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Geb.: 1. April 1968
Wohnort: Münster
Beruf: Profireiterin, -ausbilderin, Pferdewirtschaftsmeisterin, Bankkauffrau, 1. Staatsexamen Primarstufe

Ingrid Klimke:

„Ich lebe meinen Traum mit den Pferden. Und wenn ich noch einen Traum dazu erleben dürfte, dann würde ich mir wünschen, einmal mit Delfinen draußen im offenen Meer zu schwimmen.“
 
 
 

 

 

Foto: Agentur Datenreiter

Wenn man Ingrid Klimke im Sattel zuguckt, sieht man immer auch ein bisschen Dr. Reiner Klimke. Ingrid hat die Philosophie ihres Vaters übernommen, ist von ihm geprägt und verrät: „Wenn ich auf dem Pferd sitze, denke ich oft: Wie würde es Papa machen?“ Die Persönlichkeit des Pferdes steht für sie im Vordergrund, das Hineinhorchen, die Gymnastizierung und natürlich die vielseitige Ausbildung. Das ist ihr Markenzeichen – nicht nur im Vielseitigkeitssport, auch bei der Dressur.

1998 – das war das Jahr, in dem Ingrid Klimke aus einem riesigen Schatten heraustrat, aus dem Schatten ihres Vaters. „Ich wollte auf eigene Füße“, erklärt sie. „Ich habe mir genau ausgerechnet, wie groß ein Betrieb sein muss und wie klein man sein kann, damit sich ein Turnierstall trägt.“ Die Richtung ihres Stalls war Ingrid Klimke von Anfang an klar: „Ich wollte Pferde ausbilden und Turniere reiten. Ich wollte nicht handeln und ich wollte auch keine Ausbildungspferde, die mal drei Monate kommen und dann wieder gehen.“ Mit zehn Pferden, einem Lehrling und einer Pflegerin machte sich Ingrid Klimke selbstständig. Die Pflegerin hat sie damals von ihrem Vater übernommen, Carmen, und Carmen gehört heute noch zum Klimke-Team oder besser: zur Familie. Und: 2013 wurde Carmen Thiemann von der FEI mit dem ‚Groom of the Year-Award’ ausgezeichnet!

Zu Beginn ihrer Selbstständigkeit war Klimke Stützpunkttrainerin des Landesverbandes Westfalen für die Pony-Dressurreiter. „Ich habe damals einen Nachmittag pro Woche Stützpunkttraining gemacht und einen Nachmittag sind Schüler zu mir zum Unterricht gekommen. Ich habe Lehrgänge in Vereinen und im Ausland gegeben.“ Noch heute ist sie ein- bis zweimal pro Jahr im Ausland und war beispielsweise schon für Lehrgänge in Norwegen, Kanada, Finnland und Afrika unterwegs. „Das mit den Lehrgängen ist wie bei einem Schneeballsystem – je mehr man macht, umso mehr Anfragen bekommt man.“ Inzwischen hat sie ihre Lehrgangstätigkeiten zugunsten des Turniersports zurückgefahren.
Zehn Jahre später, 2008, lief der Betrieb sehr gut, aber… „Einerseits bin ich von der Reiterei besessen. Das ist meine Passion. Andererseits hatte ich manchmal das Gefühl, es wird zu viel und ich fange auch bald an zu wiehern.“ Seitdem helfen ihr zwei Assistentinnen bei der Büroarbeit und sie hat gelernt auch mal ‚nein’ zu sagen. „Training, Turniere, Seminare, Lehrgänge, Vorträge – da muss man sich ab und zu einen Tag frei schaufeln. Aber man muss konsequent sein: wenn man sich einen Tag frei hält, dann muss der auch frei bleiben.“ Dann ist die Zeit für ihre Freunde und natürlich die Familie ‚geblockt’, für ihre Töchter Greta und Philippa. Und dann ist da noch ihre zweite Leidenschaft, die auch ‚gepflegt’ werden will: Skifahren!

Die Olympischen Spiele gehören bei den Klimkes fast zur Familientradition. „Mein Vater hat immer nur in Olympischen Spielen gerechnet – das war im Tokio-Jahr oder im Los Angeles-Jahr… Es war sein größter Wunsch, dass mal eines seiner Kinder bei Olympischen Spielen an den Start geht. Sydney war deshalb für mich etwas ganz besonderes: Ein Jahr nach seinem Tod konnte ich diesen Wunsch erfüllen.“ Bisher war sie bei fünf Olympischen Spielen am Start, zweimal kam sie mit Mannschaftsgold nach Hause. Noch hat sie ihre größten Erfolge in der Vielseitigkeit gefeiert, aber auch in der Dressur hat sie schon die internationale Elite das Fürchten gelehrt. 2006 siegte sie mit Damon Hill bei der Weltmeisterschaft der jungen Dressurpferde und 2002 wurde sie mit dem Belgier Nector van het Carelshof Siebte beim Weltcup-Finale der Dressurreiter. „Die ganze Entwicklung von Nector war ein Highlight für mich – vom sehr schwierigen Pferd bis zum Weltcup-Finalisten“, erklärt Klimke mit Freude und auch ein bisschen Stolz. „Und natürlich die sechs Jahre, in denen ich Damon Hill ausgebildet habe: vom Dreijährigen bis zum Grand Prix-Sieger.“ Das Highlight mit dem ehemaligen Kaderpferd Dresden Mann, genannt Alfi, war ihr Kürsieg im Juli 2013 vor dem Münsteraner Schloss: Sieg mit über 80-Prozent! Seit Ende vierjährig wurde Alfi von Ingrid Klimke ausgebildet. Sie waren zweimal Sechste bei der WM der jungen Dressurpferde, Dritte im Finale des Nürnberger Burg-Pokals und haben sich für das Finale des Louisdor-Preises qualifiziert.
Im Rahmen der Deutschen Meisterschaften in Balve 2018 schaffte Ingrid Klimke erneut den Sprung in den Kader, dieses Mal mit Franziskus. Der Fidertanz-Sohn kam fünfjährig in ihren Stall. Sechsjährig gehörte der imposante Hengst zu den Finalisten bei der WM der jungen Dressurpferde, achtjährig wurde er Vize-Sieger im Finale des Nürnberger Burg-Pokals. Ein Jahr später ist ihm der Sprung in den Grand Prix-Sport problemlos geglückt und er stand erneut im Finale, dieses Mal im Finale des Louisdor-Preises. Im Finale von Deutschlands besten Grand Prix-Nachwuchspferden wurde Franziskus Dritter. Im selben Jahr absolvierte er seinen ersten internationalen Start in München und gewann sowohl den Grand Prix als auch die Grand Prix-Kür. „Er ist ein bedeutendes Dressurpferd mit außergewöhnlichem Talent“, schwärmt Klimke und fügt schmunzelnd hinzu: „Und das weiß er auch:-) Da er als Deckhengst sehr gefragt ist, hat er ein entsprechendes Hengstverhalten und ein bisschen Macho steckt auch in ihm: Er präsentiert sich sehr gerne vor Publikum!“
Während ihrer gesamten Laufbahn ist Ingrid Klimke, übrigens die jüngste Reitmeisterin aller Zeiten, zweigleisig gefahren. Immer hat sie sowohl Dressur- als auch Vielseitigkeitspferde trainiert und auf Turnieren vorgestellt. „Bei mir im Stall geht das immer in Wellenbewegungen durch das Jahr. Im Sommer haben die Dressurpferde zwischendurch mal Pause, im Winter die Vielseitigkeitspferde“, und grinsend ergänzt sie: „Diese Doppelgleisigkeit macht mir wirklich Spaß. Ein richtig gutes Dressurpferd über den Winter einen Schritt weiter bringen, das bedeutet für mich Lebensfreude.“
Ihre dressursportliche Ausbildung hat Ingrid Klimke von ihrem Vater bekommen. „Ich habe als Teenie einmal eins von Papas Pferden geritten und wurde für die DM nominiert, aber ich habe keinen Applaus bekommen, keiner meiner Kollegen hat mich gegrüßt. Alle haben nur gedacht, dass Papa mit dem Pferd ja schon S-Dressuren gewonnen hatte. Das wollte ich nicht.“ Fortan hat sich die junge Ingrid auf die Ausbildung junger Pferde konzentriert, unterstützt von Ausbilderin Hiltrud Mormann. „Mein Vater hat lange gehofft, dass ich doch noch seine Pferde reite, aber dann haben Hiltrud und ich Papa überrascht und ich habe eins von den jungen Pferden, die ich selbst ausgebildet habe, in einer M-Dressur gestartet – das war der Trakehner Pinot: Papa hat gewonnen, Hiltrud wurde Zweite und ich Dritte. Es war nicht einfach, Papa zu überzeugen. Er war ein Leitwolf. Aber das hat ihn beeindruckt.“ Und bald war Vater Klimke auch aufgeregter Daumendrücker, wenn Tochter Ingrid in der Vielseitigkeit an den Start ging. Dann kam er in Anzughose querfeldein gerannt, um rechtzeitig am Start zu sein. Und nicht selten gab er am Start noch den heißen Tipp: „Lass ihn doch noch mal piaffieren.“
Neben Dr. Reiner Klimke hat auch Major a.D. Paul Stecken einen gehörigen Anteil an der Ausbildung von Ingrid Klimke. „Paul Stecken hat mir unglaublich viel Wissen vermittelt“, schwärmt Klimke. „Er hat immer gepredigt: ‚Vor dem Können kommt das Wissen.’ Er hat mir alle Zusammenhänge der klassischen Grundsätze im Pferd erklärt, das Warum, Was, Wie usw.“ Aber auch Chris Bartle, die ehemals eine ‚Hälfte’ des deutschen Trainerteams in der Vielseitigkeit, hat Ingrid Klimke schon den ein oder anderen Tipp im Viereck gegeben. „Von ihm habe ich auch viel gelernt. Und auch so nehme ich jede Chance wahr, mir im Training etwas abzugucken. Ich suche mir bei jedem das Passende raus.“ So ‚sucht’ sie bei Wilfried Gehrmann, wenn es um Handarbeit mit Pferden geht, bei Jürgen Koschel ist sie schon geritten, bei Morten Thomsen, früher auch bei Franz Kuckuck und heute wird sie von Johannes Augustin im Training unterstützt.
Totaler Luxus ist für Ingrid Klimke, wenn sie mal eine Stunde ganz für sich alleine hat. „Dann kann ich in Ruhe meinen Focus oder ein gutes Buch lesen. Meistens schaffe ich das irgendwie zwischendurch auf den Turnieren.“ Und Ingrid Klimke, die nebenher Buchautorin ist, Lehr-DVDs erstellt und ein eigenes Ingrid-Klimke-Cavaletti entworfen hat, bastelt gerne: „Es macht mir Spaß, irgendwelche kleinen Geschenke für meine Patenkinder zu basteln, Geschenke einzupacken oder schöne Karten zu schreiben.“ Aber am meisten Spaß machen ihr immer noch die Pferde. „Das ist meine größte Motivation – die Freude am Reiten.“