Schuele privat 200pxGeb.: 21. November 1940
Wohnort: Ansbach
Beruf: selbstständiger Apotheker

Dr. Dieter Schüle:
„Es stört mich am meisten, wenn sich ein Richter mit vorgefertigter Meinung an den Tisch setzt.“
***Inzwischen aus Altersgründen ausgeschieden



Foto: Privat

Er war vier Jahre alt, hieß Jolly Joker, war das erste Pferd von Dieter Schüle – und er war hart erarbeitet. „Ich hatte meinem Vater damals eine Art ‚Handel’ vorgeschlagen: Wenn ich nach meinem Praktikum ein gutes Vorexamen machen und aufgrund des guten Vorexamens gleich einen Studienplatz bekommen würde – so ging das damals und Studienplätze waren schwer zu kriegen –, dann bekäme ich ein Pferd. Mein Vater hat eingeschlagen.“ Und Dieter Schüle hat es geschafft: Studium und Pferd waren gesichert.
Mit Jolly Joker startete Schüle hauptsächlich in Vielseitigkeitsprüfungen. Vorher ist er zunächst mit Verleihpferden seiner Reitschule, dann auf eigenen Pferden auf Turnieren gestartet, ritt Springen und Dressur gleichermaßen. In beiden Disziplinen hat er sich bis zur Leistungsklasse 2 nach oben geritten. „Aber die Dressur hat mir mehr Spaß gemacht“, erklärt er. Er blieb der Dressur verschrieben, bis 1985 als aktiver Turnierreiter. 1973 wurde er parallel zu seiner Reiterei auf die Richterliste der Landeskommission Bayern gesetzt, ab 1980 richtete er national bis Grand Prix und seit 1991 steht er auf der internationalen Dressurrichterliste. Ende 1997 wurde Dr. Dieter Schüle von der FEI zum Internationalen Offiziellen Richter, heute Fünf-Sterne-Richter, berufen. Inzwischen hat er schon einige Höhepunkte in seiner richterlichen Laufbahn gefeiert: 2004 gehörte er zum Richterteam bei den Olympischen Spielen in Athen, 2006 bei den Weltmeisterschaften in Aachen, aber auch bei Europameisterschaften und Weltcup-Finals saß er am Richtertisch. 2012 wird Schüle zum zweiten Mal bei Olympischen Spielen im Einsatz sein: nicht direkt als Richter, aber als Mitglied im Judges Supervisory Panel, in das er Anfang 2011 berufen wurde. „Unsere Hauptaufgabe ist es nicht, Noten zu ändern“, betont Schüle. „Wir sind mehr die Beobachter des Richtens und der Richter.“ Seit 2012 gehört er zudem zur Körkommission des schwedischen Warmblutverbandes. „Als mich die Schweden gefragt haben, habe ich gerne zugesagt. Das macht sehr viel Spaß.“
Von 1996 bis 2003 war Schüle zudem Vorsitzender der LK Bayern und Vizepräsident des Bayerischen Reit- und Fahrverbandes, war Mitglied im FEI-Dressur-Komitee und ist Leiter des Fachausschusses Dressur in der Deutschen Richtervereinigung. Vor allen Dingen in der Ausbildung von nationalen und internationalen Dressurrichtern ist er sehr in Deutschland, aber auch im Ausland engagiert. „Die Richterausbildungen machen Spaß und sie sind wichtig. Außerdem profitiert man auch immer selbst von guten Seminaren und Diskussionen.“ 2011 hat er ein internationales Seminar für das Richten von Jungpferde-Prüfungen gehalten. „Es ist einfach ein gutes Gefühl, mit jungen Pferden zu arbeiten und es macht besonders viel Spaß!“ Maßgeblich war Schüle an der Ausarbeitung des Konzepts für die Dressurprüfungen beim Bundeschampionat beteiligt und ist seit etlichen Jahren als Richter bei den Bundeschampionaten im Einsatz.
Dieter Schüle ist mit seiner Begeisterung für den Dressursport nicht allein, die ganze Familie ist ‚infiziert’. Seine Frau Ute ist selbst bis Grand Prix-Niveau im Turniersport aktiv gewesen, seine beiden Töchter Stefanie und Christina haben die Begabung und Leidenschaft geerbt: Stefanie wurde 1995 in Helsinki Einzel-Europameisterin der Junioren, gehörte zweimal zum deutschen Goldteam bei der Europameisterschaft der Junioren (1994 und 1995) und dreimal bei den Jungen Reitern (1996-1998). 1996 hat sie zudem ihren Einzelsieg wiederholt. Auch die jüngere Schwester Christina war hocherfolgreich: Mannschafts-Europameisterin mit den Junioren 1996 und Dritte in Einzelwertung. Ein besonderes Jahr war für die Schüle-Schwestern das Jahr 1997: Zusammen im Team holten sie die Goldmedaille. Inzwischen hat Stefanie Schüle mehr als 100 S-Dressuren gewonnen, trainiert von Mutter Ute.
Dieter Schüle gibt vereinzelt Lehrgänge im Ausland – wie es seine Zeit erlaubt. „Es kommen immer wieder Anfragen aus Lettland, Malta und Italien zum Beispiel. In Lettland und Litauen war ich schon ein paar Mal, die sind wirklich sehr nett und gastfreundlich und in der Hauptstadt Riga gibt es ein herrliches Theater.“ Selbst steigt er kaum noch in den Sattel. „Für ein eigenes Pferd habe ich mit der Apotheke in Ansbach und meinem Richteramt zu wenig Zeit. Und wenn ich ein Pferd zu Hause mitreiten möchte, dann jammern die Frauen“, erklärt er und lacht.
Statt zu Frack und Zylinder greift Schüle seit einigen Jahren stattdessen zum Golfschläger – für den körperlichen und nervlichen Ausgleich? „Für den körperlichen, ja, meine Nerven brauchen das nicht. Die sind nicht so beansprucht.“ Er sei eher der ausgeglichene Typ, der zwischendurch zwar mal schnell auf dem Baum sei, aber auch ebenso schnell wieder unten.