Geb.: 24. Juni 1986
Wohnort: Menden
Beruf: Profireiterin und Marketingfachfrau

Senta Kirchhoff:

„Ich bin ehrgeizig, lache gerne und mache auch schon mal verrückte Sachen. Und ich brenne für die Pferde und den Dressursport.“
 
 

Foto: Privat

Während der Deutschen Meisterschaften 2020 kam der Anruf. Der Dressurausschuss-Vorsitzende Klaus Roeser war dran und teilte Senta mit, dass der Ausschuss sich gerne am nächsten Tag nach der DM-Kür mit ihr zusammensetzen würde. „Da war ich schon nervös. Ich habe überlegt, ob ich irgendetwas falsch gemacht haben könnte oder ob es tatsächlich bedeuten könnte, dass…“ Als ihr dann gesagt wurde, dass sie und L'Arbuste in den Bundeskader aufgenommen worden seien, habe sie erst einmal dicke Freudentränen geweint. „Das war für mich ein Riesenmeilenstein. Ich war so stolz, dass wir es so weit geschafft haben. Für mich war diese Kaderberufung wie ein Griff, an dem man sich festhalten kann, und eine riesige Ehre.“ Mit dem Halt an diesem Griff soll es weitergehen. „Ich würde es sehr gerne in den Olympiakader schaffen und dann mal in der deutschen Mannschaft reiten.“
Senta Kirchhoff und der Skovens Rafael-Sohn L'Arbuste sind im Grunde fast schicksalhaft zusammengefügt worden – mit der Hilfe von Sentas Mann Henri Ruoste. „Wir waren damals in Dänemark und ich habe dort ein Pferd Probe geritten. Zufällig wurde nebenbei L'Arbuste geritten. Als ich abstieg sagte Henry zu mir: 'Übrigens, ich habe den kleinen Braunen da gekauft. Ich glaube, das ist ein Pferd für Dich.“ L'Arbuste war damals vier, blieb noch einige Wochen im Stall des Verkäufers stehen und kam dann zu Senta. „Als ich das erste Mal drauf saß, ist er ganz schön mit mir losgeschossen. Er war schon immer wach und gehfreudig“, lacht sie. „Ich habe trotzdem sofort gedacht, dass ich den mag. Das Gefühl hat sofort gepasst.“ Drei Jahre später, 2017, gehörten Senta und ihr 'Mini', so L'Arbustes Stallname, zum WM-Aufgebot bei den jungen Dressurpferden und belegten in einem starken Feld Platz sechs. Wiederum zwei Jahre später qualifizierte sich L'Arbuste für das Finale des Louisdor-Preises – und gewann es! 2020 dann die Kaderberufung, weitere Ziele im Visier…
Wer hätte sich das alles so im Jahr 1992 vorgestellt. Damals haben Senta und ihre Schwester Kim zum ersten Mal ein Wochenende auf einem Ponyhof gemacht. Bis dahin gab es den Pferdevirus in Sentas Familie noch nicht, aber dann…! „Nach vielen Streitgesprächen, über die Maßen guten Schulnoten und unzähligen Wunschzetteln, auf denen nur „PONY“ stand, hatten es meine Schwester und ich geschafft, uns endlich 'Cooper' zu erkämpfen.“ Mit Cooper ging es los. Senta ist zuerst Vielseitigkeit geritten und war sogar bei der Deutschen Meisterschaft der Ponyvielseitigkeitsreiter dabei. „Heute lasse ich die Pferde auch gerne mal auf der Galoppbahn laufen, aber ich hätte gar nicht mehr den Mut dazu, Vielseitigkeit zu reiten“, gesteht sie offen und lacht: „Heute bin ich eine richtige 'Zylinderziege'“
Die meisten Punkte brachte Senta häufig im Dressurviereck mit in ihre Wertung. Als der Umstieg aufs Großpferd anstand, entschied Senta sich also für eine Dressurstute, Free Floating. Sie war mehrmals und mit verschiedenen Pferden bei den Deutschen Jugendmeisterschaften am Start, stellte Soulmate sehr erfolgreich bei der Weltmeisterschaft der jungen Dressurpferde vor und trainierte mit Arnd Erben, Stefan Münch und Ellen Schulten-Baumer. In der Zeit bei Ellen Schulten-Baumer hat sie ihr erstes Pferd bis zur Grand Prix-Reife ausgebildet: Wildlife. „Von Wildlife ein sehr schwieriges Pferd mit einem starkem Charakter, habe ich enorm viel gelernt. Denn so, wie er sich anfangs in den Kopf gesetzt hatte, dass es praktischer ist, wenn ich auf dem Boden liege, hatte ich mir im Gegensatz dazu vorgenommen, aus 'Waldi' ein Grand Prix-Pferd zu machen.“ Mit Waldi sammelte Senta erste Grand Prix-Erfolge, inzwischen hat sie mehrere Pferde bis zum Grand Prix-Niveau ausgebildet – so wie ihren Kaderstar L'Arbuste.
„Ich bin mit dem Unternehmen aufgewachsen. Es war immer mein Ziel, da mit einzusteigen.“ Neben den Pferden hat Senta von Anfang an ein zweites Standbein 'verfolgt' und in München internationales Marketing studiert. Zusammen mit ihrer Mutter, ihrem Onkel, noch ein paar weiteren Verwandten und auch ihrer Schwester Kim arbeitet sie im Familienunternehmen Lobbe, ein Entsorgungsunternehmen. Senta ist dort Leiterin der Marketingabteilung. „Ich sitze etwa den halben Tag auf dem Pferd und arbeite im Büro immer so viel es nötig ist“, erklärt sie. Das Schöne ist, dass sie sich die Büroarbeit gut einteilen und auch viel von Zuhause machen kann. „Gerne auch mal abends auf dem Sofa, wenn der Kleine schläft.“ Der 'Kleine' ist ihr 2018 im August geborener Sohn Nicolas. Neben aller geteilten Begeisterung für die Pferde, Nicolas steht für Senta und Henri immer im Mittelpunkt.
Seit 2015 leben und trainieren Senta und Henri auf Gut Bertingloh in Menden. Ein Traum ging in Erfüllung: „Ich brenne für die Pferde und diesen Sport! Mit Henri habe ich einen Partner an meiner Seite, der das von Herzen teilt. Und auf Gut Bertingloh haben wir einen wunderbaren Ort gefunden, an dem wir gemeinsam trainieren, uns helfen und inspirieren können. Ich freue mich wirklich darauf, was die Zukunft noch bringt!“