Geb.: 28.12.1997
Wohnort: Hagen
Beruf: Profireiterin

Evelyn Eger:

„Mit acht Jahren habe ich zu meiner Mutter gesagt: 'Ich möchte alle Pferde aus Opas Stall reiten.'“
 
 
 
 
 
 
 

Foto: Privat

„Im Prinzip bin ich ziemlich normal, eher unkompliziert und 'einfach gestrickt', auf der anderen Seite kann ich schon auch mal ein bisschen crazy unterwegs sein.“ Die zwei Seiten der Evelyn Eger. „Ich bin nicht schüchtern, aber ich stehe auch nicht gerne im Mittelpunkt.“ Ob sie wollte oder nicht: Spätestens im Jahr 2020 hat sie die Aufmerksamkeit vieler Dressursport-Fans auf sich gezogen – bis zur Kaderberufung im Sattel von Whitley. Sie sei überhaupt nicht der nervöse Typ, eher ganz entspannt, aber die Nachricht von der Kaderberufung hat sie doch verblüfft. Keiner hatte so wenig damit gerechnet, wie die gebürtige Wiesbadenerin selbst…
Reiten von zehn Pferden pro Tag, zwei- bis dreimal pro Woche im Fitness-Studio und zwischendurch gerne mal ein bisschen Shopping – Evelyn Eger ist eine Powerfrau, die ihr Leben sehr früh den Pferden verschrieben hat.
Als Evelyn auf die Welt kam waren ihre Eltern längst begeisterte Hobbyreiter und ihr Opa hatte einen eigenen Stall. So sind Evelyn und ihre Geschwister Tamara und Janis bereits mit Ponys aufgewachsen. „Aber ich war ehrgeiziger als meine Geschwister“, erzählt Evelyn. „Ich wollte aufs Turnier und am liebsten Springen reiten.“ Von Bobby habe sie sehr viel gelernt. „Er hat es mir nicht leicht gemacht, er hat seine eigenen Regeln aufgestellt.“ Das größte Problem aber war: Evelyn wollte springen, Bobby nicht. Mit Großpferd Vitali probierte Evelyn den Vielseitigkeitssport aus und ging nebenher auch in Springprüfungen bis zur Klasse M an den Start.
Schon mit acht Jahren verkündete Evelyn ihrer Mutter: „Ich möchte alle Pferde aus Opas Stall reiten!“ Mit 13 war sie bereits entschlossen, die Pferde zum Beruf zu machen. „Meine Eltern haben natürlich immer mal zwischendurch versucht, dass ich doch noch 'was Vernünftiges' mache“, lacht sie, „aber: Ich wollte das!“ Mit 17 Jahren gab es kein Halten mehr: Evelyn wird Pferdewirtin. „Ich wollte für die Ausbildung nicht in einen reinen Springstall gehen, das kam für mich nicht in Frage, also habe ich nach Dressur- und Springställen Ausschau gehalten und bin dann in der Wintermühle in Neu-Anspach bei Arnold Winter gelandet.“ Auf der Wintermühle hat Ausbilder Frank Mohr Evelyn unter seine Fittiche genommen. „Bei ihm habe ich unheimlich viel gelernt und er hat mir immer wieder gesagt, dass ich viel Talent für Dressur habe.“ Auf Anraten von Mohr hat sich Evelyn nach ihrer Ausbildung bei Familie Kasselmann in Hagen a.T.W. vorgestellt und wurde genommen. Seit 1. Oktober 2018 ist sie dort als Bereiterin angestellt und genießt jeden Tag: „Ich habe dort Möglichkeiten, die ich mir nie erträumt hätte! Ich darf so tolle Pferde reiten, dafür bin ich unheimlich dankbar.“ Im täglichen Training guckt jeder mal nach jedem auf dem Hagener Borgberg, absolutes Teamwork, im Speziellen wird Evelyn hauptsächlich von Miriam Johannsmann unterstützt. „Das klappt super mit Miriam. Ich kann so viel von ihr lernen!“
Rund zehn Pferde reitet Evelyn pro Tag, einen sehr bunten Mix vom dreijährigen Youngster bis hin zur 18-jährigen hocherfahrenen Whitley, ihrer Kaderpartnerin. „Natürlich ist so ein Arbeitstag anstrengend, aber er gibt einem auch unheimlich viel. Reiten ist einfach genau mein Ding!“ Statt Springen ist es nun die Dressur geworden – vermisst sie die Sprünge? „Ja, manchmal schon ein bisschen. Vielleicht reite ich auch deswegen mit Whitley regelmäßig über Stangen. Das sind zwar keine Sprünge, aber wenigstens das Anreiten ist ähnlich“, erzählt sie und schmunzelt. Und die Dressur fasziniert sie von Tag zu Tag mehr: „Bei der Ausbildung von Dressurpferden ist es einfach unheimlich toll zu merken, wie sich die Pferde verändern, wie man die Veränderung jeden Tag spürt, wie man zusammenwächst und gemeinsam Ziele erreicht. Das begeistert mich.“ Und auf welchen Pferdetyp 'steht' Evelyn besonders? „Eigentlich ist es gar nichts Bewusstes, aber irgendwie sammele ich bunte Füchse“, lacht sie. „Man sieht's nicht zuletzt an Whitley. Und ich mag heißere Pferde, vielleicht auch, weil ich früher viel im Springsattel unterwegs war. Die Heißeren waren schon immer mehr mein Ding.“

„Ich war total überrascht! Ich war ja noch nie in einem Kader.“ Noch lange Zeit nach dem Anruf von Bundestrainer Sebastian Heinze im Juni 2020 hört man die Verwunderung in Evelyns Stimme. Mit dem Sprung in den U25-Kader stand sie auch schon auf der Longlist für die Europameisterschaften. „Und ich war stolz. Whitley ist schon sehr speziell und ich habe sie damals erst eineinhalb Jahre geritten. Ich war stolz darauf, mit ihr so zu einem Team zusammen gewachsen zu sein.“ Von Whitley habe sie das ganze Grand Prix-Programm gelernt, das Gefühl und Management gerade in den Serienwechseln oder in der Zick-Zack-Traversale. „Dabei ist Whitley eine strenge und zugleich auch gutmütige Lehrmeisterin. Entweder sie zeigt mir: 'Mädchen, jetzt hast Du Dich gerade vermanagt' oder sie hilft mir über den Moment hinweg.“