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Geb.: 17.11.1992
Wohnort: Roth
Beruf: Pferdewirtin, Ausbilderin, Trainerin

Franziska Stieglmaier:

„Reiten bedeutet für mich alles! Die Harmonie mit dem Pferd, ohne mit ihm 'sprechen' zu können, die zwanglose Kommunikation – das fasziniert mich.“
 
 

Foto: Privat

„Ich war damals ganz schön neidisch, wenn meine Geschwister schon mit Papa aufs Turnier fahren durften und ich musste noch zu Hause bleiben!“ Als ganz kleiner Knirps hat Franziska manchmal geflucht, dass sie die Jüngste der vier Stieglmaier-Geschwister ist. Aber das ist längst vorbei. Die drei Großen haben die Karriere von Franziska mit vollem Einsatz unterstützt. Das ist auch heute noch so. Lagiator beispielsweise, eins ihrer Erfolgspferde, hatte sie damals von einem ihrer Brüder 'gemopst'. „Vier Kinder mit Toppferden ausstatten, das ging nicht. Ich war schon immer die 'Bevorzugte' in dem Punkt, weil ich die mit dem Talent und dem meisten Ehrgeiz war. Meine Geschwister haben mir da immer den Vorrang gelassen. Das war super!“ Und der Spaßfaktor stand bei den Geschwistern auch schon immer im Vordergrund. Vor allen Dingen, wenn sie gemeinschaftlich hinter dem Stall auf die Wiese geflitzt sind, rein in den alten Wohnwagen, dort die Matratzen rausgezerrt haben und sich dann mit Gejohle auf die Ponys gesetzt und über die Matratzen gesprungen sind. „Wir haben viel Quatsch mit unseren Ponys gemacht!“, schmunzelt Franziska heute.
Alle Stieglmaier-Kinder sind erfolgreich geritten. Franziskas große Schwester Annett war im Springsattel unterwegs, bei den Zwillingsbrüdern Martin und Felix hatte sich Martin mehr für die Dressur entschieden und Felix mehr fürs Springen. Vater Walter Stieglmaier war in beiden Disziplinen bis zur Klasse S erfolgreich, Mutter Erika in beiden Sätteln bis zur Klasse M. Zufall kann man die Pferdebegeisterung von Franziska bei der 'Abstammung' kaum nennen, eher Markenzeichen der Familie. Allesamt sind sie bis heute den Pferden eng verbunden. Mutter Erika war als Tierärztin für die Besamung der Hengststation zuständig, inzwischen wurde die Hengststation zu Franziskas Dressur-Ausbildungsstall umfunktioniert. Ein Mitarbeiter hilft bei der Versorgung der 20 Pferde, alles andere ist Familiensache. Bruder Martin kümmert sich als zukünftiger Tiermediziner um das gesundheitliche Wohl der Vierbeiner, Bruder Felix als Hufschmied um die perfekte 'Besohlung und Schwester Annett ist Steuerfachangestellte. Die Eltern helfen überall, nicht zuletzt bei der Versorgung und dem Training der Pferde. Vater Walter ist außerdem schon von jeher Franziskas Trainer. Und Franziska reitet, reitet, reitet, unterrichtet und packt im Stall mit an. Einen darf man nicht vergessen: den Polizisten und Hobby-Landwirt Armin, Franziskas Freund. „Als er das erste Mal mit im Stall war, hat er gestöhnt: 'Mein Gott, sind die groß!'“, lacht Franziska. „Inzwischen steckt er voll mit drin. Von Halle abziehen über Rasen mähen bis zum Füttern – Armin unterstützt mich, wo er kann.“
Um 6.00 Uhr morgens beginnt der Tag im Hause Stieglmaier, dann trifft sich ein Großteil der Familie im Stall zum Füttern. Zwischen 7.30 Uhr und 13.00 Uhr, nach dem obligatorischen Nutellabrot zum Frühstück, weil ohne das gar nichts geht, reitet Franziska sieben bis acht Pferde. Unter den Kandidaten im Stall ist alles vertreten – vom Fohlen über Jungpferde bis zu Lukas. Lukas, er ist mit seinen elf Jahren der älteste und der Star im Stall. Als Fohlen haben die Stieglmaiers ihn gekauft und Franziska hat ihn, ebenso wie seinen Vater Lagiator, selbst ausgebildet. Ihre bisherige Laufbahn haben die beiden mit dem Sieg im Piaff-Förderpreis-Finale 2016 gekrönt. „Papa kam um die Ecke gelaufen und rief 'Wir haben gewonnen!', Mama hat geweint und ich – ich hätte nie, nie damit gerechnet“, strahlt Franziska nach dem Sieg in Stuttgart und freute sich gerade für Lukas doppelt und dreifach. „Dreijährig hätte ihm das niemand zugetraut.“ Kurz danach kam der Anruf von dem Ausschuss-Vorsitzenden Klaus Roeser: Franziska wurde in den perspektivischen B-Kader aufgenommen. „Da dachte ich nur 'Wie cool!'. Das war für mich ein toller Vertrauensbeweise der Bundestrainer in mich, vor allem auch mit der Perspektive für die Zukunft.“
Franziskas Karriere im Sattel begann klassisch mit Führzügel- und Reitwettbewerben. Ziemlich rasant hat sie sich nach oben geritten, ist seit 2005 im bayerischen Landeskader, erst mit Ponys, dann mit Großpferden. „Ich bin schon mit 15 Jahren auf Großpferde umgestiegen, einfach, weil ich kein passendes Pony hatte“, erklärt Franziska. Mit Trakehnerstute Lulu wurde sie als 16-Jährige bayerische Meisterin und mit Lulu ist Franziska auch bei ihren ersten Grand Prix-Prüfungen an den Start gegangen. Groß war der Schock als sich die Stute auf der Koppel das Bein brach und eingeschläfert werden musste. „Ich war gerade 17 und konnte das gar nicht glauben. Wir hatten sie als Fohlen gekauft und ich habe sie zusammen mit Papa ausgebildet. Als sie sich das Bein brach, war sie erst zwölf.“ Dann kam Ronaldo. Mit dem niederländisch gezogenen Lancet-Sohn hat sie ihm Grand Prix-Sport den Durchbruch geschafft. Der Besitzer Eduard Wellensiek hatte einst bei Vater Stieglmaier reiten gelernt und ihn Franziska zur Verfügung gestellt. Jeder junge Reiter braucht auf seinem Weg Unterstützung. Neben der Familie, Pferdebesitzern und Trainern geschah das bei Franziska auch durch die pferdebegeisterte Familie Schüle, die sie vom Ponyalter an immer gefördert hat.
Ronaldo hat Franziska auch mitgenommen als sie mit 17 den elterlichen Hof verließ und nach Österreich reiste. Ein Jahr war sie im Stall von Elisabeth 'Sissy' Max-Theurer, ritt und lernte. „Sissy hat mir ein Pferd für die Junioren-Tour zur Verfügung gestellt, Reve d'Amour. Und bei ihr habe ich gelernt, nicht zu großen Respekt vor großen Namen zu haben. Sie hat mich gleich mal international Grand Prix reiten lassen, das war eine riesige Erfahrung.“ Überhaupt habe sie in dem Jahr sehr viele verschiedene Pferde mit viel Potenzial reiten dürfen und auch dadurch sehr viel gelernt. 2014 hat sie dann noch ein Fortbildungsjahr im Stall von Bundestrainerin Monica Theodorescu eingeschoben und im März 2016 als Quereinsteiger ihre Prüfung zum Pferdewirt Schwerpunkt Reiten gemacht. „Früher wollte ich mal Tiermedizin studieren“, erzählt Franziska, „aber ich habe eine Blutphobie. Wenn ich Blut sehe, werde ich ohnmächtig. Damit war Tierärztin gestrichen.“ Und grinsend fügt sie hinzu: „Meine schulischen Leistungen haben mit dieser Erkenntnis dann auch irgendwie nachgelassen…“
Franziska ist durch und durch Pferdefan, aber auch ein absoluter Hundefreund. Mit ihrer holländischen Schäferhündin Bagisha geht sie zweimal pro Woche zum Hundesport und genießt das Training mit ihrem Hund. „Man bekommt eine sehr enge Bindung zum Hund und Bagisha achtet absolut auf meine Körpersprache. Das ist eigentlich sehr ähnlich wie bei Pferden.“ Urlaub kommt für Franziska nur selten oder gar nicht in Frage. „Am ersten Tag kann ich sowieso nicht entspannen, weil ich denke, dass jetzt die anderen meine Arbeit machen müssen. Und länger als ein paar Tage ohne die Tiere – das halte ich nicht aus.“ Dass Franziska nicht 'nur' im Sattel oder auf dem Hundeplatz unterwegs ist, darauf achtet ihr Freund Armin. „Wir haben uns inzwischen ein kleines Fitness-Studio zu Hause eingerichtet und er hat für mich ein Programm zum Ausgleichssport ausgearbeitet. Das ist super für mich. Und er kann auch noch echt gut und gesund kochen!“ Franziska fühlt sich rundum pudelwohl – mit ihren Pferden und Hunden, ihrem Freund und ihrer Familie! Wenn die berühmte Fee mal vorbeikäme, dann hätte sie nur einen klitzekleinen Wunsch: 'ein bisschen längere Beine'. Aber Lukas und Co haben sich längst an ihre nicht ganz so große Reiterin gewöhnt und reagieren auf die etwas höher platzierten Schenkelhilfen sofort.