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Geb.: 14.04.1993
Wohnort: Telgte
Beruf: Studium Sport- und Eventmanagement, Schwerpunkt Pferdemanagement

Florine Kienbaum:

„Für mich ist es wichtig, mich nicht nur auf das gesattelte Pferd zu setzen.“
 
 
 
 
 

 

Foto: Leanjo de Koster

„Ich liebe es mit den Pferden zu arbeiten, zu spielen und zu kuscheln. Sie sind wirklich gute Freunde für mich!“ Florine Kienbaum freut sich über Erfolg, na klar, aber das Wichtigste ist für sie… „die Beziehung zu meinen Pferden. Für mich ist es wichtig, mich nicht nur auf das gesattelte Pferd zu setzen.“ Die Beziehung zu ihrem Topstar Doktor Schiwago, genannt ‚Mini’, ist für sie eine ganz besondere. „Von Mini habe ich vor allem Geduld und Ausdauer gelernt. Er konnte die Lektionen zwar schnell, aber in der Prüfung war er oft sehr abgelenkt. Heute konzentriert er sich im Viereck, aber ich bin mir sicher, dass er das nicht für jeden machen würde.“
2015 war für Florine ein turbulentes Jahr: Mit 22 Jahren ist sie nach Telgte gezogen, um ihren eigenen kleinen Dressurstall auf die Beine zu stellen. „Am Anfang war ich schon aufgeregt, ob ich das alles alleine hinbekomme, aber meine Eltern standen immer voll hinter mir und auch mein Freund Ferdi unterstützt mich. Schnell hat sich alles eingependelt, klappt super und macht wahnsinnigen Spaß!“ Dort trainiert sie ihre Pferde, hat die ersten Berittpferde unter dem Sattel und gibt Unterricht. „Ich mache wirklich beides gerne, reiten und unterrichten“, erklärt die Jungunternehmerin. „Das eine ist oft auch gut für das andere. Wenn ich beim Unterrichten etwas erkläre, geht mir auch manchmal ein Licht auf, wie man es selbst vielleicht noch besser machen kann.“
2015 war außerdem ihr Einstiegsjahr in den Grand Prix-Sport, zusammen mit 'Mini'. „In unserem ersten Grand Prix-Jahr hatten wir schon noch ein paar Schwierigkeiten“, gibt Florine unumwunden zu. Schnell wurden die Skeptiker laut, ob 'Mini' wohl das passende Grand Prix-Pferd sei. Spätestens nach Mannschaftsgold, Einzelsilber und Silber in der Kür bei der U25-EM-Premiere 2016 in Hagen sind alle kritischen Stimmen verstummt. „Damit hatte niemand gerechnet, aber Mini und ich waren bei der EM sehr gelassen und haben unsere Leistung gezeigt. Er ging so gut wie noch nie! Nach der Skepsis im Vorfeld hat mich das umso mehr gefreut.“
Vor allen Dingen in Zeiten, wenn es nicht optimal läuft, braucht jeder Sportlerin ein Team, das hinter ihr steht. Für Florine ist ihr Team besonders wichtig. „Meine Eltern halten mir immer den Rücken frei. Meine Mutter hilft mir insgesamt, mein Leben in- und außerhalb des Reitsports zu managen. Mein Vater ist mein Ruhepol, der immer einen lustigen Spruch auf den Lippen hat. Das tut besonders auf den Turnieren sehr gut. Und mein Freund Ferdi kümmert sich total um mich und meine Pferde. Er managet mit mir zusammen meinen Stall. Außerdem macht er auf den Turnieren alles mit mir durch – sauer, aufgeregt, freudestrahlend.“ Florines Team hat immer an das Paar Florine und Doktor Schiwago geglaubt und den beiden die Zeit und das Vertrauen gegeben, die sie brauchten, um in den Grand Prix-Sport zu wachsen. Wichtiger Teil des Teams ist auch Florines Trainer Oliver Oelrich. „Olli ist witzig und er hilft mir total viel weiter. Er denkt immer darüber nach, wie man es für mich und das Pferd noch besser, noch passender machen kann.“ Immer noch ein Schippchen besser – da passen Trainer und Schülerin gut zusammen, denn Florine gesteht: „Ich bin schon etwas perfektionistisch, aber ich habe dabei meine Nerven gut im Griff. Ich bin ein nervenstarker Typ.“ Perfektionistisch und nervenstark – eine gute Kombination für den Dressursport.
Florine hat sechs Geschwister, alle sind älter, sie ist das Nesthäkchen. Ihre Mutter Annette Kienbaum brachte sie auf die Idee zu reiten und klinkte sich gleich selbst mit ein. „Meine Mutter ist als Jugendliche schon hobbymäßig geritten, hatte dann aber aufgehört und mit mir wieder angefangen.“ Das erste Pony der Familie war Gracye. „Mit ihr musste ich mich erst einmal ein Jahr beweisen.“ Sie musste zeigen, dass sie sich gut um das Pony kümmert. Und das tat sie. Nach einem Jahr war ihre Mutter überzeugt und aus dem Pflegepony wurde Florines erstes eigenes Pony. Mit Gracye flitzte Florine über Wege und durch Wälder, gerne flott im Galopp. Die ersten Jahre war Florine gleichermaßen im Spring- und Dressursattel unterwegs, aber dann… „verletzte sich mein Pony und es hat ziemlich lange gedauert bis er wieder gesund war. Danach habe ich mich nicht mehr getraut zu springen, weil ich Angst hatte, dass ihm noch mal etwas passiert. Da wurde aus meinem fürs Springen ausgebidldeten Pony kurzerhand ein Dressurpony.“ Nach kurzer Pause fügt sie lachend hinzu: „Um wirklich gut zu sein, wäre ich wohl auch nie schnell genug gewesen. Ich bin immer eher langsam und schön geritten.“ Also widmete sie sich fortan der Dressur.
Mit den Ponyhengsten Donnertraum und Going East wurde die Sache Dressur 'etwas ernster'. 2008 gehörte Florine zum goldenen Pony-EM-Team in Avenches, in der Einzelwertung wurde sie Fünfte! Der Erfolg brachte sie aber keineswegs aus der Ruhe. „Ich war als Ponykind immer sehr entspannt“, erinnert sich Florine schmunzelnd. „Ich habe das alles noch nicht zu ernst genommen. Während andere Ponykinder vor ihrer Prüfung total aufgeregt waren oder sogar weinten, war ich eher zu entspannt. Meine Eltern und mein Trainer haben dann eher versucht, mich zu aktivieren.“ Das Erfolgsrezept war Handball! Mit ihrem Vater, ehemaliger Handballspieler, gewöhnte sich Florine daran, kurz vor ihren Prüfungen fünf Minuten Handball zu spielen. „Bei kurzen, schnellen Würfen muss man schnell reagieren. Das war für mich genau das Richtige.“ Heute muss Florine zwar längst nicht mehr 'aktiviert' werden, aber ihre spezielle Art der Prüfungsvorbereitung hat sie trotzdem beibehalten. „Das bringt mir Glück!“
Ponyhengst Donnertraum war nicht nur ein Erfolgspony von Florine, er löste in der Familie Kienbaum noch eine zweite Leidenschaft aus: die Ponyzucht! Noch heute züchtet Mutter Annette mit Begeisterung Deutsche Reitponys und Donnertraum gehört noch immer zu den Stammhengsten des Gestüts Vogtshof in Lohmar.
Der Umstieg aufs Großpferd gelang Florine prompt mit Good Morning. Schon in ihrem ersten Juniorenjahr gehörte sie zum EM-Gold-Team in Kronberg – ein Riesenerfolg, zumal Florine ihren Goethe-Sohn selbst ausgebildet hatte. „Der Erfolg war toll, aber ich sehe Erfolg eher als Leistungskontrolle, ob ich im Training Zuhause alles richtig mache. Das ist für mich viel wichtiger.“ Mit dem Oldenburger Don Windsor war Florine beständiges Mitglied im Team der Jungen Reiter. Drei Jahre hintereinander, 2012 bis 2014, fuhr sie mit zu den Europameisterschaften und kam nie ohne Medaille nach Hause. zweimal Mannschaftsgold (2012 und 2014) und einmal Mannschaftssilber (2013). 2012 gewann sie in Bern mit der Bronzemedaille zudem ihre erste Einzel-Medaille. Und dann kam Doktor Schiwago 'Mini', mit dem sie 2016 bei der U25-EM nicht nur Team-Gold, Einzel-Silber und Kür-Silber gewann, sondern mit dem sie auch Ende des Jahres in den Bundeskader berufen wurde. „Am Nikolaustag klingelte mein Telefon und ich wollte eigentlich gar nicht dran gehen, weil ich gerade etwas für die Uni gemacht habe.“ Eine innere Stimme ließ sie doch abheben. Am Apparat war der Dressurausschuss-Vorsitzende Klaus Roeser und teilte ihr ihre Kaderberufung mit. „Da war ich wirklich total stolz. Das ist für mich eine tolle Bestätigung.“
Die Pferde als Profession, das war für Florine nicht immer klar. „Ich habe Sport- und Eventmanagement studiert und möchte mir damit langfristig ein zweites Standbein neben dem Reiten aufbauen“, erklärt sie. „Aber mit meiner Reiterei habe ich mir über die Jahre ein Netzwerk aufgebaut, nicht zuletzt auch durch die Deutsche Bank Reitsport-Akademie, dass sich der Weg zum eigenen Stall herauskristallisiert hat. Und ich fühle mich super wohl damit.“
Die fünf schnellen Handballminuten sind inzwischen lieb gewonnene Glücksbringer auf den Turnieren, die Golfschläger hat Florine neu für sich entdeckt. „Ich finde Golf spielen als Ausgleich zum Reiten toll. Ich bin total begeistert und mein Freund und mein Vater freuen sich, dass wir jetzt auch mal etwas anderes zusammen machen können – neben den Pferden.“