Geb.: 31. August 1992
Wohnort: Gehrde
Beruf: BWL-Studentin
 
Charlott-Maria Schürmann:

„Auf dem Pferd bin ich so konzentriert, dass ich gar keine Mimik mehr habe. Nur noch den Tunnelblick.“

 
 


Foto: Lehmann



Die Eltern von Heinz-Werner Schürmann hatten nichts mit Pferden zu tun, aber ihn hatte die Begeisterung gepackt. Er ritt mit Leidenschaft und kam im Vielseitigkeitssattel sogar bis zur Deutschen Meisterschaft. Als seine erste Tochter geboren wurde, strahlte der Pferdesportler. Mädchen und Ponys – das passt. Und noch bevor seine Tochter laufen konnte, stand das erste Pony im Stall. Das Pony hieß Mona, die Tochter Charlott-Maria.
Früh übt sich… Mit zwei Jahren ist Charlott bei ihrer ersten Führzügelklasse an den Start gegangen. Der Richter Werner Schockemöhle war beeindruckt von dem Knirps auf dem schwarzen Shetty und fragte den Vater am Führzügel, wie alt die Kleine sei. Bei der Antwort war er baff.
Auch Charlotts jüngere Schwester Johanna wurde vom Vater früh an den Reitsport herangeführt. Johanna orientierte sich früh in Richtung Springen, für Charlott war es bald mehr die Dressur, die sie begeisterte. „Ich glaube, das war ganz gut so“, erklärt Charlott Jahre später. „So war der Konkurrenzkampf zwischen uns von Anfang an ausgeschaltet.“
Während ihrer Ponyzeit hat Charlott bei Bernhard Fischer und bei der Bundestrainerin Cornelia Endres trainiert. Mit zehn war sie das erste Mal bei den Deutschen Jugend-Meisterschaften am Start. „Ich hatte immer viel Spaß beim Reiten, der Virus hatte mich direkt erwischt“, lacht sie. „Und ich hatte immer passende Ponys. Wenn ich in den Ferien bei Frau Endres war, habe ich dann auch manchmal sechs am Tag geritten. Das war toll.“ Trotzdem hat es zu Ponyzeiten nicht für den letzten Kick in den Bundeskader gereicht. „Das war schon damals mein größter Traum: In den Bundeskader kommen und Euro reiten.“ 2009 war es so weit. Ein Jahr vorher hatte sie von Ponys auf Großpferde umgesattelt und Ende 2007 hatte sie zu Trainer Oliver Oelrich gewechselt. Außerdem hatte ihr Familie Klatte den Dressurhengst World of Dreams zur Verfügung gestellt. Die beiden passten zusammen und Oelrich schwärmte: „Charlott ist unheimlich konzentriert und hat das richtige Gefühl für ‚Anfassen’ und ‚Loslassen’.“
Mit dem deutschen Juniorenteam holte Charlott bei der EM 2009 in Ermelo Mannschaftsgold und setzte in der Einzelwertung eine Silbermedaille obendrauf. „Ich war eigentlich nie aufgeregt beim Reiten, nur bei meiner ersten EM hatte ich echt das Herz in der Hose. Aber als ich auf dem Pferd saß, war alles wieder gut.“ 2009 war noch auf anderer Ebene ein besonderes Jahr für Charlott Schürmann. Die Familie kaufte den sechsjährigen Breitling-Sohn Burlington für sie. „Wir hätten nie damit gerechnet, dass er sich so gut entwickelt, aber ich wollte ihn unbedingt haben.“ Noch in demselben Jahr qualifizierten sich die Beiden für das Bundeschampionatsfinale in Warendorf. Während Burlington weiter von Charlott aufgebaut und ausgebildet wurde, sammelte World of Dreams Erfolge. 2010 übertrumpften der Hengst und Charlott alles: Sie wurden dreifache Europameister der Dressurjunioren in Kronberg. „Dieser erste Einzelsieg bei einer Europameisterschaft. Das war das Tollste. Als ich auf das Einzeltreppchen gestiegen bin, habe ich geweint.“
Im nächsten Jahr war Donna Jackson Charlotts Euro-Partner, erstmals bei den Jungen Reitern. Wieder gab es Gold im Team, Platz acht wurde es in der Einzelwertung. 2012 war Burlington so weit: Teamgold und zweimal Silber in der Einzelwertung und in der Kür. Aber das war noch nicht alles. Im Dezember gewann Burlington das Finale des Nürnberger Burg-Pokals in Frankfurt. Im Dezember 2012 fuhr Charlott mit Burlington auch das erste Mal zu Klaus Balkenhol zum Training. „Seine Reiterei finde ich weltklasse!“, schwärmt sie. „Das ist alles super harmonisch und macht unheimlich viel Spaß!“ 2013 hat Charlott mit Burlington den Sprung in den Grand Prix-Sport geschafft und sich für das Finale des Nachwuchspferde-Grand Prix`qualifiziert. Deshalb ist sie in ihrem letzten Junge-Reiter-Jahr mit Edward zur EM gefahren: Teamsilber und Kür-Fünfte. Mit Edward trainiert sie auch weiter bei ihrem langjährigen Trainer Oelrich. „Oli ist einfach ein super Trainer. Er ist menschlich hervorragend, kann toll vermitteln und sich in jedes Pferd hineinversetzen. Er sieht in jedem Pferd etwas Gutes. Das finde ich beeindruckend. Bei ihm habe ich schon so viel gelernt!“ Und Oelrich bringt die Qualitäten seines Zöglings auf den Punkt: „Charlott ist eine Siegreiterin!“ Der Erfolg war schon immer Charlotts Ziel, auch in der Schule. „Da wollte ich im Sport auch immer vorne sein.“ Welche Kraft sie aus ihrer inneren Einstellung schöpft, wurde besonders in der sechsten Klasse deutlich. Damals machte ihre Schule bei einer Sportveranstaltung für gute Zwecke mit. „Wir mussten eine Stunde laufen. Ich war zwölf Jahre und hatte überhaupt nicht trainiert, aber ich bin diese Stunde voll Speed durchgelaufen, weil ich das unbedingt schaffen wollte.“ Beim Laufen sah sie nur die Bahn vor sich und war fixiert. Im Sattel: „Sobald ich auf dem Pferd sitze, habe ich einen Tunnelblick und bekomme außen herum nichts mehr mit“, lacht sie. „Fabienne (Lütkemeier) nennt mich immer den ‚kleinen Terrier’. Ich bin dann so konzentriert, dass ich gar keine Mimik mehr habe.“
 
Seit Juli 2013 steht Burlington im Stall von Klaus Balkenhol in Rosendahl. Edward ist weiter bei Oliver Oelrich in Lengerich zu Hause. Für Charlott bedeutet das: viel unterwegs sein. Morgens um 7.00 Richtung Rosendahl zum Reiten, dann nach Münster zum Studieren und abends nach Lengerich zum Reiten.
Keine Frage: Das Leben von Charlott ist auf die Pferde ausgerichtet. Und auf Erfolg. Trotz ihres vollen Tagesplans geht sie noch regelmäßig laufen und abends ins Fitness-Studio. „Das hat Gott sei Dank bis 23.00 Uhr offen“, lacht sie vergnügt. Dabei betreibt sie ihr Studium absolut nicht nur nebenher – wie das bei Pferdesportlern schon mal vorkommen kann. Auch da hat sie ein Ziel im Blick: Zusammen mit ihrer Schwester möchte sie später einmal die Firma ihrer Mutter Brigitta übernehmen. Schürmann Rehamode ist eine Firma, die Kleidung für behinderte Menschen produziert. „Wir sind damit aufgewachsen und das macht mir Spaß“, erklärt Charlott. „Meine Schwester macht eine Schneiderlehre und ich studiere BWL – das passt genau für die Firma.“ Das Endziel: Halbe Tage in der Firma, halbe Tage Reiten.
Bei den ‚Schürmännern’ spielt Familie in jeder Beziehung eine große Rolle – auch auf den Turnieren. Fast immer sind die Eltern dabei, wenn Charlott an den Start geht. Der Vater, das Bindeglied zum Reitsport von Anfang an, und die Mutter als ruhender Pol und Einflechter. Im Herbst 2013 ist sie zum ersten Mal ohne ihre Eltern aufs Turnier gefahren, nach Donaueschingen. „Das war schon komisch“, gesteht sie und schmunzelt: „Aber meine Eltern waren Zuhause noch viel nervöser als ich, alle fünf Minuten hat mein Handy geklingelt.“ Und wenn es im Viereck mal nicht geklappt hat: „Dann mache ich zu Hause die Tür zu, rege mich total auf und analysiere den Ritt mit meinen Eltern. Danach geht es dann wieder.“ Eins ist für Charlott ganz klar: „Ohne meine Familie geht gar nichts. Wenn die nicht so hinter mir stehen würde, wäre ich nie da, wo ich bin.“