Geb.: 07.01.1998
Wohnort: Wallenhorst
Beruf: Pferdewirtin Schwerpunkt Reiten, Ausbildung zur Veranstaltungskauffrau

Alexa Westendarp:

„Dressur bedeutet für mich, mit einem Tier etwas zusammen zu erarbeiten. Man kann nichts planen, weil sie ihren eigenen Kopf haben. Aber am Ende des Tages, wenn man eine tolle Performance hinlegt, dann ist das ein absolut tolles Gefühl und eine Bestätigung der Arbeit.“

Foto: Privat

'Immer gut drauf' – das ist ein Markenzeichen von Alexa Westendarp. Sie selbst sagt: „Ich bin eigentlich ein sehr positiver Mensch, außerdem hilfsbereit und ein echter Teamplayer.“ Und wie wunderbar sie sich auch für andere freuen kann, das hat man nicht zuletzt bei ihrer ersten U25-Europameisterschaft im August 2020 gesehen – immer am Viereck bei ihren Teamkollegen. Natürlich bringt sie auch selbst eine gesunde Portion Ehrgeiz mit und war auf ihren 17-jährigen Partner Hicksteadt mächtig stolz. „Dass wir bei der Euro zwei 70er Runden zeigen konnten, das war schon ein sehr gutes Gefühl.“
In diesem Jahr, 2020, ging alles ziemlich schnell: Bereiterprüfung, Kaderberufung, Europameisterschaft, erwachsener geworden. „Bei den U21-Reitern wurde noch auf viel mehr Kleinigkeiten geachtet, der Ablauf war viel genauer vorgegeben – sitzen alle im Bus, wer reitet wann etc. Als U25-Reiter ist man älter. Man merkt, dass mehr erwartet wird, dass wir auch selbst etwas auf die Kette kriegen“, erzählt Alexa. „Man kriegt nicht mehr so den Hintern gepudert und wächst an den Aufgaben.“

Alexa Westendarp ist schnurstracks in die Fußstapfen ihrer Eltern getreten. Ines und Johannes Westendarp, selbst erfolgreich im Dressursattel, haben Alexa auch die ersten Jahre im Training unter ihren Fittichen gehabt, „aber irgendwann in der Pubertät kommt der Punkt, an dem das mit Kindern und Eltern im Training nicht mehr so einfach ist“, erklärt Alexa und lacht ihr gut gelauntes Alexa-Lachen. Seitdem trainiert sie auch mit Oliver Oelrich und Klaus Balkenhol. Und dann habe sie unheimlich viel in den drei Ausbildungsjahren bei Kasselmanns gelernt. „Ich durfte die erfahrenen Grand Prix-Pferde von Bianca reiten, das war toll! Vor allen Dingen die Einerwechsel haben wir ganz lange und immer wieder geübt – meine Beine waren immer zu langsam“, erzählt sie offen und lacht wieder.
Doch, es habe auch mal eine Phase gegeben, in der sie die Reiterei ein wenig in Frage gestellt habe. „Damals war ich in der dritten oder vierten Klasse. Meine Freundinnen haben fast alle zusammen geturnt und ich war zu Hause beim Reiten immer alleine. Das fand ich blöd.“ Dann sei sie zu ihren Eltern gegangen und habe gesagt, sie wolle auch lieber einen Sport mit anderen machen. Kein Problem – künftig sind ihre Eltern mit ihr zum nahegelegenen Reitverein gefahren, wo sich Alexa mit Freundinnen zum Reiten treffen konnte.
Auf dem Hof der Familie Kasselmann hat Alexa nach dem Abitur ihre Ausbildung zum Pferdewirt Schwerpunkt Reiten gemacht. Im Frühjahr 2020 hat sie ihre Abschlussprüfung abgelegt. In den Wochen vor der Prüfung hat sie häufiger mal den Rat ihres Bruders gesucht. Matthis ist knapp vier Jahre jünger als Alexa und im Sattel ebenfalls sehr erfolgreich, allerdings im Springsattel. Schon mehrfach gehörte er zum Junioren-EM-Team der Springreiter. „Für die Prüfung habe ich mir bei ihm häufiger ein paar Spring-Tipps geholt“, verrät Alexa und schmunzelt. „Im Springen bin ich nämlich eher ein Anti-Talent.“
Nach der bestandenen Prüfung war sie weiterhin halbtags auf dem Hof Kasselmann als Bereiterin angestellt, danach fuhr sie die halbe Stunde mit dem Auto auf den elterlichen Hof nach Wallenhorst und ritt dort die nächsten Pferde. Auf acht bis zehn Pferden saß Alexa am Tag und genoss es. Im Herbst 2020 begann sie im Horses and Dreams-Büro der Familie Kasselmann eine Ausbildung zur Veranstaltungskauffrau – als zweites Standbein und Absicherung. Natürlich, ihre Pferde reitet sie weiterhin, auf jeden Fall Der Prinz, Four Seasons und Hicksteadt, ihren Kaderpartner. Hicksteadt vom Hof Kasselmann hat Alexa 2019 von Zina Facklam übernommen. Der Anfang war nicht ganz einfach für die beiden: „Hicksteadt hatte schon ganz viel Erfahrung. Ich musste mich erst mal an ihn gewöhnen, an seine Reaktionen, an die Hilfengebung. Er ist der Erfahrene und ich stelle mich auf ihn ein.“ Schnell sind die beiden zum Top-Team geworden. Für Alexa war die U25-EM 2020 ihre vierte Europameisterschaft, aber die erste im Lager der U25-Reiter. Mit Der Prinz gehörte sie 2016 zu den goldenen Mannschafts-Junioren bei der EM in Oliva. 2018 und 2019 war sie mit ihrer Fürstenball-Tochter Four Seasons FRH Teil des EM-Teams der Jungen Reiter und nahm jeweils Team-Gold mit nach Hause. „Vor der ersten EM war ich super nervös“, gesteht sie, „wenn man vor Ort ist, ist jede EM absolut toll und schön, aber reiterlich wie ein anderes internationales Turnier.“
Viel Freude hat Alexa auch an der Entwicklung ihrer beiden eigenen Pferde. Der Prinz, 2007 geboren v. Diamond Hit, hat Alexa sechsjährig übernommen, inzwischen sind die beiden zusammen bis in den Grand Prix-Sport gewachsen. Die Fürstenball-Tochter Four Seasons ist 2011 geboren und ein echtes Familienmitglied. Vater Johannes Westendarp hat die elegante Rappstute selbstgezogen. Alexa hat die Stute von Anfang an selbst ausgebildet – bis zur internationalen Jungen Reiter-Reife.
Alexa ist mit Pferden aufgewachsen, genießt jeden Tag mit ihnen, geht mit ihren Freunden gerne mal essen oder ins Kino und ist ein rundum fröhlicher Mensch. Nur eins ist schwierig mit ihr: „Länger als eine Woche im Urlaub, das ist ganz schwer, dann will ich zurück zu den Pferden.“ Aber die paar Tage, die sie im Urlaub entspannen kann, in denen möchte sie dann auch am liebsten „sehr gemütlich gar nichts tun!“