haben eine ähnliche Herangehensweise: Es geht ganz viel um Gefühl. Beide vermitteln, dass es am Wichtigsten ist, ins Pferd hineinzuhorchen. Zu fühlen, wo es sich fest macht, woran man arbeiten muss.“
Nach fünf gemeinsamen Saisons war Donna 18 und Lena hat sie in ihre verdiente Rente geschickt. „Donna war 'mein Pferd'! Ich habe sie unglaublich gerne geritten, sie hat immer alles für mich gegeben und ich wollte auf keinen Fall, dass sie noch von irgendjemand anderem geritten wird.“ Es war schwierig, für Donna einen geeigneten 'Rentenplatz' zu finden. Die Stute ist Allergikerin, darf kein Heu fressen, auch nicht eingeweichtes, sondern nur Heulage. Vor dem Fegen muss die Stallgasse unbedingt immer gewässert werden. Ihre Haltung, damit sie sich wirklich wohlfühlt, verlangt also eine spezielle und sorgfältige Vorgehensweise. „Wir haben eine Bekannte in Freiburg an der Elbe. Sie ist Züchterin und macht selbst Heulage – dort steht Donna jetzt und fühlt sich pudelwohl.“
Das Problem: Lena stand jetzt ohne Turnierpferd da. Aber ihr Großonkel wusste Rat. Lenas Großonkel ist der international bekannte Dressurrichter Uwe Mechlem. Er wiederum kennt schon seit vielen Jahren die hoch erfolgreiche Dressursport-Familie Max-Theurer aus Österreich. „Mein Onkel hat bei Max-Theurers angerufen und gefragt, ob sie eine Idee hätten. Sie hatten und am nächsten Tag sind wir gleich hingefahren.“ So saß Lena das erste Mal auf dem westfälischen Rubinstein-Sohn Biedermeier. Das war im Oktober 2017. „Das hat gleich gut geklappt mit mir und Biedermeier, nur statt der Dreierwechsel, die ich mal ausprobieren sollte, hat er lieber gleich Einerwechsel gesprungen“, erzählt Lena und lächelt. Auch Sissy Max-Theurer war von Anfang an von den beiden angetan. Ein paar Tage haben sich Lena und Biedermeier noch im Stall von Max-Theurers aneinander gewöhnt, dann hat Lena den 2006 Gekörten mit nach Hause genommen. Zuvor hatte Wibke Bruns den Westfalen bis zum Grand Prix-Sport gefördert und auch international vorgestellt. Lena schwärmt von 'Biedi' in den höchsten Tönen und sie liebt seine eigene Art. „Biedi ist ein lustiges Pferd mit viel Schalk im Nacken. Er baut beispielsweise gerne mal ein paar Einerwechsel ein, wo sie gar nicht hingehören.“ Direkt in ihrer ersten gemeinsamen Saison 2018 haben sie sich für den Piaff-Förderpreis empfohlen und bei der Station München den dritten Platz belegt. „Das war erst unser drittes Turnier und die Runde hat sich rundum super angefühlt. Ich war den ersten beiden auch ganz dicht auf den Fersen“, freut sich Lena. Das große Ziel für die erste Saison war das Piaff-Finale in Stuttgart. „Und dann hatte ich noch den verrückten Wunsch, irgendwann mal in den Bundeskader zu kommen.“ Wie baff war Lena als im Sommer 2018 nach einem gelungenen Turnier in Riesenbeck der Anruf von Bundestrainer Sebastian Heinze kam. „Ich war gerade im Stall als er anrief und mir sagte, dass ich in den Bundeskader aufgenommen worden sei. Ich hatte überhaupt nicht damit gerechnet! Aber ich habe mich so sehr gefreut. Wir haben sofort im Stall darauf angestoßen.“
Neben der Biochemie und Biedi bleibt Lena nicht viel Zeit, aber sie genießt es immer die verbleibende Zeit mit ihrer Familie und ihren Freunden zu verbringen.