Geb.: 13. Januar 1996
Wohnort: Osnabrück
Beruf: BWL-Studium Master

Ellen Richter:

„Ich bin nicht die Allercoolste auf dem Turnier, aber sehr fokussiert.“       
 
 
 
 
 
 

 

Foto: Privat

Ellen Richter genießt eine ihre spezielle Situation: Sie arbeitet im Moment mit drei Trainern zusammen. „Ich habe einfach ein Riesenglück, drei tolle Trainer an meiner Seite zu haben“, schwärmt sie. Mit Oliver Oelrich trainiert Ellen Richter schon seit Beginn ihrer Juniorenzeit. „Oli hat einen riesigen Anteil an meinem Erfolg. Er achtet extrem auf Durchlässigkeit und dadurch, dass wir uns schon so lange kennen, wissen wir immer genau, was der andere meint. Gerade auf den Turnieren hilft das total.“ Als es in Richtung Grand Prix-Sport ging, hat Oelrich angeregt, dass Ellen auch regelmäßig zu Klaus Balkenhol zum Training fährt. „Klaus Balkenhol ist extrem gut im Beibringen von Piaffe und Passage und das mussten wir ja beide erst lernen, Vinay und ich.“ Und Isabell Werth? „Dass ich mal bei Isabell Werth Unterricht habe, hätte ich nie gedacht. Bei ihr hat man tatsächlich das Gefühl, dass sie immer mit hinten auf dem Pferd sitzt. Sie ist immer voll engagiert und kann sich toll in die Pferde hineinversetzen.“
Während die anderen Ponymädchen früher von Europameisterschaften und Medaillen geträumt haben, hatte Ellen schon sehr früh einen speziellen Wunsch: einmal Grand Prix reiten! Ihre erste Drei-Sterne S, eine Inter II, ist sie mit Vinay im September 2019 in Spenge geritten – und hat gewonnen. Im Juli 2020 stand der erste Kurz-Grand Prix im Piaff-Förderpreis in Bettenrode auf dem Programm – und auch den hat das Paar gewonnen. „Ich denke, das ist mein größter Erfolg: Dass ich es geschafft habe, Vinay bis zum Grand Prix auszubilden“, freut sich Ellen. „Ich habe ihn sechsjährig bekommen, seitdem habe nur ich in seinem Sattel gesessen und hatte Hilfe durch die Trainer von unten. Das ist schon sehr cool, dass Vinay und ich das zusammen geschafft haben.“
Vater Klaus Richter hatte sich früher zunächst alle Mühe gegeben, dass die Zwillingsschwester Ellen und Leonie eher in Parcours unterwegs sind. „Er hat zu Hause immer wieder Sprünge aufgebaut, er hat wirklich alles versucht“, lacht Ellen, „aber Leonie und ich wollten beide lieber Dressur reiten – ich glaube, wir haben auch beide nicht das letzte Talent fürs Springen.“ Und vor allen Dingen war da Ramiro. „Ramiro habe ich mit sechs oder sieben Jahren bekommen. Er war 1,38 Meter groß und ein richtiges Turnierpony. In der Prüfung wusste er genau Bescheid, hat das Köpfchen hingehalten und los ging’s.“ Mit ihm ist Ellen ihre ersten E-, A- und L-Dressuren geritten, Springen mochte Ramiro aber gar nicht. Schade für Vater Klaus, aber bei Ellen hat Ramiro die Liebe zur Dressur entfacht.
Ein Leben ohne Pferde stand für die Zwillinge Ellen und Leonie früh außer Frage. Mutter Sabine ist selbst bis zur S-Dressur erfolgreich geritten, Vater Klaus ebenso im Springsattel. Sehr früh haben sie ihre Kinder an den Pferdesport herangeführt, zuerst auf Pony Moritz: „Mit Moritz sind wir immer zusammen in der Führzügelklasse mitgeritten – ein paar Runden war ich dran, dann bin ich runter von Moritz und Leonie ist aufgestiegen und so ging das hin und her.“ Teamwork total – das klappt auch heute noch uneingeschränkt bei Familie Richter. Einen eigenen kleinen Privatstall mit sieben Boxen betreibt die Familie in Bad Essen. Zum Reiten stehen eine Halle 17,5 x 35 Meter und ein 60 x 20 Meter Platz zur Verfügung. „Unser Vater kümmert sich um das ganze Drumherum zu Hause und guckt auch beim Reiten schon mal drüber“, erzählt Ellen. „Er hat sich als Springreiter im Lauf der Jahre sehr gut in die Dressur ‚eingeguckt‘. Und meine Mutter ist meistens beim Training dabei. Und wenn ich mal nicht da bin, kümmert sich Leonie mit um meine Pferde und anders herum.“ Zwillingsschwester Leonie hat sich inzwischen ganz den Pferden verschrieben und arbeitet als Bereiterin, Ellen hat im Frühjahr 2021 ihren Master in BWL gemacht. „Ich möchte erst mal ein paar Jahre arbeiten und dann – wenn das geht – meine Stundenzahl etwas reduzieren. Dann könnte ich nicht nur mein eigenes Pferd reiten, sondern vielleicht auch noch ein, zwei Berittpferde.“
Ellen wohnt in Osnabrück, wo sie auch studiert hat, und fährt täglich die 30 Minuten nach Bad Essen, um Vinay zu reiten. Drei- bis viermal pro Woche steht Training auf dem Programm, die anderen Tage… „bekommt er Spaßprogramm: mal lege ich uns ein paar Stangen hin, mal gehen wir ausreiten und am liebsten ist er auf der Weide. Vinay hat eine so tolle Arbeitseinstellung. Er will immer, hat immer Lust – das möchte ich unbedingt erhalten. Das ist für mich das Allerwichtigste.“ Neben Vinay hat Ellen noch ein Berittpferd, das sie weiter fördert, und dann stehen noch zwei sehr gute Zweijährige bei Familie Richter im Stall. „Bei den beiden ist noch nicht ganz geklärt, wer die später mal reiten darf“, schmunzelt Ellen.
Ganz in der Nähe von Bad Essen genießt inzwischen Ellens ehemaliges Erfolgspferd Fontane sein Après-Turniersport-Dasein. Mit Fontane gehörte Ellen 2014 zum goldenen EM-Team der Junioren in Arezzo. „Fontane war ein super Juniorenpferd: Er war toll in der Anlehnung, nicht nervös, aber auch nicht faul. Genau, wie man es sich wünscht.“ Rasant sind die beiden die Erfolgsleiter nach oben gerauscht. 2012 kam Fontane nach Bad Essen, er war sieben, Ellen 16. Ein Jahr später waren sie schon das Reservepaar für die Europameisterschaft und zwei Jahre später, 2014, gab es kein Halten mehr: Platz zwei beim Preis der Besten, Teamgold bei der EM. „Ich war selbst total perplex, wo ich auf einmal war – und dann noch EM-Gold, damit hätte ich nie gerechnet.“ In den Folgejahren kränkelte Fontane häufiger, so dass die Familie nach reiflicher Überlegung beschloss, für ihn einen schönen Platz zu suchen – ohne Leistungssport. „Er steht nicht weit weg von uns, genießt ganz viel Weidegang und wird ab und zu noch ein bisschen geritten. Ihm geht es supergut“, freut sich Ellen. Nach Fontane war Ellen zunächst ‚pferdelos‘, bis ihr Vinay im Internet aufgefallen ist. Vinay war sechs, zweimal hat Ellen ihn ausprobiert und dann gekauft. „Vinay ist beim Reiten super ‚an‘, aber dabei total lieb. Er kann vor lauter Freude schon mal in die Luft springen, aber er ist nie böse dabei. Und er hat unheimlich viel Power, Energie und Spaß bei der Arbeit. Er ist einfach die ideale Kombination aus allem, was man sich vorstellt.“ Nur in einem Punkt macht ihr der Vitalis-Sohn glücklicherweise einen Strich durch die Rechnung: „Ich stehe nicht so gerne im Mittelpunkt“, gesteht Ellen. Daran kam sie aber schon in der Saison 2020 kaum vorbei: Spätestens beim Finale des Piaff-Förderpreises im Dezember wurden viele deutsche Dressurfans auf das Paar Vinay-Ellen aufmerksam. Und nach Platz drei in dem sehr starken Finale wurden die beiden in den Bundeskader berufen. Ein starkes Paar mit einer starken Familie im Hintergrund.