Foto: Yadel Möhler

Geb.: 27.08.1999
Wohnort: Bad Homburg
Beruf: Studentin


„Meine Oma sagt immer: ‚Alles wird von oben geregelt‘ – daran glaube ich auch absolut!“

„Ich bin sehr passioniert, wenn es um Pferde geht und auch generell, wenn mich etwas begeistert“, erklärt Semmieke Rothenberger. „Dann kann ich mich da richtig ‚reinfuchsen‘ und das auch bis spät in die Nacht machen.“ Sie sei kreativ, liebe es, Dinge zu scribbeln, und habe immer eine Heliumflasche parat. „Es gibt dauernd Gelegenheiten, in denen man schwebende Luftballons als Deko gut gebrauchen kann“, grinst sie. „Ich bin wissbegierig. Ich lerne gerne. Ich gucke mir beispielsweise total oft Videos von anderen Reitern an. Man kann von jedem etwas mitnehmen.“ Und sie ist sehr erfolgreich: In Pony-, Junioren- und Junge Reiter-Zeiten war sie neunmal bei Europameisterschaften, hat insgesamt 21 Medaillen mit nach Hause gebracht, davon waren 14 Goldmedaillen.
Eigentlich könnte man denken, Semmieke Rothenberger kann nichts mehr verblüffen. Falsch gedacht. „Das ist total verrückt!“, wundert sie sich nach ihren ersten Turnieren mit Flanell und der Berufung in den U25-Bundeskader im Jahr 2021. „Bei diesem Pferd bekomme ich immer wieder Gänsehaut. Sie hat so viele verschiedene ‚Gänge‘. Wenn man beispielsweise im Trab zulegt, gibt sie mir immer das Gefühl, da geht noch mehr. Auch auf den Turnieren habe ich das Gefühl, es steckt noch viel mehr in ihr drin. Ich muss nur noch besser die richtigen Knöpfe finden.“
‚Semmie‘ ist die Jüngste der drei Rothenberger Sprösslinge. Die Eltern Gonnelien und Sven sind ebenso olympia-erfolgreiche Reiter gewesen wie Bruder Sönke, Schwester Sanneke war bei acht Europameisterschaften am Start bis hin zu Triple-Gold bei den U25-Europameisterschaften in Hagen 2016. „Bei uns in der Familie wurde aber nie gesagt: ‚Du musst reiten!‘ Ich habe zum Beispiel bis ich neun oder zehn war mit meinem Springpony Primero nur rumgetobt, das volle Spaßmädchen-Ponyprogramm“, lacht sie. Wenn sie ihre Geschwister im Training mit der damaligen Pony-Bundestrainerin Cornelia Endres beobachtet hat, habe sie gedacht: ‚Das ist nichts für mich, das ist alles viel zu streng‘. Aber dann kam Top-Pony Domino Dancing. „Domino war ein Seelenpony. Mit ihm hat es mich gepackt.“ Schnell war sie also doch bei Conny Endres im Training und schwärmt heute: „Das war toll. Ich würde jederzeit immer wieder bei ihr trainieren.“ Ein Jahr später ritt sie mit gerade mal elf Jahren, als jüngstes Ponymädchen aller Zeiten, im deutschen EM-Team.
Von 2011 bis 2019 ließ Semmieke keine Euro aus. Sie ritt mit drei verschiedenen Ponys zu EM-Gold, sammelte Gold bei den Junioren und Jungen Reitern mit Geisha und Dissertation. Die Trainer hinter ihr waren all die Zeit bis heute dieselben: ihre Eltern. „Meine Mutter achtet extrem auf die Durchlässigkeit. Sie versucht immer, für jedes Pferd die beste Lösung zu finden, sich in sie hineinzudenken. Und sie ist sehr kritisch, wenn es um kleinste Details geht“, erzählt Semmieke. Wenn Mutter und Tochter hochzufrieden, von dem guten Gefühl beim Reiten bzw. Trainieren schwärmen, kommt die Richtersicht von Vater Sven dazu. „Wenn Mama und ich im ‚Träumeland‘ schweben, kommt Papa und sagt: ‚So, nun reitet aber mal die ganze Aufgabe durch‘. Beim Aufgabe-Reiten ist mein Vater Perfektionist. Für mich ist das eine super Trainer-Mischung mit meinen Eltern.“
Im Träumeland mit ihren Eltern im Training, im Medaillen-Land bei sämtlichen Europameisterschaften und trotzdem gab es einen Moment, in dem Semmieke sich gefragt hat: „Warum tun wir uns den Stress mit den ganzen Turnieren eigentlich an?“ Auslöser für diese Gedanken war der Brand auf dem Hof der Familie im Februar 2019. Fünf Pferde sind damals dem Feuer zum Opfer gefallen, der Hof war zum größten Teil komplett zerstört. Alles musste neu aufgebaut werden. „Damals habe ich gedacht: Wozu brauche ich die Turniere eigentlich? Ich habe so viel Spaß und Freude mit den Pferden zu Hause. Warum der ganze Stress und Aufwand? Aber mein Vater hatte die beste Antwort. ‚Wenn es nach all der Vorbereitung an Tag x genau so klappt, wie man es sich vorgestellt hat – das entschädigt für alles.‘ Und er hat Recht. Wenn man das einmal spüren durfte, das sind Suchtmomente.“ Semmieke hatte schon einige solcher magischen Suchtmomente, ihre allererste Euro mit Domino 2011 beispielsweise. „Ich war noch so klein, aber dieser Hengst hat alles für mich gemacht und auf die ‚kleine Maus‘ da oben aufgepasst.“ Auch Triple-Gold mit Deinhard in Millstreet 2014 war so ein Suchtmoment, ebenso Triple-Gold mit Dissertation ‚Daisy‘ 2019 in San Giovanni. „Und ich hatte so einen speziellen Moment beim Mannheimer Maimarkt-Turnier mit Flanell 2021. Es war unser erstes gemeinsames Turnier und ich dachte nur: ‚Aha, so fühlt sich also ein Grand Prix-Pferd an‘. Das war unglaublich.“
Semmieke ist ein Energiebündel: Neben der eigenen Reiterei, gibt sie Unterricht („Ich bin eher der Typ, der viel redet beim Unterrichten. Ich reite gedanklich mit.“), macht drei- viermal pro Woche Ausgleichssport („Von unserem neuen Gym kann ich dabei unseren Schweinen zugucken, wenn sie sich im Dreck wälzen und denke nur, wie gut sie es haben.“ lacht), versorgt die Mitarbeiter mit leckeren Royal Donuts und studiert Psychologie. „Das ist super interessant“, schwärmt sie nach ihrem letzten Semester im Sommer 2021, „und mir fehlt jetzt nur noch die Bachelorarbeit, aber ich bin noch etwas unentschlossen wie es weitergeht.“ Semmieke weiß, dass sie immer reiten möchte, aber nicht beruflich. „Ich überlege, ob ich noch ein Tiermedizin-Studium anhänge. Das würde mich auch sehr reizen.“
Urlaub macht sie selten – wie die meisten ihrer Reitkollegen. Und wenn, dann fährt sie meist an ihren absoluten Lieblingsort: Capri! „Tolles Wetter, tolles Essen und ein traumhaftes Meer!“ Und was ist die beste Entspannung zwischendurch? „Wenn ich Zeit mit den Pferden verbringen kann, einfach mal mit ihnen grasen gehen und beim Gras Fressen zuhören – Zeit zu zweit mit Pferd, das ist für mich die schönste Zeit.“

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